Panorama

App zum Symptome-Tracking RKI-Chef bittet Bürger um Datenspende

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus setzt RKI-Chef Wieler auf eine Zusammenarbeit zwischen Bürgern und Wissenschaftlern. Mit einer App sollen Menschen Körperdaten erfassen, die möglicherweise auf eine Covid-19-Erkrankung hindeuten.

Das Robert-Koch-Institut möchte sich mithilfe einer App ein besseres Bild zur Verbreitung von möglichen Corona-Symptomen verschaffen. In einer Pressekonferenz stellte Institutschef Lothar Wieler die "Corona-Datenspende"-App vor, die ab heute kostenlos zur Verfügung stehe. Sie könne auf Fitnessarmbändern oder Smartwatches installiert werden, sagte Wieler. Die App sende dann pseudonymisierte Daten über Symptome wie höhere Temperatur oder auch schlechten Schlaf, die auf Atemwegserkrankungen hinwiesen. Sie könne nicht Covid-19 definitiv nachweisen, helfe aber dem RKI für eine Übersicht.

"Die App ersetzt keine Tests", sagte Wieler, sie sei aber eine wichtige Ergänzung. Die Nutzer geben über die Anwendung unter anderem ihre Postleitzahl, ihr Geschlecht und ihr Alter in Fünfjahresschritten an. Die Teilnahme sei freiwillig, es würden keine Ortungsdaten erfasst. Durch die Angabe der Postleitzahl soll allerdings eine interaktive Karte entstehen, die die regionale Verbreitung von potenziell Infizierten zeigt.

Mit der App könnten Wissenschaftler und Bürger zusammenarbeiten, sagte Wieler. Je mehr Menschen ihre Daten zur Verfügung stellten, desto genauer könnte eine Auswertung ausfallen. Das RKI geht von etwa zehn Millionen Smartwatch- und Fitnessarmbandnutzern aus. Sollten nur zehn oder ein Prozent der Nutzer ihre Daten per App übermitteln, sei das für das Institut bereits ein großer Erkenntnisgewinn.

Wieler: Die Zahl der Toten wird weiter steigen

Was die rückläufige Zahl der Neuinfektionen angeht, sagte Wieler, es könne von einer Entspannung noch nicht ausgegangen werden. "Wir müssen die nächsten Tage abwarten, ob sich bei den Meldungen ein Trend abzeichnet." Mittlerweile seien 33.300 infizierte Menschen wieder genesen. Das sei eine "erfreuliche Zahl", so Wieler. Allerdings müsse mit zahlreichen weiteren Toten gerechnet werden.

Die Reproduktionszahl der Infektionen mit dem Coronavirus liege derzeit zwischen 1,2 und 1,5 und damit wieder etwas höher als zum Ende der vergangenen Woche. Am Freitag hatte Wieler den Faktor mit 1 beziffert. Das heißt, dass ein Infizierter einen anderen Menschen mit dem Virus ansteckt. Sinkt die Zahl auf weniger als 1, gehen Virologen davon aus, dass eine Pandemie eingedämmt ist.

In Deutschland ist die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten nach Berechnungen von ntv.de mittlerweile auf 100.954 gestiegen. Das sind 2009 mehr als am Vortag. An Covid-19 sind 1698 Menschen gestorben. Die Zahl steigt damit im Vergleich zum Vortag um 120. Noch liegen allerdings nicht alle Länderdaten vor. Die meisten Fälle gibt es in Bayern mit 26.163 bestätigten Infizierten, gefolgt von Nordrhein-Westfalen (21.582) und Baden-Württemberg (20.141).

Quelle: ntv.de, ibu/rts

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.