Politik

Via Twitter aus dem Straflager Kreml-Kritiker Nawalny ruft Russen zu Protesten auf

Alexej Nawalny ist in einem Straflager etwa 100 Kilometer östlich von Moskau inhaftiert.

Alexej Nawalny ist in einem Straflager etwa 100 Kilometer östlich von Moskau inhaftiert.

(Foto: Evgeny Feldman/Meduza/AP/dpa)

Einer, der die Härte des Putins-Regimes am eigenen Leib erfahren hat, ruft die Russen zum friedlichen Aufbegehren gegen den Krieg in der Ukraine auf. Via Twitter versucht der inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny, die Menschen seines Landes auf die Straße zu bringen.

Bereits in der vergangenen Woche hatte sich der in einem Straflager inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny via Twitter gegen den Krieg seines Landes gewendet. "Ich bin gegen diesen Krieg." Und erklärt, dass es sich bei dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine um ein Manöver des Kreml handele, um von den innenpolitischen Problemen in Russland abzulenken.

Nun legt er nach und ruft seine Landsleute zu täglichen friedlichen Protesten gegen den russischen Einmarsch in die Ukraine auf. "Alexei Nawalny hat die Menschen aufgerufen, jeden Tag um 19.00 Uhr und am Wochenende um 14.00 Uhr gegen den Krieg zu protestieren", sagte seine Sprecherin Kira Jarmisch.

Wörtlich heißt es in einer Reihe von Tweets unter anderem:

"Wir - Russland - wollen eine Nation des Friedens sein. Leider würden uns heute nur noch wenige so nennen. Aber lasst uns wenigstens nicht zu einem Volk verängstigter Schweigsamer werden. Von Feiglingen, die vorgeben, den Angriffskrieg gegen die Ukraine, den unser offensichtlich wahnsinniger Zar entfesselt hat, nicht zu bemerken.

Ich kann, will und werde nicht schweigen, wenn ich sehe, wie pseudohistorischer Unsinn über die Ereignisse vor 100 Jahren für Russen zum Vorwand geworden ist, Ukrainer zu töten, und für Ukrainer, Russen zu töten, während sie sich verteidigen. Es ist das dritte Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, und wir sehen Nachrichten über Menschen, die in Panzern und bombardierten Häusern niederbrennen.

Wir sehen auf unseren Fernsehern echte Drohungen, einen Atomkrieg zu beginnen. Ich komme selbst aus der UdSSR. Ich bin dort geboren. Und der Hauptsatz von dort - aus meiner Kindheit - war "Kampf für den Frieden". Ich rufe alle auf, auf die Straße zu gehen und für den Frieden zu kämpfen. Putin ist nicht Russland. Und wenn es in Russland derzeit etwas gibt, auf das Sie am meisten stolz sein können, dann sind es diese 6824 Menschen, die festgenommen wurden, weil sie - ohne einen Aufruf - mit Plakaten mit der Aufschrift "Kein Krieg" auf die Straße gegangen sind. Sie sagen, dass jemand, der nicht an einer Kundgebung teilnehmen kann und nicht riskiert, dafür verhaftet zu werden, nicht dazu aufrufen kann. Ich bin bereits im Gefängnis, also denke ich, dass ich es kann.

Wir können nicht länger warten. Wo auch immer Sie sich befinden, in Russland, Weißrussland oder auf der anderen Seite der Welt, gehen Sie jeden Wochentag und an Wochenenden und Feiertagen um 14 Uhr auf den Hauptplatz Ihrer Stadt. Wenn Sie im Ausland sind, kommen Sie zur russischen Botschaft. Wenn Sie eine Demonstration organisieren können, tun Sie dies am Wochenende. Ja, vielleicht gehen am ersten Tag nur wenige auf die Straße. Und im zweiten - noch weniger. Aber wir müssen die Zähne zusammenbeißen und die Angst überwinden, herauskommen und ein Ende des Krieges fordern. Jede festgenommene Person muss durch zwei Neuankömmlinge ersetzt werden. Wenn wir, um den Krieg zu beenden, Gefängnisse und Polizeiwagen mit uns selbst füllen müssen, werden wir Gefängnisse und Polizeiwagen mit uns selbst füllen.

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Alles hat seinen Preis, und jetzt, im Frühjahr 2022, müssen wir diesen Preis zahlen. Es gibt niemanden, der das für uns erledigt. Lasst uns nicht 'gegen den Krieg sein'. Kämpfen wir gegen den Krieg."

Alexej Nawalny ist ein russischer oppositioneller Politiker, Dissident, Aktivist, Dokumentarfilmer und ehemaliger Rechtsanwalt und der wohl bekannteste Gegner von Präsident Wladimir Putin in Russland. Der 45-Jährige hatte im Jahr 2020 einen Giftanschlag in seiner Heimat überlebt und war nach Deutschland ausgeflogen worden, wo er erfolgreich ärztlich behandelt wurde. Bei der Rückkehr nach Russland Anfang 2021 wurde Nawalny wegen des Verstoßes gegen Bewährungsauflagen zu mehr als zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Er ist derzeit in einem östlich von Moskau gelegenen Straflager inhaftiert. Nawalny macht den russischen Präsidenten Wladimir Putin persönlich für den Giftanschlag verantwortlich. Der Kreml weist die Vorwürfe zurück.

Quelle: ntv.de, awi

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