Politik

"Teil unserer Identität" Merkel besucht erstmals Auschwitz

Mit Merkel reist erst der dritte deutsche Regierungschef zum früheren KZ Auschwitz. Bei ihrem Besuch findet sie deutliche Worte. Sie empfinde "tiefe Scham" ob der dort begangenen Verbrechen, bekennt Merkel. Und doch sei die Erinnerung daran heute besonders wichtig.

Wenige Wochen vor dem 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz hat Bundeskanzlerin Angela Merkel von der CDU erstmals das ehemalige deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager besucht. Dort gedachte sie an der Seite des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki der Opfer und warnte vor Versuchen, Deutschlands Verantwortung zu relativieren oder umzudeuten.

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An der sogenannten Todeswand legte Merkel einen Kranz nieder und gedachte mit einer Schweigeminute der dort ermordeten Häftlinge. An der Mauer hatten die Nazis Tausende KZ-Insassen erschossen. Außerdem besuchte sie das ehemalige Vernichtungslager Birkenau, wo die Nazis den Großteil der deportierten Juden in den Gaskammern ermordeten.

Das KZ Auschwitz-Birkenau war im Zweiten Weltkrieg im damals von Nazi-Deutschland besetzten Polen das größte Vernichtungslager der Nazis. Etwa 1,1 Millionen Menschen wurden dort ermordet, die meisten waren Juden. Auch 80.000 nicht-jüdische Polen, 25.000 Sinti und Roma sowie 20.000 sowjetische Soldaten wurden in dem Lager ermordet, das die Rote Armee am 27. Januar 1945 befreite. Merkel ist nach Helmut Kohl und Helmut Schmidt erst die dritte Kanzlerin, die das frühere Vernichtungslager besucht.

Erinnerung an den Holocaust "fester Teil unserer Identität"

Bei einer Rede sagte Merkel, sie "empfinde tiefe Scham" angesichts der in Auschwitz begangenen Verbrechen. Diese überschritten die Grenzen alles Fassbaren, man müsse vor Entsetzen eigentlich verstummen, so die Bundeskanzlerin. Und dennoch dürfe das betroffene Schweigen nicht die einzige Antwort sein.

Denn die Erinnerung an die NS-Verbrechen im früheren Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau sei untrennbar mit der deutschen Identität verbunden. Diese Verantwortung sei für immer Teil der Identität Deutschlands und werde nie enden, unterstrich Merkel und warnte, dass einige versuchten, die Geschichte umzudeuten oder zu relativieren. "Einen Schlussstrich kann es nicht geben und auch keine Relativierung", stellte die Bundeskanzlerin fest.

Die deutsche Regierungschefin verwies darauf, dass die Erinnerung an die NS-Verbrechen "in diesen Tagen" besonders wichtig sei. "Denn wir erleben einen besorgniserregenden Rassismus, eine zunehmende Intoleranz, eine Welle von Hassdelikten", sagte Merkel.

Gerade Deutschland trage beim Kampf dagegen eine herausgehobene Verantwortung. "Auschwitz war ein deutsches, von Deutschen betriebenes Vernichtungslager", betonte die Kanzlerin bei ihrem ersten Besuch in Auschwitz in Anwesenheit des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki. Hintergrund ist die Kritik Polens, dass mitunter von "polnischen Lagern" gesprochen werde. "Es ist wichtig, die Täter deutlich zu benennen. Das sind wir Deutsche den Opfern schuldig und uns selbst."

Die Kanzlerin kündigte an, dass Deutschland für die Stiftung Auschwitz-Birkenau für die Jahre 2020 und 2021 zusätzliche 60 Millionen Euro bereitstellen werde. Die Gedenkstätte in Auschwitz müsse die Erinnerung an die Verbrechen zwischen 1940 und 1945 langfristig sichern, forderten Merkel und Morawiecki.

Quelle: ntv.de, lwe/dpa/rts/AFP