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"Hoffe, Du hast die Intelligenz" Biden wäre Trumps gefährlichster Gegner

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(Foto: imago/The Photo Access)

Die Liste möglicher Trump-Herausforderer bei der US-Präsidentschaftswahl 2020 wird länger. Der neueste Name der Demokraten: Joe Biden. Er hat mehrere Vorteile auf seiner Seite.

Joe Biden? Schon wieder? Der Demokrat und Vizepräsident unter Barack Obama hat seine Kandidatur für die US-Wahl 2020 verkündet. Diesmal will er selbst ins Oval Office einziehen und damit verhindern, dass Amtsinhaber Donald Trump weitere vier Jahre von dort die Geschicke der USA und der Welt lenken wird. Biden hat lange gewartet mit seiner Entscheidung, obwohl er seit Monaten in Umfragen zur Wählerpräferenz an der Spitze liegt. Derzeit würden sich rund 30 Prozent der Demokraten für Biden als Kandidaten entscheiden. 23 Prozent zögen Bernie Sanders vor.

Es ist bereits der dritte Versuch Bidens, für die Demokraten ins Weiße Haus einzuziehen. Die beiden vorherigen endeten frühzeitig. Um die Demokratische Partei diesmal tatsächlich hinter sich vereinen zu können, hat Biden noch einen weiten Weg vor sich. Ab Juni gibt es bis Ende des Jahres insgesamt sechs Debatten der verschiedenen Kandidaten. Im Februar 2020 beginnen die Vorwahlen der Partei. Erst im Juli 2020 werden die Demokraten ihren Gegenkandidaten küren, der am 3. November aller Wahrscheinlichkeit nach gegen Amtsinhaber Trump antritt.

Joe Biden ist populär, weil er ein gemäßigter Kandidat sowie ein bekanntes Gesicht ist. Seit 40 Jahren arbeitet der inzwischen 76-Jährige in der Politik. Eine Umfrage über die demokratischen Kandidaten hat Ende März gezeigt, für wen Biden unter den US-Amerikanern besonders attraktiv ist. Die höchsten Zustimmungswerte erreichte er bei schwarzen Wählern: 44 Prozent. Je weiter sich die Befragten zur politischen Mitte oder gar als konservativ einordneten, desto besser schnitt Biden ab.

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Der Präsident reagierte mit einem Tweet auf den möglichen Herausforderer. "Willkommen im Rennen, schläfriger Joe", schrieb Trump, und verwendete damit einen von Bidens Spitznamen ("Sleepy Joe"). "Ich hoffe nur, Du hast die Intelligenz, um einen erfolgreichen Wahlkampf zu bestreiten. Es wird ekelhaft - Du wirst mit Leuten zu tun haben, die wirklich ein paar sehr kranke und verrückte Ideen haben." Damit spielt Trump auf andere Demokraten an, die bereits ihre Kandidatur erklärt haben. Es zeigt zudem, warum sich Biden diesmal gute Chancen ausrechnet.

Angriff auf Trumps Terrain

Bidens erster offizieller Wahlkampfauftritt soll am Montagnachmittag bei einer Gewerkschaftsveranstaltung in Pittsburgh stattfinden. Viele dort hatten 2016 für Trump gestimmt, obwohl die Stadt jahrzehntelang eine Hochburg der Demokraten gewesen war. Zu Bidens Profil gehören auch klassische Unter- und Mittelklassethemen wie Einkommensgerechtigkeit. Durch seine Nähe zum weißen Trump-Klientel und seinen gemäßigten Positionen sehen manche Demokraten in ihm den einzigen Kandidaten, der in den entscheidenden Bundesstaaten ("battleground states") eine Mehrheit gegen Trump erreichen könnte. Dessen Attacken gegen die "radikale Linke" der Demokraten und deren "Sozialismus" verfehlen den Demokraten.

Biden kündigte seine Kandidatur mit einem rund dreiminütigen Video an. Eindeutige Programmpunkte sind darin nicht enthalten, dafür aber amerikanischer Pathos und ein großes Thema: Rassismus. Er bezeichnet die Neonazi- und Gegendemonstration in Charlottesville im August 2017 als "entscheidenden Moment für diese Nation". "Ihre verrückten Gesichter beleuchtet von Fackeln, ihre Adern pochend (..), die gleiche antisemitische Galle skandierend, die im Europa der 30er Jahre zu hören war."

Trump habe mit seiner Reaktion, auf beiden Seiten habe es "very fine people" gegeben, solche Menschen, die Hass verbreiteten und andere, die sich dagegenstellten, auf eine moralische Stufe gestellt. "In diesem Moment wusste ich, dass die Bedrohung für unser Land größer ist, als ich zu meinen Lebzeiten je gesehen hatte", erklärt Biden seine Entscheidung für eine Kandidatur. Die Grundwerte der USA, ihre Stellung in der Welt und die Demokratie an sich stünden auf dem Spiel.

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Acht Jahre lang war Joe Biden Vizepräsident unter Barack Obama.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Verschiedene Studien stellten nach Trumps Erfolg 2016 fest, dass weiße, christliche und männliche Wähler ihre Stimme vor allem an ihn gegeben hatten, weil sie ihren gesellschaftlichen Status durch Einwanderung gefährdet sahen. Inzwischen, mehr als zwei Jahre später, sagen rund 30 Prozent, sie würden auch 2020 mit Sicherheit Trump wählen. Das ist die Wählerbasis des Präsidenten. Bidens Art der Ankündigung ist also ein nachvollziehbarer Schachzug. Er versucht damit diejenigen Wähler zu überzeugen, die sich 2016 aus anderen Gründen als ethnischen Ressentiments oder Rassismus für Trump entschieden. Mit der Zuspitzung auf dieses Thema will Biden die anderen 70 Prozent an ihrem Gewissen packen und für sich gewinnen. Er greift Trump damit auch auf dessen Lieblingsterrain an: Migration. Zudem spricht er damit alle ethnischen Wählergruppen an. All dies wiegt schwerer als die Gegenargumente, Biden sei zu alt und das Gesundheitsrisiko deshalb zu groß, zudem repräsentiere er die alte Partei der Demokraten, deren Strategie 2016 nicht aufging.

Während Biden sich in der politischen Mitte positioniert, neigen die Demokraten insgesamt durch die zunehmende Polarisierung des Landes unter Trump nach links. Neben Biden haben zwanzig weitere Politiker ihre Vorwahlkandidatur erklärt. Bernie Sanders, bislang nach Biden der beliebteste unter ihnen, war in das parteiinterne Rennen mit der Ankündigung einer "Revolution" gegen Unternehmer und Reiche eingestiegen. Der Senator aus Vermont bezeichnet seine Pläne als "demokratischen Sozialismus". Seine Botschaft: Wir hier unten gegen die da oben. Sanders bietet den politischen Gegnern damit eine breite Flanke für Angriffe.

Elizabeth Warren hat ähnliche Pläne, bezeichnet sich aber nicht als Sozialistin: Die Senatorin aus Massachusetts will Gratis-Kitas mit einer Reichenabgabe finanzieren, Unternehmen rigoros besteuern und die Tech-Giganten Google, Amazon und Apple zerschlagen. Weitere Kandidaten haben realistische Chancen, für die Demokraten 2020 anzutreten; die kalifornische Senatorin Kamala Harris, Beto O'Rourke aus Texas und Pete Buttigieg, Bürgermeister aus Indiana. Doch die besten Aussichten aufs Weiße Haus, die hätte gegen Trump derzeit definitiv Joe Biden.

Quelle: n-tv.de

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