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Sieht Malta für die Aufnahme des neuen Flüchtlingsschiffs in der Verantwortung: Italiens Innenminister Matteo Salvini.
Sieht Malta für die Aufnahme des neuen Flüchtlingsschiffs in der Verantwortung: Italiens Innenminister Matteo Salvini.(Foto: REUTERS)
Samstag, 14. Juli 2018

Flüchtlingsschiff im Mittelmeer: Salvini poltert gegen "Gutmenschen"

Die Sichtung eines weiteren Flüchtlingsschiffs im Mittelmeer droht den Streit zwischen Italien und Malta zu verschärfen. An Bord eines hölzernen Zweideckers sollen sich mehr als 400 Menschen befinden. Italiens Innenminister Salvini gibt eine harte Linie vor.

Die beiden EU-Staaten Italien und Malta streiten erneut über die Zuständigkeit für ein Flüchtlingsschiff, das im südlichen Mittelmeer zwischen dem Inselstaat und der italienischen Insel Lampedusa gesichtet wurde. An Bord des Schiffes sollen sich 400 bis 450 Migranten befinden.

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Italiens Innenminister und Vize-Regierungschef Matteo Salvini erklärte, er werde dem Schiff nicht erlauben, in einem italienischen Hafen anzulegen. "Malta, die Schleuser und die Gutmenschen ganz Italiens und der ganzen Welt sollen wissen, dass dieses Schiff in einen italienischen Hafen nicht einfahren kann und darf", teilte der Chef der rechtsextremen Partei Lega mit.

Die Regierung in Valetta hielt dagegen, das Schiff befände sich näher an italienischem als an maltesischem Staatsgebiet. Zudem würden die Menschen an Bord lieber nach Italien einreisen. Nach Angaben des italienischen Außenministeriums hatte das Schiff die Seenotrettungszentrale in Rom Freitagfrüh alarmiert, dass es Minderjährige an Bord habe, die "dringend Hilfe benötigen". Das Schiff habe sich zu diesem Zeitpunkt allerdings in maltesischen Gewässern befunden.

Italienische Medien berichteten, dass das Schiff mittlerweile in Richtung Italien unterwegs sei, zur Insel Lampedusa. Unklar war, um was für ein Boot es sich genau handelt und wer es steuert. Laut Medien handelt es sich um ein zweistöckiges Holzschiff. Das wäre eine neue Entwicklung, denn bislang schickten Schleuser Migranten meist in billigen Schlauchbooten von Libyen aus aufs Meer in Richtung Europa. Mit solchen Booten ist es selbst bei günstigen Witterungsbedingungen nahezu unmöglich, eine Überfahrt nach Europa aus eigener Kraft zu meistern.

Die beiden südeuropäischen Staaten haben in den vergangenen Wochen wiederholt über die Zuständigkeit für Flüchtlingsschiffe gestritten. Im vergangenen Monat musste Malta das Flüchtlings-Hilfsschiff "Lifeline" mit 234 Menschen an Bord anlegen lassen. Tage zuvor hatten Italien und Malta das Rettungsschiff "Aquarius" mit 630 Flüchtlingen an Bord zurückgewiesen, so dass es nach tagelanger Irrfahrt nach Spanien umgeleitet werden musste.

Salvini will die Zahl der in Italien ankommenden Flüchtlinge auf Null senken. Im Juni hatte er entschieden, dass Schiffe von Hilfsorganisationen mit Flüchtlingen an Bord nicht mehr in italienischen Häfen anlegen dürfen. Italien ist das Hauptankunftsland für Flüchtlinge, die von Afrika aus über das Mittelmeer in die EU gelangen.

Italien hat Hilfsorganisationen die Einfahrt in die Häfen des Landes verwehrt. Derzeit sind keine privaten Seenotretter auf dem Mittelmeer unterwegs. Ihnen wird vorgeworfen, indirekt den Schleppern in die Hände zu spielen, indem sie die Migranten von den schrottreifen Booten retteten und nach Italien bringen. Kritiker bezeichnen das kompromisslose Vorgehen Salvinis als zynisch und als verantwortungslos.

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Quelle: n-tv.de