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Drei Länder versorgen Europa Die Spur des Kokains

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Kokain wird unter anderem in Bananenkisten geschmuggelt.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Die Südamerikaner sind da: In Brüssel beginnt heute der große Gipfel zwischen der EU und den Staaten Lateinamerikas. Der gemeinsame Warenaustausch soll angekurbelt werden – bislang boomt vor allem der Handel mit einem weißen Pulver.

Wenn sich in Brüssel an diesem Mittwoch die Staats- und Regierungsschefs Lateinamerikas und der EU treffen, geht es vor allem um den gemeinsamen Handel. Denn bei diesem gibt es noch reichlich Potenzial: Zurzeit ist Lateinamerika nur der fünftwichtigste Handelspartner der Europäer, nach der Schweiz. Die Lateinamerikaner wollen mehr Bananen, Steaks und Öl liefern - doch über die Ware, die die geheime Hauptrolle im Austausch zwischen Lateinamerika und Europa spielt, haben weder die Politiker noch die Manager diesseits und jenseits des Atlantiks besondere Kontrolle: Drogen. Genauer gesagt: Kokain.

Anfang Mai machte das weiße Pulver in Berlin und Brandenburg Schlagzeilen. 386 Kilogramm wurden in Bananenkisten aus Kolumbien in mehreren Aldi-Filialen sichergestellt – die größte Menge, die je auf einen Schlag in der Region gefunden wurde. Dass die Droge in rauen Mengen auftauchte, war aber nicht das erste Mal. Bereits im Januar 2014 wurden ebenfalls in Bananenkisten bei Aldi 140 Kilogramm Kokain entdeckt. Marktwert der beiden Funde: gut 26 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor wurden laut dem aktuellen Drogenbericht der Europäischen Union knapp 63 Tonnen mit einem Marktwert von mindestens 3 Milliarden Euro sichergestellt.

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Bei Aldi gefundendes Kokain.

(Foto: dpa)

Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Laut einem Bericht der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) wurde im Jahr 2012 insgesamt Kokain für 75 Milliarden Euro auf dem Weltmarkt verkauft. Das meiste davon ging in die USA, Pulver im Wert von gut 30 Milliarden Euro landete auf dem europäischen Markt. Dort sind laut EU insbesondere Spanien und Großbritannien die Hauptabnehmerländer. Deutschland ist ein eher unbedeutender Markt – während hiesige Drogenfahnder beispielsweise 2013 hierzulande 4000 Mal Kokain sicherstellten, waren ihre spanischen Kollegen ganze 38.000 Mal erfolgreich – das ist fast die Hälfte alle Funde in der gesamten EU.

Wichtigstes Exportprodukt

Das hat etwas mit den Schmuggelrouten zu tun. Denn nahezu das gesamte Kokain, das Europäer schnupfen, kommt aus drei Ländern: Kolumbien, Peru und Bolivien. Von dort wird es, zum Beispiel in Bananenkisten versteckt, per Schiff und manchmal auch per Flugzeug über den Atlantik transportiert – auf dem alten Kontinent sieht die Route dann meist so aus: Spanien, Frankreich, Niederlande, Deutschland – die bedeutenden Abzweigungen nach Großbritannien und Italien nicht zu vergessen.

Nimmt man auch für das vergangene Jahr für die Kokainexporte ein Volumen von 30 Milliarden Euro an, so ist dieses mehr als doppelt so hoch wie die jährlichen Exporte der drei produzierenden Länder Kolumbien, Peru und Bolivien in die EU zusammen. Die Summe entspricht zudem fast einem Drittel der legalen Gesamtexporte Lateinamerikas in die EU im Jahr 2014, die bei 98,6 Milliarden Euro lagen. Damit ist das Rauschgift, auch wenn es in keiner offiziellen Statistik auftaucht, de facto neben Nahrungsmitteln das lukrativste Exportprodukt des Subkontinents – die Agrarprodukte liegen mit dem Kokain in etwa gleichauf. Das Geld vergoldet die Paläste von Drogenbaronen in Kolumbien und vor allem in Mexiko, wo seit Jahren ein schmutziger Krieg zwischen "Narcos" und Regierung tobt, in dem schon 60.000 Menschen ihr Leben gelassen haben.

Drittbeliebteste Droge

Laut Drogenbericht ist der Konsum in der EU in den vergangenen fünf Jahren stabil. Dafür steigt der Reinheitsgrad der Droge und der Preis sinkt. Demnach liegt dieser meist zwischen 52 und 70 Euro pro Gramm. Gut 72.000 EU-Bürger wurden 2013 wegen Besitzes oder Konsum von Kokain belangt, die meisten davon in Spanien, Großbritannien und Italien. Knapp 30.000 Mal wurden Drogenhändler erwischt. Tendenz: steigend. Rund 15 Millionen Erwachsene in der EU sollen schon einmal das weiße Pulver geschnupft haben - meist am Wochenende, wie Abwasseruntersuchungen gezeigt haben, in dem sich die Wirkstoffe nachweisen lassen.

Damit ist es nach Marihuana und Haschisch die drittbeliebteste Droge – vor Heroin und Amphetaminen. Cannabis-Produkte sind die mit Abstand am weitesten verbreiteten illegalen Rauschmittel: Fand die Polizei diese, handelte es sich in 60 Prozent der Fälle um Marihuana und Haschisch. Europäer kiffen also lieber, als dass sie koksen. Wobei: Der "Europäer an sich" nimmt keine illegalen Drogen. Laut dem Bericht haben drei Viertel der erwachsenen Europäer überhaupt keine Rauschgift-Erfahrungen.

Quelle: n-tv.de

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