Politik

Wäre Kriegsverbrechen Streumunition vor Waisenhaus in Mykolajiw entdeckt

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Mykolajiw Anfang März: Die Stadt im Süden der Ukraine ist seit Wochen stark umkämpft.

(Foto: IMAGO/UPI Photo)

Von den meisten Ländern der Welt wird der Einsatz von Streumunition geächtet. Im Ukraine-Krieg setzt Russland diesen Munitionstyp immer wieder ein, zuletzt in der südukrainischen Stadt Mykolajiw . Dort werden Überreste von Streubomben in Wohngebieten und sogar vor einem Waisenhaus gefunden.

Russische Truppen haben Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zufolge im Krieg gegen die Ukraine bereits mehrfach völkerrechtswidrig Streumunition eingesetzt. Berichten zufolge seien am vergangenen Sonntag in der dicht besiedelten Stadt Mykolajiw neun Zivilisten getötet worden, die offenbar an einem Geldautomaten Schlange gestanden hätten, hieß es in einer Mitteilung der Organisation. "Mehrere Wohngebiete in Mykolajiw wurden innerhalb einer Woche von Streumunitionsangriffen erschüttert", zitierte Human Rights Watch den Krisen- und Konfliktforscher Belkis Wille. Russland werde aufgefordert, solche Einsätze einzustellen. Die Ukraine wirft Russland immer wieder gezielte Angriffe gegen Zivilisten vor. Moskau dementiert das.

Ein Reporter der "Zeit" hat bei Recherchen auf dem Gelände eines Waisenhauses in Mykolajiw Reste von Streubomben gefunden, wie die Zeitung berichtete. Demzufolge bestätigte ein Waffenexperte von Human Rights Watch, dass es sich um diesen Munitionstyp handelt. In dem Waisenhaus leben normalerweise 302 Kinder und Jugendliche sowie ihre Betreuer. Sie waren wenige Tage vor dem Angriff in den Westen der Ukraine evakuiert worden.

Auch das Recherchenetzwerk "Bellingcat" hatte bereits den Einsatz dieser von den meisten Staaten geächteten Waffen dokumentiert. Die Vereinten Nationen und die NATO gehen ebenfalls davon aus, dass Russland im Krieg gegen die Ukraine Streubomben einsetzt. Als Streumunition werden Raketen oder Bomben bezeichnet, die noch in der Luft über dem Ziel zerbersten und eine Vielzahl kleiner Sprengkörper freisetzen, die sogenannte Submunition. Diese Mini-Bomben, in etwa so groß wie eine Getränke- oder Spraydose, fallen dann in einem Umkreis von mehreren Dutzend Metern zu Boden. Sie können selbst leicht gepanzerte Fahrzeuge durchschlagen und nicht nur durch ihre Splitterwirkung Menschen in der Nähe tödlich verletzen. Streumunition kann vom Boden aus durch Raketenwerfer abgefeuert, aber auch von Flugzeugen als Bombe abgeworfen werden.

Die Nutzung von Streumunition gegen dicht besiedelte Wohngebiete ohne militärisches Ziel gilt als Kriegsverbrechen. Von den meisten Ländern der Welt wird der Einsatz dieses Munitionstyps geächtet. Mehr als 100 Staaten haben das "Übereinkommen über Streumunition" unterzeichnet, Russland und die Ukraine sind nicht darunter.

Videos zeigen Schikane russischer Gefangener

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Die Menschenrechtler von Human Rights Watch forderten die ukrainische Seite auf, die Rechte russischer Kriegsgefangener zu wahren: "Ukrainische Behörden sollten aufhören, in sozialen Medien und Messaging-Apps Videos von gefangenen russischen Soldaten zu veröffentlichen, die sie der öffentlichen Neugier aussetzen - insbesondere solche, die zeigen, wie sie gedemütigt oder eingeschüchtert werden."

Die ukrainischen Behörden hatten wenige Tage nach dem russischen Einmarsch einen Telegram-Kanal erstellt, in dem sie seitdem Fotos und Videos vermeintlich getöteter und gefangener Russen veröffentlichen. Zudem wurden mehrfach "Pressekonferenzen" veranstaltet, bei denen gefangene Soldaten vermutlich unter Druck vor laufenden Kameras das russische Militär kritisierten und die ukrainischen Streitkräfte lobten.

Quelle: ntv.de, chf/dpa

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