Panorama

Kampf gegen toten Winkel Neues Warnsystem soll Radfahrer schützen

Immer wieder kommen Fahrradfahrer ums Leben, weil Lastwagenfahrer sie beim Abbiegen übersehen. In Hannover wird nun ein System getestet, das Radler im toten Winkel erkennt und Lkw-Fahrer frühzeitig warnt.

Eine Technik, die Radfahrer im toten Winkel vor abbiegenden Lastwagen schützen soll, ist deutschlandweit erstmals in Garbsen bei Hannover in Betrieb gegangen. Das System Bike-Flash soll verhindern, dass Lastwagenfahrer beim Rechtsabbiegen parallel fahrende Radler übersehen und erfassen. Eine Wärmesensorik kann Radfahrer wie auch Fußgänger ab einer Entfernung von 40 Metern vor einem Abzweig erkennen. An einem Mast an der Kreuzung blinken dann vier Leuchten in unterschiedlicher Höhe, die Lastwagen- und Autofahrer vor der Gefahr warnen.

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Die Pilotanlage kostet 34.000 Euro. Genau einer der dramatischen Unfälle, die das neue System verhindern soll, ereignete sich zweieinhalb Stunden vor der Präsentation der Anlage nur wenige Kilometer entfernt. Beim Abbiegen erfasste ein Lastwagen in Burgdorf eine 16-Jährige auf ihrem Fahrrad unweit einer Schule. Der Fahrer hatte die Schülerin offenbar komplett übersehen und schleifte sie noch dutzende Meter mit. Die junge Frau überlebte den Unfall nicht.

CSU-Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte zuletzt erklärt, Ziel sei es, die Zahl der Verkehrstoten bis 2020 um 40 Prozent zu senken. Dem Statistischen Bundesamt zufolge starben bei Abbiegeunfällen mit Lastwagen im vergangenen Jahr 37 Radfahrer, bei Unfällen insgesamt kamen 382 Radler ums Leben. Eine gute Nachricht: Seit dem Jahr 2000 gebe es bei der Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer einen deutlichen Rückgang um rund 42 Prozent, heißt es im Unfallverhütungsbericht 2016 und 2017. Bei Fußgängern ging die Zahl sogar um 51 Prozent zurück, bei Motorradfahrern um 38 Prozent.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) kritisierte den Unfallverhütungsbericht. Die Bundesregierung werde ihr Ziel, die Zahl der Getöteten im Straßenverkehr bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren, "krachend" verfehlen. Bis heute sei die Zahl der Getöteten erst um 20 Prozent zurückgegangen, sagte eine ADFC-Sprecherin. Während Pkw-Insassen von einer immer besseren Fahrzeugtechnik profitieren, habe es für die Sicherheit von Radfahrern bisher kaum Verbesserungen gegeben. Der ADFC fordere verpflichtende Abbiege- und Notbremsassistenten zum Schutz von Radfahrern.

Quelle: n-tv.de, kpi/dpa

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