Politik

Warme Worte von Trump Merkel bringt das Schlimmste hinter sich

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Vordergründig angenehm: US-Präsident Trump schwärmt in den höchsten Tönen von Kanzlerin Merkel.

(Foto: dpa)

Vom G20-Gipfel ist wenig zu erwarten. Wo dringend Beschlüsse nötig wären - beim Klima oder beim Welthandel - blockieren die USA. Den Pflichttermin mit Präsident Trump absolviert Kanzlerin Merkel gleich zu Beginn. Und setzt wie gewohnt auf die Politik der kleinen Schritte.

"She is a great friend. A fantastic woman." So sagt es Donald Trump an diesem Freitag um halb elf vormittags Ortszeit in Osaka. Neben ihm sitzt Angela Merkel und schaut gar nicht glücklich drein. Vielleicht, weil ihre innere Uhr auf halb drei Uhr nachts steht und sie für Komplimente um diese Zeit nicht so empfänglich ist. Viel wahrscheinlicher ist aber, dass sie genau weiß, was sie von Trumps Worten zu halten hat: Nichts.

Merkel schätzt die G20-Gipfel vor allem wegen der Möglichkeit, so viele andere Staatslenker zu Gesprächen treffen zu können. Trump ist gleich der erste nach ihrer Landung in Osaka. Man könnte sagen: So hat Merkel das Schlimmste gleich hinter sich.

Und das will was heißen. Immerhin spricht sie auch noch mit robusten Autokraten wie Putin und Erdogan. Aber wenn dieser G20-Gipfel ohne bedeutende Ergebnisse endet, dann liegt das an Trump. Denn wo es um den Klimaschutz und den freien Welthandel geht, blockieren die USA die multilaterale Zusammenarbeit. So fehlt im Entwurf für das Abschlusskommuniqué der Hinweis auf die globale Erwärmung - vermutlich hat ihn Gastgeber Japan nach einem freundlichen Hinweis aus Washington vorauseilend gestrichen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat bereits gedroht, einen derart weichgespülten Text nicht zu unterzeichnen. Es könnte also ein Gipfel ohne gemeinsames Abschlussdokument werden.

Die entscheidenden Gespräche finden am Rande statt

Davon geht die Welt nicht unter; verbindliche Beschlüsse fassen die G20 sowieso nicht. Aber es ist ein Warnsignal. Denn über alle ideologischen und kulturellen Grenzen hinweg verfolgen die G20-Nationen das Ziel, sich bei globalen Fragen abzustimmen und möglichst zu kooperieren. Ein historisch einmaliges Projekt, das durch den politischen und ökonomischen Egoismus des US-Präsidenten torpediert wird. Den Klimawandel ignoriert Trump, den freien Handel blockiert er, und in der Iran-Krise spielt er mit dem Feuer. Gebannt wartet die ganze Weltwirtschaft auf Trumps Treffen mit Chinas Präsidenten Xi: Wird Trump den Handelskrieg weiter verschärfen, oder ist er zu neuen Gesprächen bereit?

Merkel beschwört dagegen immer wieder die multilaterale Zusammenarbeit, und sie nutzt die zwei Gipfeltage für viele Gespräche am Rande. Doch ohne die USA verliert der ganze Westen an Stärke, also jene Staaten, die sich zu Demokratie, Rechtsstaat und Marktwirtschaft bekennen.

Wenn in dieser Situation wenigstens die Europäische Union funktionieren würde. Doch die ist mit sich selbst beschäftigt, weil viele wichtige Posten neu besetzt werden müssen. Sechs EU-Regierungschefs sind in Osaka und diskutieren am Rande von G20 auch noch über dieses Problem. Denn am Sonntag treffen sich die Europäer alle wieder in Brüssel, um sich auf einen neuen EU-Kommissionspräsidenten zu einigen. Oder auch nicht.

Merkel freut sich über die kleinen Ergebnisse, die dieser Gipfel vielleicht doch noch zustande bringt. Schließlich ist die Politik der kleinen Schritte ihr Spielfeld. Wie anstrengend das sein kann, will sie sich nicht anmerken lassen - doch in diesen Tagen gelingt das selbst Merkel nicht immer.

Lothar Keller ist politischer Korrespondent und Moderator für n-tv und RTL im Berliner Hauptstadtstudio.

Quelle: n-tv.de

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