Panorama

Aufarbeitung von Missbrauch Woelki: "Habe Schuld auf mich geladen"

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"Das tut mir von Herzen leid", sagt Rainer Maria Woelki.

(Foto: dpa)

Wochenlang taucht er ab. Nun meldet sich der umstrittene Kardinal Woelki zu Wort - und entschuldigt sich. Sein Umgang mit einem Gutachten zu sexuellem Missbrauch im Kölner Erzbistum rückt ihn in kein gutes Licht. Der Geistliche bemüht sich um Schadensbegrenzung.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat Fehler bei der Aufarbeitung von Missbrauchsvergehen und in der Krisenkommunikation der vergangenen Wochen eingeräumt. "Da habe ich auch Schuld auf mich geladen", gestand der Erzbischof in einer Videobotschaft ein. "Das tut mir von Herzen leid." Gleichzeitig versicherte er: "Es ging und es geht mir um konsequente Aufarbeitung."

Der 64-Jährige hatte ein Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester in Auftrag gegeben. Das Gutachten ist seit längerem fertig, doch Woelki hält es bisher unter Verschluss. Er führt dafür rechtliche Bedenken an. Stattdessen hat er ein neues Gutachten bestellt, das am 18. März veröffentlicht werden soll.

Woelki, der zeitweilig wochenlang wie abgetaucht schien, äußert sich in dem Video und einem gleichlautenden Fastenhirtenbrief ausführlich und in deutlichen Worten zu der entstandenen Krise. Das Erzbistum sei von Rissen durchzogen, stellt er fest. "Dabei weiß ich, dass viele Menschen in unserem Erzbistum und darüber hinaus mich persönlich dafür verantwortlich machen."

In den vergangenen Wochen und Monaten hätten ihm Gläubige ihre Irritation deutlich gemacht. "Sie tun sich schwer, nachzuvollziehen, warum es eine zweite unabhängige Untersuchung braucht, um die systematischen Zusammenhänge jahrzehntelangen Missbrauchs in unserem Erzbistum aufzudecken und im Detail aufzuzeigen." Er sei jedoch überzeugt, dass dies erforderlich sei, weil er "eine bestimmte qualitative und quantitative Faktenlage" benötige.

"Die Zahlen sind bekannt"

Die Münchner Kanzlei, die das erste Gutachten erstellt hat, weist alle Vorwürfe zurück. Woelki versichert in seiner Botschaft: "Es war und ist meine Absicht, eine transparente, konsequente Aufklärung der Missbrauchsvergehen und ihrer systemischen Umstände in unserem Erzbistum zu erreichen - selbstverständlich auch im Blick auf meine eigene Person."

Das noch unveröffentlichte neue Missbrauchsgutachten führt Hunderte Opfer und Beschuldigte auf. Es seien mehr als 300 Verdachtsmeldungen, über 300 Opfer und mehr als 200 Beschuldigte, berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Die Zahlen sind bekannt, da wir sie bereits in der Vergangenheit zu verschiedenen Anlässen kommuniziert haben", erklärte der von der Kirche beauftragte Strafrechtler Professor Björn Gercke.

Woelki hatte schon früher mitgeteilt, dass Gercke 236 Fälle aus dem Erzbistum Köln untersucht habe. Dabei handelt es sich laut "Spiegel" um die systematische Auswertung von Aktenvorgängen und Zehntausenden Seiten. Der Untersuchungszeitraum reicht zurück bis 1975.

Auffällig ist aber, dass die jetzt veröffentlichten Zahlen deutlich höher liegen als die Zahlen aus der sogenannten MHG-Studie der Deutschen Bischofskonferenz von 2018. Damals waren für das Erzbistum Köln über einen Zeitraum von 70 Jahren 135 Opfer sexualisierter Gewalt und 87 beschuldigte Kleriker angegeben worden.

Nachfrage nach Kirchenaustritten schnellt in die Höhe

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Gercke nannte mehrere Gründe für die Unterschiede zur MHG-Studie. So betrachte sein Gutachten nicht nur Kleriker, sondern auch nicht geweihte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Erzbistums. Zudem sei "zwischen Verdachtsmeldungen und tatsächlichen (Straf-)Taten zu unterscheiden".

Auch das zurückgehaltene Münchner Gutachten kommt nach einem Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers" zu ähnlichen Opfer- und Beschuldigtenzahlen wie Gercke. Das Vorgehen Woelkis löste eine beispiellose Vertrauenskrise im größten deutschen Bistum aus. Die Nachfrage nach Kirchenaustritten ist in Köln so in die Höhe geschnellt, dass das Amtsgericht die Zahl der Online-Termine aufgestockt hat. Aus den Termin-Buchungen ist die Konfession der betreffenden Bürger allerdings nicht abzulesen

Quelle: ntv.de, fzö/dpa