Politik

Gefahr nach russischer Besatzung Greenpeace vermutet höhere Strahlung in Tschernobyl

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Die vom russischen Militär ausgehobenen Gräben im Sperrgebiet könnten zur Gefahr werden, kritisierte Greenpeace.

(Foto: picture alliance/dpa/Ukrinform)

Ende Februar beziehen russische Einheiten zeitweilig Stellung in der Sperrzone um die Atomruine Tschernobyl. Dabei hätten sie unter anderem radioaktiv verstrahlte Erde freigelegt, warnt Greenpeace. Die damit verbundenen Gefahren habe die Internationale Atomenergiebehörde bisher verharmlost.

Nach der russischen Besatzung des Gebiets um die ukrainische Atomruine Tschernobyl hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace radioaktive Gefahren beklagt. Durch das Ausheben von Schützengräben hätten die russischen Soldaten radioaktiv verstrahlte Erde freigelegt, teilten Greenpeace-Experten in Kiew mit. Minen und die Bodenveränderungen im Sperrgebiet würden vor allem die zukünftige Arbeit von Feuerwehrleuten gefährden.

Der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) warf Greenpeace eine Verharmlosung der durch die russische Armee verursachten Risiken in Tschernobyl vor. "Der IAEO fehlt es an Objektivität. Sie schätzt die Risiken der Atomkraft nicht unabhängig ein", sagte Greenpeace-Atomexperte Thomas Breuer. "Damit die Behörde glaubwürdig auf die vielfältigen Gefahren der Atomenergie reagieren kann, muss sie künftig von einer Agentur zur Verbreitung von Atomkraft zu einer Überwachungsbehörde umgebaut werden." Experten habe sie dafür. Greenpeace warf der IAEO außerdem zu enge Beziehungen zum russischen staatlichen Atomunternehmen Rosatom vor.

Der Leiter der ukrainischen staatlichen Agentur für die Verwaltung der Sperrzone, Jewhen Kramarenko, sagte, dass die russischen Soldaten nicht um medizinische Hilfe ersucht hätten. "Wir wissen nicht, was mit ihnen passiert ist", betonte Kramarenko. Dem Leiter des ukrainischen Forschungsinstituts Ekozentr, Serhij Kirjejew, zufolge sind während der Besatzungszeit in der Sperrzone neun Brände festgestellt worden. Dabei hätten in Summe etwa 80 Quadratkilometer radioaktiv belasteter Wälder gebrannt. Über die russischen Soldaten sagte er: "Sie haben radioaktive Abfälle ausgegraben, diese bewegt und dort auch noch Feuer gemacht."

Das Sperrgebiet um die Atomruine von Tschernobyl wurde Ende Februar für etwas mehr als einen Monat vom benachbarten Belarus aus von russischen Truppen besetzt. International hatte Aufsehen erregt, dass russische Einheiten in der 30-Kilometer-Sperrzone gewohnt und Stellungen ausgehoben hatten. 1986 kam es in dem damals sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl infolge eines fehlgeschlagenen Experiments zur bis heute schwersten Katastrophe in der zivilen Nutzung der Kernkraft. Zehntausende Menschen wurden zwangsumgesiedelt.

Quelle: ntv.de, mbu/dpa

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