Panorama

Vier Tote in vier Tagen Tödliche Polizeieinsätze häufen sich

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Letztes Jahr wurden in Deutschland 11 Menschen von der Polizei erschossen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Innerhalb von vier Tagen kommt es bei vier verschiedenen Einsätzen der Polizei zu vier Toten. Jedes Mal greifen die Beamten zu ihren Waffen. Bei zwei Opfern ist die Todesursache noch unklar, die beiden anderen wurden wohl von Polizisten erschossen.

Bei Polizeieinsätzen in Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sind in den vergangenen vier Tagen vier Menschen ums Leben gekommen. Bei allen Vorfällen machten die Beamten Gebrauch von ihren Schusswaffen. Allerdings ist noch nicht in allen Fällen sicher, ob die Schüsse auch zum Tod der Opfer führten.

Am Samstagabend ist in Rheinland-Pfalz ein mit einer Axt bewaffneter Mann von der Polizei erschossen worden. Eine Zeugin hatte den Mann am Nachmittag an einem Sportlerheim in Hoppstädten-Weiersbach bemerkt, wie die Polizei mitteilte. Dort habe er vermutlich eine Person mit einer Axt bedroht, auf ihr Auto eingeschlagen und sei dann in einem Waldstück verschwunden.

Spezialkräfte der Polizei suchten daraufhin nach dem Mann. Auch ein Hubschrauber kreiste in der Luft. Später am Abend sichteten die Beamten nach Polizeiangaben auf einem Feld einen Verdächtigen, auf den die Beschreibung passte. Der Mann sei mit einer Axt auf einige Tennisplätze zugelaufen. Dann seien die Schüsse gefallen, die ihn töteten. Die Identität des Mannes und die Hintergründe des Vorfalls seien noch unklar, hieß es.

Zwei Tote in Schleswig-Holstein

Auch in Lübeck war am Samstag ein Mann nach einem Schusswechsel mit der Polizei gestorben. Ein Vater hatte am Nachmittag die Polizei alarmiert, nachdem er und seine Tochter im Stadtpark von einem bedrohlich wirkenden Mann angesprochen worden waren. Kurz darauf seien mehrere Schüsse gefallen, teilte die Polizei mit. "Nach derzeitigem Ermittlungsstand ist von einem Schusswechsel zwischen Polizeibeamten und diesem Mann auszugehen", hieß es.

Der 52-Jährige aus dem Kreis Segeberg sei kurz darauf in einer an den Park angrenzenden Straße am Boden liegend gefunden worden. "Er verstarb im weiteren Verlauf", schrieb die Polizei in ihrer Mitteilung. Noch sei unklar, woran genau der Mann gestorben sei, sagte Christian Braunwarth von der Staatsanwaltschaft. Er geht davon aus, dass der Tote eine Schusswaffe hatte. "Er hat auf die Beamten geschossen." Weitere Verletzte gab es den Angaben zufolge nicht. Der Ablauf des Einsatzes und die Klärung der weiteren Tatumstände seien Gegenstand der laufenden Ermittlungen, schrieb die Polizei.

Schon am Tag zuvor war bei einem Polizeieinsatz mit Schussabgabe in Schleswig-Holstein ein 55-Jähriger ums Leben gekommen. In der Nacht auf Freitag kam es in der Ahrensburger Innenstadt zu einer Verfolgungsjagd zwischen der Polizei und dem Autofahrer, wie die Lübecker Polizei und Staatsanwaltschaft gemeinsam mitteilten.

Einsatz wegen Ruhestörung endet mit tödlichem Schuss

Die Beamten hielten den Mann demnach schließlich an und wollten ihn aus dem Wagen holen, wogegen er sich erheblich wehrte. Den Angaben der Polizei zufolge konnte der 55-Jährige schließlich fixiert werden, erlitt aber einen Kreislaufstillstand. Die Polizisten versuchten den Mann zu reanimieren, der herbeigerufene Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen.

Die Ermittler teilten mit, die Polizisten vor Ort hätten während des Einsatzes ihre Waffen benutzt. Bislang seien zwei Patronenhülsen gefunden worden. Offenbar sei ein Reifen durch einen Schuss beschädigt worden. Außerdem sei die Beifahrertür defekt. Bislang lägen jedoch keine Erkenntnisse darüber vor, ob der Tote durch Schüsse verletzt worden sei, hieß es. Eine Obduktion soll seine Todesursache klären.

Zwei Tage vor der Verfolgungsjagd in Schleswig-Holstein endete in Nordrhein-Westfalen ein Einsatz der Polizei wegen Ruhestörung mit einem Toten. Vier Beamte waren den Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge zu dessen Wohnung in Recklinghausen gefahren. Der Mann habe beim Erscheinen der Polizisten zu einem Messer gegriffen - nach ersten Angaben ein Taschenmesser. "Die Polizeibeamten sollen ihn mehrfach aufgefordert haben, das Messer wegzulegen. Stattdessen soll er sich energisch den Polizeibeamten mit dem Messer in der Hand genähert haben", sagte Oberstaatsanwalt Paul Jansen.

Ein Beamter habe nach mehreren Warnungen auf den bewaffneten Mann geschossen und ihn tödlich getroffen. Bei dem Schuss ins Bein wurde die Arterie des 45-Jährigen verletzt, wie die Justizbehörde in Bochum zum Ergebnis der Obduktion mitteilte. Der Verletzte starb im Krankenhaus. Gegen den Polizist wird wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt, möglicherweise auch noch wegen Totschlags.

Quelle: ntv.de, lwe/dpa/AFP