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Offensive in der Südukraine Kiew: Einzelne Kreml-Einheiten verhandeln über Kapitulation

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Dieses Foto entstand an der Ostfront. Nach ukrainischen Angaben geben die Russen auch im Süden ihre Waffen auf und ziehen sich zurück.

(Foto: IMAGO/VXimages.com)

Nicht nur an der Ostfront, auch im Süden der Ukraine geraten die Russen offenbar in Schwierigkeiten. Kiew zufolge sind einzelne Einheiten des Kremls bereit, zu kapitulieren. Für Soldaten, die sich ergeben möchten, startet die Ukraine nach eigenen Angaben sogar eine Service-Hotline.

Nach den Erfolgen an der östlichen Front rücken die Streitkräfte der Ukraine offenbar auch im Süden des Landes weiter vor. Seit Beginn der Gegenoffensive seien die ukrainischen Truppen mehrere Kilometer in die besetzten Gebiete vorgedrungen, sagte die Leiterin des Pressezentrums der ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungskräfte "Süd", Nataliia Humeniuk, dem Fernsehsender Channel 24. Ihr zufolge befinden sich die russischen Truppen in einer schwierigen Lage.

Einzelne Teileinheiten der russischen Armee in der Region Cherson würden vor dem Hintergrund einer drohenden Einkesselung über die Niederlegung ihrer Waffen verhandeln, ergänzte Humeniuk. "Sie versuchen, die Bedingungen dafür auszuhandeln, wie sie ihre Waffen niederlegen und unter die Schirmherrschaft des humanitären Völkerrechts kommen", so die Armeesprecherin.

Mehr als 500 Quadratkilometer zurückerobert

Unter den russischen Streitkräften im Süden der Ukraine herrsche eine "gewisse Demoralisierung, die so tief ist, dass sogar die Leitung versteht, dass es keinen anderen Ausweg mehr gibt", ergänzte Humeniuk. Der Armeesprecherin zufolge geben die Russen massenhaft ihre Ausrüstung und Waffen auf und ziehen sich auf das linke Ufer des Dnjeprs, in Richtung Süden, zurück. Cherson, die Hauptstadt der Region, liegt auf dem rechten Ufer des Flusses. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht.

Bei einer Pressekonferenz gab Humeniuk zudem bekannt, mehr als 500 Quadratkilometer der besetzten Gebiete im Süden des Landes seien in den vergangenen zwei Wochen zurückerobert worden. Mehrere Ortschaften stünden wieder "vollständig unter ukrainischer Flagge". Nach ihren Angaben verminten die Russen bei ihrem Rückzug Teile der Gebiete. Zudem würden sie Ortschaften in der Regionen Mykolajiw, Krywyj Rih und die Stadt Nikopol beschießen. Laut Humeniuk versuchen die russischen Streitkräfte damit, den psychologischen Druck zu erhöhen und zu zeigen, dass sie weit entfernte Gebiete unter ihrer Feuerkontrolle halten können.

Ukraine weist auf Kapitulations-Hotline hin

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Am Samstag veröffentlichte der ukrainische Sicherheitsdienst SBU die Aufzeichnung eines Telefonats mit einem mutmaßlichen russischen Soldaten, der sich bei den ukrainischen Behörden nach den Möglichkeiten erkundigt, sich zu ergeben. Das Gespräch lässt vermuten, dass die ukrainischen Behörden Textnachrichten an die russischen Soldaten verschickt hatten, in denen diese aufgerufen werden, sich in die Gefangenschaft zu begeben. Auf diesem Wege bekämen sie die Möglichkeit, durch einen Kriegsgefangenenaustausch zurück nach Hause zu gelangen.

In dem veröffentlichten Telefonat fragt ein Mann - vermutlich ein russischer Soldat - ob und wo er abgeholt werden könnte, falls er sich dazu entscheide, sich zu ergeben. "Wir wollten nicht einmal hierher kommen. Das wurde uns befohlen. Jetzt überlegen wir, was wir tun sollen", sagt die Stimme. Daraufhin wird dem Mann unter Verweis auf die Genfer Konvention versichert, die Gefangenen würden menschenwürdig behandelt und bekämen die Möglichkeit, nach Russland zurückzukehren. Falls er sich zur Kapitulation entscheide, solle er nochmal anrufen.

Quelle: ntv.de

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