Politik

Jeb legt vor, legt Hillary nach? Bush ist nicht gleich Bush

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Wird Jeb Bush in zwei Jahren der 45. Präsident der USA?

(Foto: REUTERS)

In zwei Jahren wählen die US-Amerikaner den Nachfolger von Barack Obama. Für die Republikaner will Jeb Bush antreten, der Bruder von George W. Sein Timing ist zwar mies, aber der 61-Jährige hat einen riesigen Vorteil.

George Walker Bush hatte einfach keine Lust auf Anfeindungen und Angriffe. Deshalb sagte der frühere US-Präsident seinen geplanten Schweiz-Besuch ab. Die Veranstalter einer jüdischen Wohltätigkeitsgala in Genf müssen sich einen neuen Hauptredner suchen - am besten einen mit weniger Makel. Der 43. US-Präsident hat der Marke Bush Schaden zugefügt, daran hat der CIA-Folterbericht die US-Amerikaner gerade noch einmal erinnert.

Ausgerechnet in diesen Tagen macht sich nun ein weiterer Bush auf den Weg, ein neues Kapitel in der Familien-Dynastie zu schreiben. Jeb Bush nimmt Anlauf, 2016 neuer US-Präsident und Nachfolger von Barack Obama zu werden. Er habe beschlossen, die Möglichkeiten einer Kandidatur "aktiv auszuloten", schrieb er am Dienstag bei Twitter. Nach seinem Vater und seinem großen Bruder wäre "Jeb", was für John Ellis steht, schon der dritte Präsident aus der Bush-Familie.

Er tritt ein schweres Erbe an, das mehr Last als Bonus ist - das könnte man vermuten. Schließlich verließ George W. das Weiße Haus erst vor fünf Jahren mit miesen Umfragewerten. Er hinterließ den USA die Finanzkrise und zwei Kriege. Aber ist Bush gleich Bush? Nein. Vielleicht ist es zu einfach und sogar eine falsche Fährte, Jeb an seinem Bruder zu messen. Beide seien nicht zu vergleichen und der jüngere "ein sehr anderer Mensch, sagt etwa Bob Corker, der für die Republikaner im Senat sitzt.

Das wertvolle Mexiko-Pfand

Ein Blick auf Bushs Biografie kann das zumindest teilweise bestätigen. Jeb wurde 1953 in Midland geboren. Er kommt zwar aus Texas, dennoch gilt er als gemäßigter Republikaner. Anfang der 1970er-Jahre unterrichtete über ein Austauschprogramm Englisch in Mexiko. Dort traf er seine heutige Frau Colomba. Bush studierte Lateinamerikawissenschaften und arbeitete für eine texanische Bank. Die Jahre in Mexiko könnten während seiner Kandidatur ein wertvolles Pfand sein.

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Familiäre Harmonie: George W. mit Vater George und Jeb Bush (v.l.).

Dass Bush fließend Spanisch spricht und mit einer Mexikanerin verheiratet ist, macht ihn in einer Wählergruppe interessant, die den Republikanern sonst nicht gerade nahe steht: die Hispanics, immerhin fast 20 Prozent der Bevölkerung. Wiederholt zeigte sich in der Vergangenheit, dass Bush sich für seine Überzeugungen auch mal gegen den Parteikurs stemmt. So steht er einer Einwanderungsreform deutlich aufgeschlossener gegenüber als viele Parteifreunde. Ohnehin dürfte Bush eine größere Anziehungskraft auf enttäuschte Demokraten-Wähler ausüben als rechte, der Tea-Party-Bewegung nahestehende Kandidaten wie Rand Paul oder Ted Cruz, gegen die er sich im Vorwahlkampf wohl behaupten müsste.

Innerparteilich könnte Bushs vermeintliche Stärke jedoch auch eine Schwäche sein. In Teilen der Grand Old Party, in der sich die Gewichte in den vergangenen Jahren nach rechts verschoben haben, ist er als Softie verschrien. Ob die Tea Party ihren Frieden schließen könnte mit einem Kandidaten Bush? Unwahrscheinlich.

Revanche für den Vater?

Der bietet auch noch andere Angriffsflächen. Nachdem er von 1999 bis 2007 Gouverneur in Florida war, betätigte sich Jeb im Immobiliengeschäft und war unter anderem Berater der umstrittenen Bank Lehman Brothers. Als Investmentbanker soll er Gelder in Steueroasen geparkt haben. In einer Präsidentschaftskampagne böte er den Demokraten damit durchaus Futter - wie der letzte Kandidat der Republikaner. Mitt Romney hatte 2012 mit ähnlichen Verstrickungen zu kämpfen, weil ihm der Ruf eines Finanzhais nachging.

Dass Bush seine Kandidatur nun öffentlich machte, überrascht jedoch nicht. Er gilt seit Monaten als einer der Favoriten, hielt sich bisher jedoch relativ bedeckt. Mit seiner frühen Festlegung geht Bush nun in die Offensive. Im Januar will ein "Political Action Committee" gründen, dass die Unterstützung für ihn organisieren und Spenden sammeln soll. Dann bleibt ein Jahr Zeit, bis Anfang 2016 in Iowa die Vorwahlen beginnen. Wenn seine Familie Bush dabei eines bieten kann, dann sind es die glänzenden Kontakte und Erfahrungen im Politik-Geschäft. Unter anderem die aus vier US-Wahlen. Nur eine davon wurde verloren - 1992 unterlag George Bush seinem demokratischen Widersacher Bill Clinton.

Diese offene Rechnung könnte Jeb in zwei Jahren für seinen Vater begleichen. Denn den USA steht im Dezember 2016 möglicherweise eine ganz besondere Wahl bevor. Hillary Clinton gilt als aussichtsreichste Kandidatin bei den Demokraten. Sie werde Anfang 2015 ankündigen, ob sie in den Ring steigen werde, um die erste Präsidentin der USA zu werden, sagte die 66-Jährige vor einigen Monaten. Bill Clinton wäre dann der "First Gentleman" der Nation.

Bush hat nun den Hut in den politischen Ring geworfen, alles weitere hängt nun an Clinton. Spätestens wenn sie den Daumen hebt, ist die Schlammschlacht offiziell eröffnet.

Quelle: ntv.de