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Risiko Systemgastronomie Lebensmittelkontrolleur von Burger-King-Zuständen geschockt

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Eine RTL-Reporterin arbeitet undercover in einer Burger-King-Filiale in München.

(Foto: RTL)

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Die neue Folge von "Team Wallraff undercover" bringt eklige Zustände in verschiedenen Burger-King-Filialen an den Tag. Lebensmittelkontrolleur Maschke reagiert überrascht. Denn die Lebensmittel werden fertig angeliefert, die Abläufe sind standardisiert und es gibt eine interne Kontrolle, zumindest theoretisch.

2500 Lebensmittelkontrolleurinnen und -kontrolleure gibt es in Deutschland. Sie überprüfen in Bäckereien, Restaurants, Supermärkten und Fabriken, ob alles hygienisch, sauber und sicher zubereitet wird. Bei ihren Einsätzen sehen sie so manchen Missstand. Was die RTL-Reporterinnen und -Reporter des "Teams Wallraff" bei ihren Recherchen in fünf Burger-King-Filialen dokumentiert haben, erschüttert aber auch erfahrene Kontrolleure.

Da werden die Haltbarkeitszeiten von Lebensmitteln einfach verlängert, indem Aufkleber ausgetauscht werden. Kühlräume werden zwischenzeitlich ausgeschaltet, obwohl darin Lebensmittel tiefgekühlt bleiben sollen. Selbst die einfachsten Hygienemaßnahmen wie das Händewaschen nach dem Toiletteneingang werden nicht eingehalten. "Ich bin geschockt", sagt Maik Maschke ntv.de. Er ist Vorsitzender des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure und arbeitet selbst als Kontrolleur in Sachsen.

Auf der Liste der zu kontrollierenden Betriebe steht die Systemgastronomie, wozu auch die Fast-Food-Ketten gehören, nicht gerade ganz oben. Maschke spricht von einem aus Sicht der Kontrolleure risikoarmen Betrieb. Das liegt daran, dass die Lebensmittel, die dort verarbeitet werden, zum größten Teil in anderen Betrieben hergestellt werden, beispielsweise Burgerpattys oder Brötchen. In den Filialen werden die Hackfleischscheiben nur noch gebraten, dazu wird frisches Gemüse aufgeschnitten, auch die Soßen sind bereits fertig und werden nur umgefüllt. "Alles ist normalerweise vorgegeben, wie es zu handhaben ist, wie und bei welchen Temperaturen es gelagert werden muss", sagt Maschke.

Funktioniert die interne Kontrolle?

Es ist ein System, in dem die Gefahrenanalyse eigentlich funktionieren müsste. "Aber das muss man vielleicht überdenken", meint Maschke angesichts der schockierenden Bilder von eingetrockneter Soße, von Mäusen angefressenen Brötchen und schlechten Restaurantbewertungen, in denen zum Teil auch von körperlichen Beschwerden nach dem Essen die Rede ist. "Die großen Ketten haben Standards, die eingehalten werden müssten. Aber das müsste halt auch kontrolliert werden", meint der Lebensmittelkontrolleur. Bisher sein man davon ausgegangen, dass die internen Kontrollen beispielsweise bei Burger King funktionieren.

Doch bei den Recherchen von Team Wallraff zeigt sich, dass zumindest in einem Fall die interne Restaurant-Evaluation nicht überraschend kommt. In der Filiale des Franchisenehmers F&S Olympia GmbH in Köln-Lövenich werden Küche und Gastraum jedenfalls rechtzeitig auf Vordermann gebracht, zudem sind mehr Beschäftigte vor Ort als an anderen Tagen. Am Ende gibt es eine Spitzenbewertung, die jedoch mit der Realität nicht viel zu tun hat. Die Lebensmittelkontrolleure der Ämter kommen deshalb unangemeldet, um einen Eindruck von den tatsächlichen Gegebenheiten zu erhalten.

Maschke kann über die Gründe nur mutmaßen, die zu den schlechten hygienischen Zuständen führen. Normalerweise seien große Fast-Food-Ketten in Großstädten dort positioniert, wo es viel Laufkundschaft gibt. Das sorge dafür, dass produzierte Lebensmittel auch schnell konsumiert werden.

Bei ihren Recherchen trafen die RTL-Reporter aber immer wieder auf Probleme bei den sogenannten Haltezeiten. Das ist die Zeit, innerhalb der ein Lebensmittel verbraucht sein muss. Die internen Burger-King-Richtlinien schreiben dafür ein Etikett vor, das angibt, wann das Produkt zu entsorgen ist. In Bernau bei Berlin kann einer der Reporter aber regelmäßig beobachten, wie mit den sogenannten Haltezeiten getrickst wird, indem das alte Etikett entfernt und durch ein neues mit frischen Haltezeiten ersetzt wird. "Ich will jetzt nicht von Betrug sprechen, aber wenn die Haltezeiten immer wieder verlängert werden, das hat ja System", schätzt Maschke ein.

Sichere Lebensmittel haben Priorität

Der Lebensmittelkontrolleur vermutet Optimierungsbedarf bei der Warenwirtschaft. Für die jeweilige Filiale müsse so viel bestellt werden, dass genug Lebensmittel vorrätig sind, aber so wenig wie möglich verderben. "Viele Chefs dort scheinen nicht zu wissen, was sie machen. Einmal ist vielleicht ein Fußballspiel in der Nähe, da brauche ich mehr Angebot als an einem anderen Tag. Danach muss man die Bestellungen anpassen. Das wurde möglicherweise nicht ausreichend berücksichtigt", so Maschke.

Dass die Kundinnen und Kunden sichere Lebensmittel bekommen, müsse jedoch immer Priorität haben. Dafür sei der Unternehmer verantwortlich, aber auch die Angestellten. Wenn er einen Betrieb kontrolliere, schaue er nicht nur nach Schimmel oder Schadnagern wie Ratten und Mäusen, sondern auch auf die Mitarbeitenden. "Interessiert die Mitarbeiter gar nichts mehr oder machen die sich Gedanken? Ich finde, die Beschäftigten müssten auch sagen, ich finde, wir können das nicht länger verkaufen." Er beobachte jedoch immer wieder, dass die Sorge um den Arbeitsplatz oder ein schlechtes Sprachverständnis dafür sorgen, dass die Lebensmittelhygiene nicht genug beachtet wird.

Bei vielen Betrieben spiele auch die Idee eine Rolle, Lebensmittel nicht zu verschwenden. Es gebe inzwischen genug Möglichkeiten in Deutschland, wie Lebensmittel weitergegeben werden können. Man könne beispielsweise an die Tafeln spenden oder Gerichte entwickeln, die mit Lebensmitteln zubereitet werden können, die sich dem Verfallsdatum nähern. "Ich bin aus Ostdeutschland. Da machte man aus Resten beispielweise Soljanka oder Eintopf oder Fleischkäse mit Einlage", so Maschke.

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Die amtlichen Lebensmittelkontrolleure seien schon jetzt mit der Fülle ihrer Aufgaben mehr als ausgelastet, der Fachkräftemangel ist Maschke zufolge in der Branche deutlich zu spüren. Bis zu 1500 Kontrolleurinnen und Kontrolleure fehlen nach Berechnungen des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure. Zwei Jahre dauert es, neue Kolleginnen und Kollegen auszubilden. Maschke sieht deshalb und auch wegen der rechtlichen Rahmenbedingungen kaum Möglichkeiten, dass mit staatlichen Kontrollen interne Versäumnisse ausgeglichen werden können.

Er selbst verlasse sich auch als Kunde gern auf sein eigenes Urteil. "Ich achte auf das Umfeld, ist das Gras gemäht, sind Mülleimer voll oder liegt Müll sogar herum?" In den Filialen könne man schauen, wie voll die Tablettwagen sind und wie lange die fertigen Burger in der Warmhaltung liegen. "Man kann da einiges erkennen und bei jedem Restaurant ist der Blick in die Toilette das beste Zeichen." Sei es dort nicht sauber, sei Misstrauen sicher angebracht.

Quelle: ntv.de

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