Politik

Sondergesandter in Kabul Briten treffen Taliban zu Gesprächen

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Anhänger der Taliban feiern Ende August den Abzug der letzten ausländischen Truppen.

(Foto: picture alliance / AA)

Großbritannien schickt einen Sonderbeauftragten für Gespräche nach Afghanistan. Während die Taliban darin eine Annäherung an diplomatische Beziehungen sehen, betonen die Briten: Das Treffen bedeutet keine Anerkennung der Islamisten.

Ein hochrangiger britischer Gesandter hat in der afghanischen Hauptstadt Kabul Vertreter der radikalislamischen Taliban zu Gesprächen getroffen. Ein Sprecher des Außenministeriums der international nicht anerkannten Taliban-Regierung erklärte, bei dem Treffen sei es "um detaillierte Gespräche über die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern" gegangen. Ein britischer Regierungssprecher betonte jedoch, dass der Besuch des britischen Sonderbeauftragten für Afghanistan, Simon Gass, keine Anerkennung oder "Legitimation" für die Taliban darstelle.

Stattdessen erreichte der Gesandte bei dem Treffen mit den stellvertretenden Regierungschefs Abdul Ghani Baradar und Abdul Salam Hanafi die Freilassung von Ben Slater, einem ehemaligen britischen Soldaten. Dieser war vergangenen Monat von den Taliban an der pakistanischen Grenze festgenommen worden, als er versuchte, afghanische Flüchtlinge in Sicherheit zu bringen.

Slater verließ Kabul laut britischen Angaben zusammen mit der britischen Delegation. Die beiden Seiten diskutierten zudem darüber, wie Großbritannien Afghanistan im Kampf gegen den Terrorismus und die sich verschärfende humanitäre Krise unterstützen kann. "Sie sprachen auch über die Behandlung von Minderheiten und die Rechte von Frauen und Mädchen", fügte der britische Sprecher hinzu.

Die Taliban hatten am Dienstag offenbar einigen Mädchen den Besuch von Mittel- und Oberschulen wieder erlaubt. Ein von Taliban-Sprecher Suhail Schaheen veröffentlichtes Video zeigte Dutzende schwarz gekleidete Schülerinnen, von denen einige ein weißes Kopftuch und andere einen schwarzen Gesichtsschleier trugen. Sie saßen auf Stühlen und schwenkten Taliban-Flaggen. "Die Mädchen gehen in Khan Abad auf weiterführende Schulen", schrieb der von den Taliban zu ihrem ständigen Vertreter bei der UNO ernannte Sprecher auf Twitter dazu. Khan Abad ist der Name einer Stadt und eines Distrikts in der Provinz Kundus.

Einige Schulen für Mädchen geöffnet

In Kabul sagte ein Vertreter des Bildungsministeriums jedoch, dass weiterführende Schulen für Mädchen weiterhin geschlossen seien. Mehrere Schulleiter und Lehrer in Kundus bestätigten allerdings, dass die Mädchen zurückgekehrt seien. Einer Lehrerin zufolge hatte die örtliche Schulbehörde ihrem Schulleiter mitgeteilt, dass das Verbot für Mädchen "nur in anderen Provinzen und nicht in Kundus gilt".

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Mitte September hatten die afghanischen Sekundarschulen wieder geöffnet, allerdings nur für Jungen. Die neuen Machthaber hatten zugesichert, dass Mädchen "so bald wie möglich" folgen sollten, dass ihnen aber zunächst ein "sicheres Bildungsumfeld" garantiert werden müsse - damit meinen die Taliban einen nach Geschlechtern getrennten Unterricht und Verschleierung. Unter diesen Bedingungen dürfen Mädchen und Frauen bereits Grundschulen und Privatuniversitäten wieder besuchen.

Während der ersten Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 waren Frauen aus dem öffentlichen Leben weitgehend verbannt. Die neue Taliban-Führung hat eine weniger strikte Auslegung des islamischen Rechts zugesagt und angekündigt, die Rechte von Frauen zu achten.

Quelle: ntv.de, chf/AFP

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