Politik

Der letzte Sieg von Merkel AKK zieht mit "Mut" an die Parteispitze

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Angela Merkel zieht sich nicht ganz freiwillig von der CDU-Spitze zurück. Immerhin hat sie ihre Wunschnachfolgerin durchsetzen können.

REUTERS

Sie hat am Ende das beste Angebot – auch weil ihre Mitbewerber seltsam blass bleiben. Annegret Kramp-Karrenbauer übernimmt die Führung der CDU. Es dürfte nicht das Ende ihres gezielten Aufstiegs sein.

Mit einer leidenschaftlichen Rede übernimmt Annegret Kramp-Karrenbauer die Führung der CDU. Das gelingt ihr auch, weil ihre Konkurrenten Friedrich Merz und Jens Spahn den Parteitag in Hamburg mit blassen Auftritten nicht mitreißen können. Beide wärmen lediglich ihre Reden der vorangegangenen Regionalkonferenzen auf. Inhaltlich liefert zwar auch Kramp-Karrenbauer kaum etwas Neues. Doch stellt sie ihre Bewerbung immerhin unter ein Motto und bindet zumindest so eine Schleife um das in weiten Teilen ebenfalls bereits bekannte Paket. Dennoch brauchte es zwei Wahlgänge.

Dabei besteht die wahrscheinlich größte Herausforderung für die Favoritin der nach 18 Jahren scheidenden Parteichefin Angela Merkel, den Spagat zwischen einem Weiter so und dem Gefühl eines Aufbruchs zu vermitteln. Darum war sie bereits in den Regionalkonferenzen bemüht. Es gelang zumeist.

Diesmal aber sitzt Merkel hinter den drei Kandidaten auf der Bühne in Hamburg. Kramp-Karrenbauer braucht zuerst selbst ein bisschen ihres Rede-Mottos: "Mut". Denn in den Regionalkonferenzen gab sie sich umgeben von Merz und Spahn eher zahm – legte dafür aber in Interviews nach. Nun aber ist der Saal so voll, dass vorübergehend der Zutritt verweigert wird.

Zur Abgrenzung sucht sie sich in Hamburg vor 1001 Delegierten und Hunderten Gästen die interne Organisation der CDU aus: "Wir haben 420.000 Mitglieder, die können was, die wollen was, wir müssen sie nur endlich mitmachen lassen." Die Erneuerung – noch so eine Stelle mit dünnem Eis – könne durchaus aus der Partei heraus erfolgen. Die CDU müsse "mit eigenen Ideen wieder eine Strahlkraft entwickeln". Kann die CDU "mit Mut diese Debatten führen, die uns in die Zukunft führen". 40 Stationen umfasste ihre Zuhör-Tour durch die Landesverbände bereits. Noch einmal so viele Termine stehen an. Sie weiß von den drei am besten, wie die Basis tickt – und vor allem, dass diese was kann.

"Haben wir den Mut?"

Motivieren, aktivieren, helfen – das ist der Kramp-Karrenbauer‘sche Dreiklang. "Ob wir den Mut haben, unsere Komfortzone zu verlassen, aus dem 'man müsste, man sollte' das 'wir machen' zu machen, auf das die Bürger warten", fragt sie und erntet Applaus. Europa, Sicherheit und Digitalisierung. Polizei, Arzttermine und Schulen – der Themenkatalog ist leidlich bekannt. Doch anders als ihre Mitbewerber verpasst sie diesem ein neues Deckblatt und frische Zwischentitel. Während Merz und Spahn überwiegend fordern und appellieren, leitet Kramp-Karrenbauer zumeist mit der Frage ein: "Haben wir den Mut?" Und die Antwort ist klar: Ja, wir haben ihn.

Nach gut 20 Minuten biegt Kramp-Karrenbauer auf die Zielgerade. Seit ihrer Wahl zur Generalsekretärin im Februar hat sie die Partei bereist. Sie hat zugegriffen, als Merkel ihren Abschied bekanntgab. Sie stellte sich auf acht Regionalkonferenzen vor. In Hamburg gibt es nun das Finale einer Reise, dessen Ziel seit Februar feststand, die aber eigentlich noch etwas andauern sollte. Denn Merkels Abschied zu diesem Zeitpunkt kommt unerwartet.

"Ich stehe hier so, wie mich das Leben geformt hat." 18 Jahre habe sie "den Menschen in diesem Land gedient", sagt sie. "Ich stehe hier, so wie ich bin." In der CDU ist das derzeit das attraktivste Angebot. Das galt dereinst auch für Angela Merkel. Es folgten fast zwei Jahrzehnte an der Parteispitze. Und wenn es nach der alten CDU-Chefin geht, ist auf diesem Parteitag der nächste Bundestagswahlkampf vorbereitet worden.

Quelle: n-tv.de

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