Panorama

Verschärfte Einreiseregeln Mehr als 20 Länder sind jetzt Hochrisikogebiete

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Einreisende aus Tschechien müssen ein negatives Testergebnis vorweisen können.

(Foto: dpa)

Wer zukünftig aus sogenannten Hochinzidenzgebieten nach Deutschland einreist, muss sich 48 Stunden vorher auf das Coronavirus testen lassen. Zum Wochenende erweitert die Bundesregierung die Liste der davon betroffenen Staaten auf mittlerweile über 20.

Wegen besonders hoher Corona-Infektionszahlen hat die Bundesregierung ab Sonntag erstmals mehr als 20 Länder als Hochrisikogebiete eingestuft, für die dann leicht verschärfte Einreiseregeln gelten. Wie das Robert-Koch-Institut auf seiner Internetseite mitteilte, gehören dazu das Nachbarland Tschechien, die Urlaubsländer Portugal, Spanien und Ägypten sowie die USA.

Bisher hatte die Bundesregierung nur zwischen Gebieten mit besonders ansteckenden Virusvarianten und "normalen" Risikogebieten unterschieden. Jetzt gibt es drei Kategorien:

  1. "Normale" Risikogebiete: Das sind Länder oder Regionen über einem Grenzwert (auch Inzidenzwert genannt) von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Das gilt derzeit für fast ganz Europa mit Ausnahme einzelner Gebiete in Griechenland, Finnland, Norwegen, Österreich und Dänemark. Weltweit sind weit mehr als 100 Länder Risikogebiete.
  2. Hochinzidenzgebiete: Das sind Länder mit deutlich höheren Infektionszahlen als in Deutschland. Dazu zählen in der Regel die Länder mit einem Inzidenzwert über 200 (Inzidenz in Deutschland: 115). Es können aber auch weitere Länder unter dieser Marke unter bestimmten Bedingungen zu "Hochinzidenzgebieten" erklärt werden. Ab Sonntag gibt es neben den bereits genannten Staaten folgende Länder mit besonders hohem Risiko: Albanien, Andorra, Bolivien, Bosnien und Herzegowina, Estland, Iran, Israel und die Palästinensischen Gebiete, Kolumbien, Kosovo, Lettland, Libanon, Litauen, Mexiko, Montenegro, Nordmazedonien, Panama, Portugal, Serbien, Slowenien und die Vereinigten Arabischen Emirate.
  3. Virusvarianten-Gebiete: Das sind Gebiete, in denen hochansteckende Varianten des Coronavirus aufgetreten sind. Bisher fallen Großbritannien, Irland, Südafrika und Brasilien in diese Kategorie. Reisende aus "normalen" Risikogebieten müssen sich spätestens 48 Stunden nach Einreise in Deutschland auf Corona testen lassen. Zudem müssen sie zehn Tage in Quarantäne, können sich davon allerdings durch einen zweiten negativen Test ab Tag fünf vorzeitig befreien lassen. Der Unterschied bei den Hochinzidenz- und Virusvarianten-Gebieten: Der Test muss bereits höchstens 48 Stunden vor Einreise erfolgen. Außerdem können die Ausnahmeregeln für die Quarantäne eingeschränkt werden. Das ist aber Sache der einzelnen Bundesländer.
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Mit den neuen Regeln werden Reisen ins Ausland noch unattraktiver, als sie ohnehin schon sind. Das ist aber politisch auch so gewollt. Ein Beispiel: Wer aus privaten Gründen für eine Woche von Berlin nach Prag reisen will, muss Folgendes auf sich nehmen: Einen Corona-Test (PCR) vor Einreise nach Tschechien oder spätestens fünf Tage danach, dann aber Quarantäne bis zum Test. Dann einen Corona-Test (PCR) 48 Stunden oder weniger vor der Rückkehr nach Deutschland. Zehn Tage Quarantäne in Deutschland, von der man sich nach fünf Tagen mit einem dritten Test befreien kann. Unter dem Strich bedeutet das also 5 bis 15 Tage Quarantäne und zwei bis drei Tests, die man in Deutschland kaum für weniger als 50 Euro bekommt, für eine einwöchige Reise.

Tourismusbranche leidet und fordert Neustart

Die deutschen Reisebüros und -veranstalter fordern vor dem Hintergrund des aktuellen Infektionsgeschehens und der damit verbundenen Reisebeschränkungen einen Tourismusgipfel. Dabei soll es um einen Neustart im Reisegeschäft nach der zweiten Corona-Welle gehen. Eine Gruppe aus Politik und Branchenexperten müsse ein Konzept für sicheres Reisen erarbeiten, teilte der Deutsche Reiseverband mit. Der Tourismus brauche Perspektiven für den Neubeginn. "Mit Nachdruck sollte die EU und Deutschland daran arbeiten, das Tempo für die Impfungen zu erhöhen", hieß es.

Die EU-Staaten hatten sich am Donnerstagabend verständigt, nicht notwendige Reisen weiter einzuschränken, die Grenzen aber offenzulassen. Neue Virusvarianten sollen gezielter aufgespürt werden und die Impfkampagne besser in Schwung kommen. Es soll einen EU-Impfpass geben, aber vorerst keine Vorteile für Geimpfte etwa beim Reisen. Beim Reiseverband hieß es: "Es wird noch eine Weile dauern, bis alle, die sich auch impfen lassen möchten, geimpft sein werden." Es sei eine Strategie für die Übergangszeit notwendig. "Wir sind überzeugt, dass eine intelligente, risikobasierte Teststrategie hier die Lösung ist."

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Der Deutschen Hotel- und Gaststättenverband begrüßte das gemeinsame abgestimmte Vorgehen der EU-Staaten. Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges nannte als Beispiel die Vorschläge für gemeinsame Impfzertifikate. "Das gilt mit Blick auf unsere Gäste wie auch insbesondere mit Blick auf unsere Beschäftigten aus anderen EU-Staaten." Auch Antigen-Schnelltests stärker anzuwenden, stoße in der Branche auf Zustimmung. "Das könnte vielen Betrieben unserer Branche vor allem im Veranstaltungsbereich helfen."

Der Einbruch des Tourismusgeschäfts hat beim Branchenprimus Tui nach Informationen aus Konzernkreisen zu einem personellen Aderlass geführt. Im vergangenen November habe die gesamte Gruppe 37 Prozent weniger Mitarbeiter beschäftigt als ein Jahr zuvor. Demnach schrumpfte die Belegschaft von knapp 60.300 Mitarbeiter im November 2019 auf rund 38.200 vor dem Jahresende 2020.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa