Politik

"Wir müssen ehrgeiziger werden" Klimaunion will die CDU schneller machen

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Bei der Bundestagswahl tritt Wiebke Winter in Bremen und Bremerhaven als CDU-Direktkandidatin an.

(Foto: Karlis Behrens)

Die neu gegründete Klimaunion will CDU und CSU davon überzeugen, dass Klimapolitik nicht wirtschaftliche Zerstörung bedeutet. Sie will die Union bei der ökologischen Transformation unterstützen. Möglicherweise auch, um Grünen-Anhängern eine Alternative zu bieten?

ntv.de: Frau Winter, was genau sind die Forderungen der Klimaunion?

Wiebke Winter: Wir haben zwei Kernforderungen. Wir wollen, dass die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt wird und dass wir in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren, also spätestens bis 2040, in Deutschland klimaneutral werden. Diese beiden Forderungen wollen wir in das Parteiprogramm der CDU, der CSU und auch gerne in das Regierungsprogramm einbringen.

Die Regierung hat unter CDU-Führung bereits ein Klimaschutzgesetz durchgesetzt, das die nationalen Klimaschutzziele verbindlich gemacht hat. Auch die Gebäudesanierung und die Pendlerpauschale wurden mithilfe der CDU durchgesetzt. Wo genau muss die Union beim Klimaschutz aufholen?

Wiebke Winter

Wiebke Winter ist eines der sieben Gründungsmitglieder der Klimaunion. Die 25-Jährige ist das jüngste Mitglied des CDU-Bundesvorstandes und will im Herbst für die Union im Wahlkreis Bremen II/Bremerhaven in den Bundestag gewählt werden. Winter ist seit 2019 Landesvorsitzende der Jungen Union Bremen und schreibt ihre Doktorarbeit über künstliche Intelligenz und Big Data.

Wiebke Winter: Wir müssen noch ehrgeiziger werden, was das Thema Klimaschutz angeht. Denn es macht einen großen Unterschied, ob wir 1,5 Grad oder 2 Grad Erderwärmung haben. Derzeit ist der Plan der Union und der gesamten Regierung von Union und SPD, dass wir erst 2050 klimaneutral werden. Damit ist das 1,5-Grad-Ziel, zumindest nach der Auffassung der mir bekannten Wissenschaft, nicht einzuhalten.

Felix Rodenjohann: Es geht bei allem nur um die Geschwindigkeit. Es geht nicht mehr darum, was wir machen, sondern es geht nur darum, bis wann. Geschwindigkeit beim Klimaschutz hatte in der Großen Koalition nicht gerade die oberste Priorität. Wir wollen also nicht etwas Neues erfinden, sondern der CDU helfen, sich den aktuellen Entwicklungen anzupassen.

Wie kam es zur Gründung der Klimaunion?

Felix Rodenjohann: Wir haben vier Vorstände und drei Gründungsmitglieder. Sie repräsentieren alle einen komplett unterschiedlichen fachlichen Background. Aber alle verbindet, dass sie erkannt haben, dass konservatives Denken und Handeln und wirtschaftsnahe Politik nicht im Gegensatz zum Klimaschutz stehen - im Gegenteil: Die ökologische Transformation ist das größte Investitionsprogramm oder Konjunkturprogramm seit der Wiedervereinigung, wahrscheinlich seit dem Zweiten Weltkrieg.

Innerhalb der CDU gibt es unterschiedliche Meinungen, wie Klimapolitik aussehen sollte. Armin Laschet zum Beispiel hat durchaus eine progressive Haltung in der Klimapolitik, im Wahlkampf um den CDU-Vorsitz hat er aber deutlich gemacht, dass die deutsche Wirtschaft durch überzogene Klimaschutzmaßnahmen ruiniert werden könnte. Wo ordnet sich die Klimaunion in diese Debatte innerhalb der Union ein?

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Felix Rodenjohann

(Foto: Till Vill)

Wiebke Winter: Wir würden das nicht als Widerspruch sehen. Wir stimmen mit dem überein, was Armin Laschet sagt: Dass wir Klima-Wohlstand brauchen und dass wir einen wirtschafts- und industriepolitischen Ansatz fahren müssen. Ohne Wirtschaft und Industrie können wir keine Klimapolitik machen. Wir brauchen beides, um handlungsfähig zu bleiben. Es geht uns es darum, diese Gegensätze dieser zwei Lager zu überwinden. Eine Seite betont: Wir wollen den Klimawandel verlangsamen. Die andere Seite sagt: Klimaschutz ist wichtig, aber wir müssen vor allem an die Wirtschaft denken. Dabei liegen diese Lager gar nicht so weit auseinander.

In Ihrer Satzung schreiben Sie, dass Sie "klimarealistische Mitglieder der CDU vernetzen" wollen. Die CDU hat aber auch durchaus konservative Mitglieder, die vehement gegen den Klimaschutz vorgehen. Würden Sie versuchen, diese Spaltung zu vereinen?

Wiebke Winter: Zunächst glaube ich, dass grundsätzlich alle Mitglieder von CDU und CSU dafür einsteht, dass wir den Klimawandel aufhalten müssen. Dass wir klimaneutral werden, hat die Bundesregierung ja schon beschlossen, das ist nichts, worüber wir in der CDU oder in der CSU noch streiten. Es geht nur darum, wie schnell wir das machen. Wir wollen informieren und zeigen, dass dies bis spätestens 2040 möglich ist.

Felix Rodenjohann: Niemand blockiert Klimaschutz, weil er Klimaschutz blockieren möchte. Wenn in der Vergangenheit Klimaschutz blockiert wurde, dann aus der Annahme, dass Klimaschutz in irgendeiner Form der alten Wirtschaft schadet.

Sie schreiben in Ihrer Präambel, dass nur noch wenige Jahre bleiben, um die Klimaziele zu erreichen. Die CDU war die letzten 15 Jahre Regierungspartei - Klimapolitik war innerhalb Ihrer Partei zum Teil schwer durchsetzbar. Wie wollen Sie die CDU davon überzeugen, dass die Klimapolitik nun doch schnell umgesetzt werden sollte?

Felix Rodenjohann

Felix Rodenjohann gehört auch zu den Gründungsmitgliedern des Vereins. Der 34-Jährige leitet eine Firmengruppe, die eine vollständige Dekarbonisierung von Städten, Regionen und Unternehmen bis 2030 möglich macht. Seit der Schulzeit ist er Mitglied der Jungen Union, trat allerdings vor zwei Jahren aus der CDU aus. Mit der Gründung der Klimaunion kehrt Rodenjohann zu den Christdemokraten zurück.

Felix Rodenjohann: Wir wollen eine klare Haltung der Wirtschaft und eine klare Haltung des Möglichen kommunizieren. Operativ sind es pragmatische Dinge wie Ausbildungsprogramme und das Schaffen von Zukunftsjobs. Ein weiteres großes Thema ist, die Verwaltung in die Lage zu versetzen, klimafreundliche Prozesse anzustoßen.

Worin unterscheidet sich die Klimaunion von den Grünen?

Wiebke Winter: Das Ziel der Klimaneutralität mögen wir mit den Grünen teilen, aber wir verfolgen einen ganz anderen Weg als sie. Wir wollen einen wirtschafts- und industriebasierten Weg zur Klimaneutralität gehen. Wir wollen aufzeigen, dass wir Arbeitsplätze mit genau diesem Thema sichern können. Das macht die Union aus: den Mittelstand fördern, die Wirtschaft fördern, die Industrie fördern und einen Weg schaffen, der beides vereint - Ökologie und Ökonomie. Das ist unser Ziel, das ist originäre Unions-Handschrift.

Soll die Klimaunion Grünen-Wähler für die CDU gewinnen?

Wiebke Winter: Wir sind davon überzeugt, dass unsere Positionen richtig und vernünftig sind. Aber natürlich wäre es ein schöner Effekt, wenn wir Menschen erreichen, denen der Klimawandel wichtig ist und daher mit den Grünen sympathisieren, die aber sonst vielleicht eher ein bürgerliches Profil haben oder die Werte von CDU und CSU teilen.

Macht es für die Klimaunion einen großen Unterschied, ob Laschet oder Söder Kanzlerkandidat wird?

Felix Rodenjohann: Nein, weil beide nur gewinnen können, wenn sie dieses Thema zur obersten Priorität machen. 92 Prozent der Europäerinnen und Europäer sehen den Klimawandel als große Bedrohung. Fast die gleiche Zahl wünscht sich von ihrer Regierung größere Anstrengungen im Ausbau erneuerbarer Energien und die Beschleunigung des Wandels. Das heißt, es ist keine Frage von Personen. Es ist keine Frage von Parteien. Sondern es ist nur eine Frage der Ausgestaltung.

Mit Wiebke Winter und Felix Rodenjohann sprach Clara Suchy

Quelle: ntv.de

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