Politik

Ruck geht durch US-Demokraten Darum feiert Biden ein fulminantes Comeback

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Steht für das Establishment und die politische Mitte: US-Demokrat Joe Biden, der nächster Präsident der Vereinigten Staaten werden möchte.

(Foto: REUTERS)

Lieber doch nicht links: Bei den Vorwahlen entscheiden sich die meisten US-Demokraten für den moderaten Präsidentschaftsbewerber Biden. Die Angst vor Sanders ist groß. Milliardär Bloomberg hilft sein Geld nicht. Diese und weitere Lehren des Super Tuesday.

Duell um die Zukunft

Falls irgendjemand daran gezweifelt haben sollte, vielleicht doch einen Drei- oder Vierkampf zwischen Bewerbern erwartet hat – Entwarnung. Das Publikum kann sich auf das so häufig erlebte Szenario eines Vorwahlkampfes einstellen: Es wird ein Duell um die Präsidentschaftskandidatur - zwischen dem gemäßigten Joe Biden und dem linken Bernie Sanders. Der Zweikampf hat es in sich, es geht um nicht weniger als die Zukunft der Demokratischen Partei. Sanders würde sie deutlich nach links rücken, mit seinen Kampfansagen an Konzerne, der Abschaffung von Studiengebühren, einer einheitlichen Krankenversicherung und dem Green New Deal, einem klimafreundlichen Umbau der US-Wirtschaft. Biden steht für das Establishment und die politische Mitte. Ihm trauen die Demokraten deshalb eher zu, auch Republikaner, die genug von Präsident Donald Trump haben, von sich zu überzeugen.

Angst vor Sanders siegt

Als Biden vor wenigen Tagen seinen Erdrutscherfolg in South Carolina feierte, war klar: Seine "Feuerwand" im Süden hatte gehalten. Seine Ergebnisse am Super Tuesday nennt die US-Nachrichtenseite "Politico" nun ein "monumentales politisches Comeback", das es so zuvor noch nie gegeben habe. Eingeleitet hatte es der Vize von Ex-Präsident Barack Obama mit einem unerwartet bärenstarken Auftritt bei der bislang letzten TV-Debatte. Sanders' vorherige Vorwahlsiege waren plötzlich unwichtig. Die Angst blieb, dass die US-Amerikaner seine Ideen als Kandidat zu radikal finden und deshalb lieber gar nicht oder gar Trump wählen könnten. Nach South Carolina stiegen zwei populäre moderate Kandidaten - Amy Klobuchar und Pete Buttigieg - aus dem Rennen aus und stellten sich hinter Biden. Sie wollten so den moderaten Flügel der Partei geeint gegen Sanders' "demokratischen Sozialismus" stellen. Der Plan ist aufgegangen. 

Nicht alles ist käuflich

Michael Bloomberg hatte mit einer ungewöhnlichen Taktik agiert, war spät eingestiegen, hatte die ersten vier Bundesstaaten ignoriert und stand beim Super Tuesday das erste Mal zur Wahl. In den beteiligten 14 Bundesstaaten gab er hunderte Millionen Dollar für Werbung aus, mehr als mancher Kandidat aus der Vergangenheit während seiner kompletten Kampagne. Bloomberg hat trotzdem keine Chance. Seine Ergebnisse sind politisch nahezu vernichtend und ein Hoffnungsschimmer für den ohnehin schon so geldabhängigen Präsidentschaftswahlkampf in den USA. Politisches Kapital ist offenbar doch nicht käuflich.

Glauben ist gut, Vertrauen ist besser

Sanders, vor vier Jahren gegen Hillary Clinton noch der Underdog, hat die andauernde Öffentlichkeit nicht gut getan. Als er vor einem Jahr seine erneute Kandidatur ankündigte, wollte er "zu Ende bringen, was er vor drei Jahren begonnen hatte", denn "eine Revolution findet nicht über Nacht statt". Vor allem junge und linke Wähler finden Sanders' Vorhaben glaubwürdig, schließlich sagt er seit Jahrzehnten fast dasselbe. Doch Bidens politische Karriere zählt offenbar mehr und könnte ihm den entscheidenden Vorteil verschafft haben. Schließlich war er als Weißer der Vizepräsident des ersten schwarzen US-Präsidenten überhaupt. Das schafft bei ethnischen Minderheiten Vertrauen. Sie machen ein Drittel der Wahlberechtigten aus.

Krankenversicherung für alle, aber ...

*Datenschutz

... Nachwahlbefragungen haben gezeigt, was auch schon in Umfragen deutlich wurde und ebenso bei den zahlreichen TV-Debatten: Die Zukunft der Krankenversicherung ist das wichtigste Thema für potenzielle Wähler der Demokraten. Bidens Sieg ist auch die Ablehnung von Sanders' Vorhaben, private Krankenversicherungen gänzlich abzuschaffen und mit einer öffentlichen zu ersetzen. Biden will hingegen auf Obamacare aufbauen und lediglich eine staatliche Option anbieten.

Sanders gewinnt Kalifornien, aber …

… die Latinos sind für Sanders nicht, was die Afroamerikaner für Biden sind: Eine Bank. Zwar hat der Senator in dem hispanisch geprägten Westküstenstaat und auch in Colorado gewonnen, aber an Bidens Ergebnisse im "Black Belt", den afroamerikanisch dominierten südlichen Bundesstaaten kommt er im Vergleich nicht heran. Das ebenfalls hispanisch dominierte Texas verlor er, in keinem afroamerikanisch geprägten Bundesstaat kam er auf ein gutes Ergebnis. Bleibt das bei den kommenden Vorwahlen so, ist das für eine Revolution zu wenig.

Quelle: ntv.de