Politik

Prügel und Vergewaltigung Frauen und Mädchen fliehen vor Taliban

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Ein verletztes afghanische Mädchen wird in einem Krankhaus in Kabul behandelt.

(Foto: AP)

Die Afghanen erleben derzeit, wie ihr Leben unter Taliban-Herrschaft aussehen wird. Augenzeugen berichten von Plünderungen, Prügeln und Vergewaltigungen. Familien mit Frauen und Mädchen wagen die Flucht nach Kabul. Der Kampf um den Ex-Bundeswehr-Standort Masar-i-Scharif tobt noch.

Beim Vormarsch der radikal-islamischen Taliban im Norden Afghanistans rückt der ehemalige Bundeswehr-Standort Masar-i-Scharif in den Fokus. Die Aufständischen schickten sich nach Angaben von Bewohnern an, ihre Kontrolle über jüngst eroberte Gebiete in der Region zu festigen, und befanden sich in der Position, von verschiedenen Richtungen aus auf Masar-i-Scharif vorzustoßen. Sollte die größte Stadt in der Region in die Hand der Extremisten fallen, wäre das ein weiterer herber Rückschlag für die Regierung in Kabul.

Präsident Aschraf Ghani appellierte daher Beratern zufolge an regierungsfreundliche Milizen, seine Truppen zu unterstützen. Der Chef einer Miliz im Norden gelobte, Masar-i-Scharif bis zu seinem "letzten Tropfen Blut" zu verteidigen. "Ich sterbe lieber würdevoll als verzweifelt", schrieb Atta Mohammed Nur auf Twitter. Bewohner in der Region wogen derweil ab, ob sie in ihren Häusern und Wohnungen ausharren oder wie bereits viele Familien zuvor fliehen sollten. "Es gibt nur die Möglichkeit eines selbst auferlegten Hausarrests oder man versucht, nach Kabul zu kommen", sagte ein Steuerbeamter in der Stadt Aibak. "Aber selbst Kabul ist keine sichere Option mehr."

Die Taliban rücken nach Angaben von Einwohnern in Aibak vor. Die Hauptstadt der Provinz Samangan liegt an der Hauptverbindungsstraße zwischen Masar-i-Scharif und Kabul. In den vergangenen Tagen waren die Taliban in mehrere Provinzhauptstädte vorgerückt, darunter auch Kundus, in dessen Nähe ebenfalls jahrelang Bundeswehr-Soldaten stationiert waren.

"Geflohen, um unsere Ehre zu schützen"

Innerhalb Afghanistans sind inzwischen Zehntausende Menschen auf der Flucht. Familien versuchen, in die Hauptstadt Kabul und weitere Großstädte zu kommen, viele berichteten vom brutalen Vorgehen der Islamisten. "Die Taliban prügeln und plündern", erzählte Rahima, die nach der Flucht aus der Provinzhauptstadt Scheberghan gemeinsam mit Hunderten weiteren Flüchtlingen in einem Park von Kabul kampierte. "Wenn es in einer Familie ein junges Mädchen oder eine Witwe gibt, nehmen sie sie mit Gewalt. Wir sind geflohen, um unsere Ehre zu schützen."

Farid, ein Flüchtling aus Kundus, sagte: "Wir sind so erschöpft." In Kundus, das die Taliban am Wochenende eingenommen hatten, öffneten am heutigen Dienstag laut Bewohnern die ersten Geschäfte wieder. Die Miliz konzentriert sich dort wohl derzeit auf Regierungsstreitkräfte, die sich am Flughafen zurückgezogen hatten. "Die Menschen öffnen ihre Läden und Geschäfte wieder, aber man kann immer noch die Angst in ihren Augen sehen", sagte der Ladenbesitzer Habibullah. Haseeb, der in der Nähe des Flughafens von Kundus lebt, berichtete von tagelangen schweren Kämpfen. "Die Taliban verstecken sich in den Häusern der Menschen in der Gegend, und die Regierungstruppen bombardieren sie."

Krisensitzung in Doha

Die Taliban hatten während ihrer Herrschaft von 1996 bis 2001 eine strenge Auslegung des islamischen Rechts in Afghanistan eingeführt. Mädchen waren von Bildung, Frauen vom Arbeitsleben ausgeschlossen. Fast jegliche Musik und nicht-religiöses Fernsehen waren verboten. Straftaten wurden mit öffentlichen Auspeitschungen oder Hinrichtungen geahndet.

In der katarischen Hauptstadt Doha berieten am Morgen Vertreter von Katar, aus den USA, aus China, Großbritannien, Usbekistan, Pakistan, der UNO und der EU über die Lage in Afghanistan. Das US-Außenministerium hatte am Montag erklärt, "ein Frieden auf dem Verhandlungswege ist der einzige Weg zur Beendigung des Krieges".

Quelle: ntv.de, mau/rts/AFP

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