Politik

Biden könnte Wahl beeinflussen Sarif heizt Gerüchte um Kandidatur im Iran an

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Sarif (rechts) hat mit einem Interview Spekulationen im Iran angeheizt über die Nachfolge von Noch-Präsident Ruhani (links).

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Die Amtszeit von Irans Präsident Ruhani neigt sich dem Ende zu. Jetzt könnte klar sein, wer sich nach ihm um das Amt bewirbt: Mohammed Sarif. Der Außenminister selbst heizt die Gerüchteküche an. Dabei kommt es wohl nicht allein auf die Kandidaten an, sondern auch auf den neuen US-Präsident Biden an.

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif hat Spekulationen über seine Kandidatur bei der Präsidentenwahl Mitte Juni angeheizt. "Ich ziehe es ja vor [nach Ende meiner Amtszeit] als Dozent in der Universität zu arbeiten, aber Gottesschicksal kann man nicht ändern und auch nicht dagegen ankämpfen", sagte Sarif der Tageszeitung "Hamdeli". Bislang hatte er alle Fragen zu einer Kandidatur nach Ende der zweiten Amtszeit von Präsident Hassan Ruhani vehement zurückgewiesen.

Das Interview wurde von den Menschen im Iran umgehend in sozialen Medien verbreitet. Zwar sei es unklar, ob Sarif sich auf eine Kandidatur bei der Wahl am 18. Juni oder als Chefdiplomat in einer neuen Regierung bezogen habe, hieß es unter anderem. Die Mehrheit geht aber von einer Präsidentschaftskandidatur aus.

Rückkehr zum Atomdeal könnte Ausschlag geben

Sarif wäre derzeit der einzige Reformer, der als Kandidat bei der Wahl gegen die regimetreuen Kandidaten aus dem Lager der Hardliner und Erzkonservativen Chancen hätte. Die anderen bis jetzt genannten Reformkandidaten sind entweder politisch unbekannt oder haben nicht Sarifs politischen Hintergrund und Charisma.

Der Ausgang der Präsidentenwahl ist nach Ansicht vieler weniger von den Kandidaten abhängig, sondern mehr von Joe Biden, der als neuer US-Präsident vereidigt wird. Sarif und Ruhani hoffen, dass Biden kurzfristig zum Wiener Atomabkommen zurückkehrt und bis zum Wahlkampf im März die Sanktionen gegen den Iran aufhebt. In dem Fall könnten die Reformer vor der Wahl mit dem Ende der wegen der Sanktionen entstandenen Wirtschaftskrise punkten und auch den Atomdeal sowie die Annäherung an den Westen rechtfertigen.

Außerdem kennt Sarif den neuen US-Präsidenten auch persönlich, nicht nur wegen der Atomverhandlungen zwischen 2013 und 2015, sondern auch aus seiner Zeit (2002 bis 2007) als Irans UN-Botschafter in New York. Wenn dies aber nicht klappen sollte, hätten die Hardliner und Reformgegner im Land die besseren Chancen auf einen Wahlsieg. Diese waren von vornherein gegen den Atomdeal. Sie machen Ruhani und Sarif verantwortlich für das Scheitern sowie die dadurch verursachte Wirtschaftskrise im Land.

US-Präsident Donald Trump war 2018 aus dem Atomdeal ausgestiegen. Die US-Regierung ging zu einer Politik des maximalen Drucks über und verhängte drakonische Sanktionen. Ziel der Trump-Regierung war es, die Führung in Teheran zu einer Neuverhandlung eines Atomabkommens mit härteren Auflagen zu zwingen. Dies ist Trump nicht gelungen. Der Iran warf den USA vor, einen Regimewechsel anzustreben, die US-Regierung wies dies zurück.

Quelle: ntv.de, joh/dpa