Politik

Bau von Verteidigungsstellungen Russische Besatzer wollen Krim zur Festung machen

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Russische Kämpfer der Söldnergruppe Wagner in einem Schützengraben in der Ukraine.

(Foto: IMAGO/SNA)

Nach der Aufgabe von Cherson legen die russischen Streitkräfte auf der östlichen Seite des Dnipro Verteidigungslinien an. Nun verkünden die Besatzungsbehörden auf der Krim den Aufbau von Abwehrstellungen. Dabei liegt die Halbinsel etliche Kilometer hinter der Front.

Die russischen Behörden haben auf der 2014 annektierten ukrainischen Halbinsel Krim mit dem Bau von Verteidigungslinien begonnen. Die Befestigungsarbeiten sollten die "Sicherheit der Krimbewohner" garantieren, sagte der von Moskau eingesetzte Verwaltungschef, Sergej Aksjonow, auf einer Sitzung der Krimverwaltung. In erster Linie solle die Sicherheit jedoch im weiterhin russisch besetzten Teil des angrenzenden Gebietes Cherson gewährleistet werden. Von dort führt eine schmale Landenge auf die Krim.

Ende vergangener Woche hatten die russischen Streitkräfte das rechte Ufer des Flusses Dnipro und damit auch die Gebietshauptstadt Cherson geräumt. Russische Truppen eroberten diese Gebiete, kurz nach Beginn der Invasion. Die neue Frontlinie entlang des Flusses Dnipro ist nur etwas mehr als 60 Kilometer Luftlinie von der Krim entfernt.

Bei ihrem Rückzug sprengten die russischen Truppen jedoch drei Brücken über den breiten Unterlauf des Dnipro, daher gilt ein Vorstoß der ukrainischen Armee in diesem Bereich momentan als unwahrscheinlich. Der Abzug von Moskaus Verbänden ermöglichte es den ukrainischen Streitkräften allerdings, ihre Artillerie weiter nach vorne zu verlegen. Die nördliche Landenge der Krim liegt mittlerweile in Reichweite der US-Raketenwerfer vom Typ HIMARS.

Wagner-Linie im Osten aufgebaut

Angesichts der erfolgreichen ukrainischen Vorstöße hatte das russische Militär in den vergangenen Wochen an mehreren Stellen der Front Verteidigungsstellungen eingerichtet. Anfang November wurden auf Satellitenbildern neue Abwehrstellungen am östlichen Ufer des Dnipro entdeckt. Die Abwehrgürtel sollen etwa 150 Kilometer lang sein und von der Mündung des Dnipro bis zur Ortschaft Wasyliwka reichen. Bereits im Oktober war zudem über die sogenannte Wagner-Linie berichtet worden, die in der ukrainischen Region Luhansk errichtet wurde. Rund um die besetzte und weitgehend zerstörte Hafenstadt Mariupol wurden zuletzt ebenfalls Panzerabwehrvorrichtungen aus Beton errichtet - mutmaßlich in Erwartung ukrainischer Durchbrüche.

In den vergangenen Monaten war die Krim mehrfach Ziel von Angriffen. Im Oktober war die Brücke bei Kertsch, die die Krim mit dem russischen Festland verbindet und die als wichtige Nachschubroute dient, durch eine Bombenexplosion schwer beschädigt worden. Moskau schrieb den Angriff der Ukraine zu. Auch für Attacken auf die russische Schwarzmeerflotte in Sewastopol und für Explosionen auf mehreren russischen Militärstützpunkten auf der Halbinsel machte Russland die Ukraine verantwortlich.

Seit der Annexion der Krim 2014 betrachtet Moskau die Halbinsel als russisches Staatsgebiet, international wird dies nicht anerkannt. Kiew hat angekündigt, die Krim zurückerobern zu wollen.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa/AFP

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