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Atommüll-Experten prüfen Optionen Stand der Dinge bei der Endlager-Suche

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Wohin mit den Fässern voll radioaktivem Atommüll?

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Suche nach einem Endlager für radioaktiven Müll läuft seit Jahren. Eine eigens dafür eingesetzte Kommission soll nun eine schnelle Lösung finden. Doch wie geht die Arbeit der Experten voran? Fragen und Antworten zum Thema.

Eine Million Jahre: So lange soll der hoch radioaktive Atommüll im deutschen Endlager vor sich hin strahlen, ohne Menschen zu gefährden. Aber wo? Darüber wird in Deutschland seit Jahrzehnten gestritten. Während es bei der Finanzierung des Atomausstiegs bald einen Kompromiss geben könnte, stehen für die Endlager-Suche noch nicht mal die Kriterien fest.

Was genau macht die Endlager-Kommission?

Sie sucht eigentlich keinen Standort für ein Endlager, sondern bereitet die Suche nur vor: Sie legt fest, nach welchen Kriterien gesucht werden soll. Das ist heikel, denn dadurch werden bestimmte Standorte natürlich wahrscheinlicher als andere. Ein Grundsatz ist aber: Die Suche ist "ergebnisoffen", kein Standort wird von vornherein etwa aus politischen Gründen ausgeschlossen.

Bis wann muss es ein Ergebnis geben?

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Gorleben rückt auf der Suche nach einem Endlager wieder in den Fokus.

(Foto: dpa)

Mitte dieses Jahres soll die Kommission einen Bericht vorlegen, mit dem sich dann der Bundestag beschäftigt. Dafür soll genug Zeit sein - und zwar bevor der Bundestagswahlkampf startet. Ein geeigneter Ort für ein Endlager soll planmäßig erst 2031 gefunden sein. Bundestag und Bundesrat sollen dann entscheiden, wohin der Müll kommt. So ein Endlager gibt es bisher übrigens nirgends auf der Welt.

Und wie weit ist die Arbeit?

Die meisten Mitglieder sind zuversichtlich, dass sie den Bericht bis zum Juni fertig bekommen. Klaus Brunsmeier vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland kritisiert, dass die Zeit zu knapp sei. "Gründlichkeit vor Schnelligkeit, dieses Prinzip wäre dem Thema angemessener gewesen", sagt er. Denn es hängt noch an einigen Punkten. Zum Beispiel bei Kriterien für die Suche: Wie wichtig ist etwa ein Deckgebirge? Oder wann dürfen Bürger und Gemeinden vor Gericht ziehen?

Kann man sehen, wie die Kommission arbeitet?

Ja, sogar ziemlich genau: Auf der Homepage der "Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe", wie sie eigentlich heißt, sind massenhaft Protokolle, Gutachten, Briefe und Kommentare einsehbar. Jeder kann der Kommission schreiben oder sich anmelden und in einem Forum kommentieren. Auf der Seite "endlagerbericht.de" kann man Teile des Berichts einsehen und kommentieren, die schon fertig sind.

Welche Standorte kommen überhaupt in Frage?

Der Plan ist, die hoch radioaktiven Atom-Abfälle mehrere hundert Meter tief in einem Bergwerk zu entsorgen. Als geologische Formationen kommen vor allem Salz, Ton und Granit in Frage. Solche Gebiete gibt es mehrere in Deutschland, besonders viele liegen in Niedersachsen.

Und was ist mit Gorleben?

Am meisten gesprochen wird über den Salzstock Gorleben, wo sich oberirdisch heute schon ein Zwischenlager befindet. Ob er sich als Endlager eignet, ist schon seit fast 40 Jahren ein Streitthema. In das Erkundungsbergwerk wurde schon viel Geld gesteckt - Kritiker befürchten deshalb, dass am Ende Gorleben als Endlager ausgesucht werden soll. Die Kommissionsmitglieder sehen das anders.

Wer sitzt eigentlich in der Kommission?

32 Mitglieder plus zwei Vorsitzende, die sich abwechseln. Es sind acht Wissenschaftler, 16 Politiker aus Bund und Ländern und acht Vertreter der Gesellschaft, also aus Gewerkschaften, Industrie, Religionsgemeinschaften und Umweltverbänden. Den Vorsitz haben Michael Müller (SPD), Vorsitzender der Naturfreunde Deutschlands, und Ursula Heinen-Esser (CDU). Es wurde darauf geachtet, die Kommission möglichst ausgewogen zusammenzustellen - entsprechend wird viel gestritten. Die Politiker haben kein Stimmrecht.

Quelle: n-tv.de, Teresa Dapp, dpa

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