Politik

Lagebild kommt auf 300 Angriffe Silvesterattacken in fast allen Bundesländern

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Ein Drittel aller Angriffe auf Einsatzkräfte fand in Berlin statt.

(Foto: picture alliance/dpa/TNN)

In der Silvesternacht gab es bundesweit fast 300 Angriffe auf Polizei und Feuerwehr. Eine Umfrage bei den Innenministerien ergibt, dass nur in einem Bundesland gar keine Attacken auf Einsatzkräfte stattfanden. Berlin ist dabei unrühmlicher Spitzenreiter.

Während das offizielle Lagebild der Bundesregierung auf sich warten lässt, gibt es rund zwei Wochen nach den Silvester-Angriffen auf Einsatzkräfte erstmals eine bundesweite Zählung. Laut einer Umfrage des "Tagesspiegel" kam es deutschlandweit zu mindestens 282 Attacken auf Polizei und Feuerwehr. Das berichtet die Zeitung mit Verweis auf die 16 Innenministerien der Länder.

Die höchste Zahl an Angriffen gab es demnach in Berlin. Hier bestätigte die Polizei inzwischen 102 Fälle, davon 59 angezeigte Angriffe gegen Polizisten und 43 gegen Feuerwehr und Rettungsdienste. In Niedersachsen bestätigte das Innenministerium demnach Angriffe auf 42 Einsatzkräfte, ebenfalls 42 Einsatzkräfte wurden in der Silvesternacht in Nordrhein-Westfalen verletzt. In Bayern kam es laut dem Innenministerium zu 34 Attacken auf Einsatzkräfte. Auch Hamburg meldete in der Silvesternacht mit 19 Angriffen verhältnismäßig viele Attacken, schrieb das Blatt.

In allen anderen Bundesländern gab es einstellige Attacken auf Einsatzkräfte: In Sachsen wurden in der Silvesternacht neun Polizisten verletzt, die meisten laut Innenministerium ohne Fremdeinwirkung durch Böller. In Borna, wo es angeblich Krawalle gegeben hatte, die sich später als übertrieben herausstellten, wurde ein Polizeiwagen demoliert. In Schleswig-Holstein kam es zu acht Angriffen auf Polizisten, in Sachsen-Anhalt zu sechs, in Rheinland-Pfalz zu drei, Thüringen, Brandenburg und Bremen zu je zwei, in Mecklenburg-Vorpommern wurde eine Polizistin verletzt. Aus dem Saarland teilte eine Ministeriumssprecherin mit: "Im Saarland gab es - auch in den Vorjahren - weder "Silvester-Krawalle" noch vergleichbare Szenarien. Es wurden auch keine Einsatzkräfte mit Böllern angegriffen."

Hessen und Baden-Württemberg wollen keine Zahlen nennen

Einige Bundesländer wie Hessen und Baden-Württemberg wollten keine Zahlen der Angriffe auf Einsatzkräfte nennen, weshalb die tatsächliche Zahl der Angriffe mutmaßlich höher ausfällt. Denn auch in diesen Bundesländern wurden Angriffe gemeldet. In Hessen etwa kam es zu Angriffen auf Polizei und Feuerwehr in Frankfurt am Main, Wiesbaden und Offenbach, wie aus Einsatzmeldungen der Polizei hervorgeht. Einzelne Angriffe gab es auch im baden-württembergischen Kehl und in Mannheim.

Der sächsische Innenminister Armin Schuster sagte dem "Tagesspiegel": "Die Vorkommnisse aus der Silvesternacht in Berlin sollten nicht bundesweit verallgemeinert werden." Jetzt sei eine konsequente Strafverfolgung und schnelle Verurteilung der Täter wichtig. "Eine Lagebewertung zu Tätern und deren Gewalttätigkeiten erscheint mir aktuell wichtiger als voreilige Diskussionen um ein bundesweites Böllerverbot, denn die meisten Menschen gehen verantwortungsvoll mit Feuerwerkskörpern zum Jahreswechsel um", sagte der CDU-Politiker.

Das Lagebild der Bundesregierung steht indes noch aus. Bundesinnenministerin Nancy Faeser sagte vier Tage nach Silvester, die Krawalle hätten ein Schlaglicht auf das Problem der gescheiterten Integration von Migranten geworfen. "Wir haben in deutschen Großstädten ein großes Problem mit bestimmten jungen Männern mit Migrationshintergrund, die unseren Staat verachten, Gewalttaten begehen und mit Bildungs- und Integrationsprogrammen kaum erreicht werden", sagte die SPD-Politikerin den Funke-Zeitungen. Faesers Ministerium kündigte eine detaillierte Bilanz zu den Vorgängen der Silvesternacht an - und zur Nationalität der Tatverdächtigen.

Quelle: ntv.de, mau

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