Politik

Hunderte stehen wohl vor Neubau Marode Brücken alarmieren Autobahnbetreiber

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Die gesperrte Talbrücke Rahmede der Autobahn A45 bekommt eine Notverstärkung.

(Foto: imago images/Hans Blossey)

Die Autobahngesellschaft des Bundes sieht großen Handlungsbedarf. Der Zustand vieler Autobahnbrücken ist offenbar noch schlechter als bisher angenommen, wie aus einem internen Bericht hervorgeht. Demnach könnte sich die Zahl der Neubauten pro Jahr verdoppeln.

Hunderte Autobahnbrücken in Deutschland müssen saniert werden. Ihr Zustand sei noch schlechter als befürchtet, schreibt der "Spiegel" und beruft sich auf eine interne Untersuchung der bundeseigenen Autobahngesellschaft. Demnach dürfte sich die Zahl der Brücken mindestens verdoppeln, die jährlich neu gebaut werden müssen. Untersucht wurden 28.000 Brücken. Würden die Probleme nicht bald angegangen, drohten Konsequenzen: "Sollten die notwendigen Erhaltungsmaßnahmen an den Tausenden Bauwerken nicht im erforderlichen Umfang und zeitnah umgesetzt werden, wird es in den kommenden Jahren zu erheblichen Verkehrseinschränkungen bis hin zu Sperrungen von Brückenbauwerken kommen", zitiert der "Spiegel" aus dem Schreiben vom Januar.

Es sei aber "absehbar", dass viele vor 1985 gebaute Brücken mittelfristig erneuert, also neu gebaut werden müssten. "Nach ersten Berechnungen ist von mindestens einer Verdopplung von derzeit etwa 200 auf etwa 400 Autobahnbrücken pro Jahr auszugehen", prognostiziert die Autobahngesellschaft. Sie ist unter anderem für die Planung, den Bau und die Instandhaltung und die Finanzierung der Autobahnen zuständig.

Sie erklärte außerdem, man wolle "für bestehende Bauwerke prüfen, ob die erforderlichen hohen Investitionen zur Anhebung der Tragfähigkeit und Dauerhaftigkeit für eine begrenzte Restnutzungsdauer noch wirtschaftlich vertretbar sind oder ob ein Ersatzneubau die bessere Lösung ist". Kurzfristig sei "eine Umpriorisierung von Bedarfsplanprojekten zu den kritischen Bestandsbrücken notwendig". Von der Bundesregierung und Verkehrsminister Volker Wissing fordern die Autobahnbauer mehr Geld sowie ein eigenes "Maßnahmengesetz" nach dänischem Vorbild, mit der die Planungszeit verkürzt werden soll.

Union fordert schnelles Handeln von Wissing

Im Laufe des Tages befasst sich auch der Verkehrsausschuss des Bundestags mit der Problematik. Zuletzt rückte der Zustand der Autobahnbrücken durch die Sperrung der Talbrücke Rahmede der A45 bei Lüdenscheid in Nordrhein-Westfalen Ende vergangenen Jahres wieder in den Fokus. Die Union forderte Bundesverkehrsminister Volker Wissing von der FDP auf, schnell zu handeln. Thomas Bareiß, verkehrspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sagte, es brauche jetzt einen verlässlichen Fahrplan mit konkreten Zeitvorgaben: "Eine lange Hängepartie und Hinhaltetaktik der Betroffenen wird die Union nicht durchgehen lassen. Jetzt kann der Minister beweisen, wie schnelle Verfahren, Planungen und Umsetzung in der Praxis aussehen können."

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Am vergangenen Freitag hatte die Autobahn GmbH des Bundes mitgeteilt, dass die Brücke Rahmede auf der Sauerlandlinie zwischen dem östlichen Ruhrgebiet und Frankfurt am Main abgerissen werden muss. Hoffnungen auf eine Sanierung hatten sich damit zerschlagen. Die Brücke auf der wichtigen Verkehrsachse zwischen Nord- und Süddeutschland ist vollständig abgeriegelt.

Planungen für einen Ersatzbau sind angelaufen, wie NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes von der CDU in einem Bericht für die Sitzung des Verkehrsausschusses im Landtag nun mitgeteilt hatte. Aus dem Bundesverkehrsministerium hieß es auf Anfrage der dpa, damit die Infrastruktur vor Ort in einen modernen und leistungsfähigen Zustand gebracht werden könne, werde aktuell geprüft, wie der Abbau der irreparabel beschädigten Talbrücke am effektivsten erfolgen könne. Parallel dazu hätten die Planungen für den Neubau begonnen. Was die mögliche Dauer des Abbaus sowie Neubaus angehe, könnten derzeit keine konkreten Angaben gemacht werden.

Quelle: ntv.de, hul/dpa

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