Politik
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht in türkischstämmigen Frauen ein "enormes innovatorisches Potenzial".
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht in türkischstämmigen Frauen ein "enormes innovatorisches Potenzial".(Foto: dpa)
Mittwoch, 08. Juni 2016

"Abschottung ließe uns degenerieren": Schäuble warnt vor europäischer Inzucht

Inmitten der Debatte um Zuwanderung bricht Bundesfinanzminister Schäuble eine Lanze für Migranten - und führt die dritte Generation der Türken als gutes Beispiel an. Vor allem in den Frauen sieht er "enormes innovatorisches Potenzial".

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat Europa angesichts immer größerer Hürden für Migranten eindringlich vor einer Einigelung gewarnt. "Die Abschottung ist doch das, was uns kaputt machen würde, was uns in Inzucht degenerieren ließe", sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit". In Deutschland trügen Muslime zu Offenheit und Vielfalt bei: "Schauen Sie sich doch mal die dritte Generation der Türken an, gerade auch die Frauen. Das ist doch ein enormes innovatorisches Potenzial."

Video

Zugleich forderte er einen grundlegenden Wandel im Umgang mit der arabischen Welt und Afrika. "Afrika wird unser Problem sein, wir müssen diese Aufgabe annehmen." Angesichts der vielen Flüchtlinge aus den Krisenzonen des Mittleren Ostens und Afrikas folgerte Schäuble, dass "wir mehr im Irak investieren müssen, in Syrien und in Libyen", so der CDU-Politiker. "Und dann werden wir in der Subsahara mehr für deren Entwicklung bezahlen müssen."

Eine Richtung, in die auch die jüngsten Pläne aus Brüssel gehen, wonach mit Staaten in Afrika und Nahost über ein gesondertes Flüchtlingsabkommen verhandelt werden soll. Ein Investitionsplan, der laut EU-Vizekommissionspräsident Frans Timmermans einen Rahmen von bis zu 62 Milliarden Euro aus privaten und öffentlichen Mitteln umfassen könnte, soll nicht nur sicherstellen, dass die Länder dieser Regionen Flüchtlinge zurücknehmen, sondern auch die Fluchtursachen bekämpfen.

Auch Europas Märkte sollen sich öffnen

Für Schäuble heißt das im Klartext: Europa muss seine Märkte für Produkte aus diesen Regionen öffnen. "Die Nordafrikaner verlangen das jetzt von uns, wenn sie Flüchtlinge zurückhalten", sagte Schäuble. "Aber die haben doch auch recht." In der globalisierten Welt sei es notwendig, "noch einmal eine maßvolle Revolution, einen grundlegenden Wandel ohne Übertreibung zu schaffen".

Eigentlich brauchten die reichen Länder gar nicht mehr so viel Wachstum, erklärte Schäuble weiter. "Lasst uns doch lieber die aufstrebenden Ökonomien des Südens stärker fördern."

Quelle: n-tv.de