Panorama

Klimawandel dringlich wie Corona Rotes Kreuz: Erwärmung ist größere Bedrohung

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Im Jahr 2019 verzeichnet der Bericht 308 Naturkatastrophen weltweit und davon allein 77 Prozent klima- oder wetterbedingt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Welt scheint sich im Moment voll auf das Coronavirus und die damit verbundenen Gefahren zu fokussieren. Ein neuer Bericht des Roten Kreuzes lenkt die Aufmerksamkeit nun auf den Klimawandel. Die globale Erwärmung führe zu einer "sehr ernsten Krise" und stetig mehr Katastrophen.

Die internationale Gemeinschaft sollte aus Sicht des Roten Kreuzes mit derselben Dringlichkeit auf den Klimawandel reagieren wie auf die Corona-Pandemie. Die globale Erwärmung sei eine größere Bedrohung als das neuartige Coronavirus, heißt es in einem Bericht der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC). Während die Pandemie wüte, habe der Klimawandel weiterhin verheerende Schäden angerichtet.

Aus dem Bericht über globale Katastrophen seit den 1960er Jahren geht hervor, dass die Welt seit Ausrufung der Corona-Pandemie durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im März von mehr als 100 Naturkatastrophen getroffen wurde, von denen viele im Zusammenhang mit dem Klimawandel standen. Mehr als 50 Millionen Menschen seien von diesen Katastrophen betroffen gewesen.

Natürlich gebe es Corona, "es ist direkt vor uns, es betrifft unsere Familien, unsere Freunde, unsere Verwandten", sagte IFRC-Generalsekretär Jagan Chapagain bei einer virtuellen Pressekonferenz. Die Welt stehe vor einer "sehr, sehr ernsten Krise", sagte er mit Blick auf die Pandemie, durch die bereits mehr als 1,3 Millionen Menschen starben.

Hunderttausende Tote durch Katastrophen im letzten Jahrzehnt

Doch das IFRC erwarte, "dass der Klimawandel mittel- und langfristig einen stärkeren Einfluss auf das menschliche Leben und auf die Erde haben wird", warnte er. Während es immer wahrscheinlicher werde, dass in Kürze ein oder mehrere Impfstoffe gegen das Coronavirus erhältlich seien, "gibt es leider keinen Impfstoff gegen den Klimawandel", hob Chapagain hervor. Mit Blick auf die Erderwärmung seien "noch viel mehr ununterbrochenes Handeln und Investitionen erforderlich, um das Leben auf dieser Erde zu schützen", mahnte das IFRC.

Schon in den vergangenen Jahrzehnten hätten die Häufigkeit und Intensität von Wetterextremen und klimabedingten Ereignissen beträchtlich zugenommen. Allein 2019 sei die Welt von 308 Naturkatastrophen getroffen worden, von denen 77 Prozent klima- oder wetterbedingt gewesen seien. Rund 24.400 Menschen seien dadurch gestorben. Seit den 1960er-Jahren habe die Zahl der wetter- oder klimabedingten Katastrophen stetig zugenommen und sei nun 35 Prozent höher als in den 1990er-Jahren.

Mehr als 410.000 Menschen seien im vergangenen Jahrzehnt dadurch gestorben, die meisten von ihnen in ärmeren Ländern. Hitzeperioden und Stürme hätten die meisten Toten zur Folge gehabt. Hitzewellen forderten die meisten Opfer, gefolgt von Unwettern. Insgesamt seien rund 1,7 Milliarden Menschen in Mitleidenschaft gezogen worden, viele davon mehrfach. Sie verloren Angehörige, wurden verletzt oder verloren Wohnbauten, Vieh, Felder und Lebensgrundlagen, wie es in dem Bericht heißt.

Vorbeugende Maßnahmen als "smarte Lösung"

Angesichts dieser Gefahr, die "buchstäblich unser langfristiges Überleben bedroht", rufe das IFRC die internationale Gemeinschaft auf, mit der gebotenen Dringlichkeit zu handeln. So seien in den kommenden zehn Jahren rund 50 Milliarden Dollar erforderlich, um den 50 Entwicklungsländern dabei zu helfen, sich auf die Folgen des Klimawandels einzustellen.

Das sei wenig im Vergleich etwa mit dem Corona-Aufbauplan der EU im Umfang von 750 Milliarden Euro. Investiert werden müsse in Frühwarnsysteme und Programme, die den schlimmsten Folgen der Naturkatastrophen vorbeugen können. "Internationale Solidarität ist nicht nur eine moralische Verpflichtung", sagte der Generalsekretär der Föderation, Jagan Chapagain. "Es ist auch die smarte Lösung. Es ist günstiger, in die Widerstandsfähigkeit der Menschen in den gefährdetsten Orten zu investieren, als steigende Kosten für humanitäre Einsätze (nach Katastrophen) zu akzeptieren."

Quelle: ntv.de, jru/AFP/dpa

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