Politik

Russland? Nein, Obama! Bolton spricht von einer "false flag"

John Bolton kann sich vorstellen, dass die Geheimdienste seines Landes die Computer der Demokraten selbst gehackt haben, um dies den Russen in die Schuhe zu schieben. Bemerkenswert daran: In der künftigen US-Regierung könnte Bolton Vize-Außenminister werden.

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Vor dem Trump Tower in New York spielt der "Naked Cowboy", ein erklärter Fan des künftigen Präsidenten.

(Foto: dpa)

Der frühere UN-Botschafter der USA, der Republikaner John Bolton, hat Berichte über eine russische Einmischung in die amerikanischen Präsidentschaftswahlen eine mögliche "false flag" genannt. Der Ausdruck "falsche Flagge" bezeichnet Geheimoperationen, die anderen Akteuren zugeschrieben werden.

Bolton warf US-Präsident Barack Obama vor, die Geheimdienste "politisiert" zu haben. Zugleich sagte er, hinter der Einschätzung der CIA könnten politische Motive stecken. Der Geheimdienst hatte gegenüber US-Senatoren erklärt, er gehe davon aus, dass Russland im US-Wahlkampf nicht nur das Ziel hatte, Verunsicherung zu verbreiten, sondern den Republikaner Donald Trump zum Sieger machen wollte.

"Wir sollten in Erfahrung bringen, wer noch (außer Russland) die Wahl beeinflussen wollte und warum sie Fingerabdrücke hinterließen, die auf die Russen deuteten", sagte Bolton im Interview mit dem Sender Fox News. "Bis wir mehr darüber wissen, wie die Geheimdienste zu ihrer Einschätzung kamen, wissen wir nicht, ob es eine von den Russen angestoßene Aktion war oder eine falsche Flagge."

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte im Wahlkampf E-Mails aus der Führung der Demokraten sowie von Hillary Clintons Wahlkampfchef John Podesta veröffentlicht. Nach Ansicht der US-Geheimdienste steckte Russland zumindest mittelbar hinter diesen Attacken.

Der Begriff "false flag" ist unter Verschwörungstheoretikern beliebt. Mit ihm können Terroranschläge ganz anderen Organisationen oder Staaten in die Schuhe geschoben werden als jenen, die sich öffentlich dazu bekennen. Ein Beispiel für eine angebliche "false flag"-Operation sind die Anschläge vom 11. September 2001. Verschwörungstheoretikern zufolge war nicht das Terrornetzwerk Al-Kaida der Urheber, sondern die US-Geheimdienste.

Dass ausgerechnet Bolton diesen Begriff benutzt, wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn er nicht als künftiger Vize-Außenminister der USA im Gespräch wäre. Bei Fox News räumte er ein, dass er über keinerlei Informationen verfüge, um eine eigene Bewertung abzugeben. Sollten die Vorwürfe der CIA stimmen, müssten die USA Vergeltung an Russland üben, sagte er. Zugleich kritisierte er, dass Obama eine Untersuchung in Auftrag gegeben hat, die bis zum Ende seiner Amtszeit am 20. Januar 2017 herausfinden soll, ob Russland die US-Wahlen tatsächlich beeinflusst hat.

Auch Boltons möglicher künftiger Chef zweifelt an Russlands Beteiligung an den Hackerangriffen. Trump nannte die Einschätzung der CIA "lächerlich".

Quelle: n-tv.de, hvo

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