Politik

Ex-Präsident wird 75 Jahre alt Trump hofft auf ein Geschenk im August

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Trump feiert an diesem Montag seinen 75. Geburtstag - dieses Bild entstand ein Jahr zuvor.

(Foto: zz/Dennis Van Tine/STAR MAX/IPx)

Es ist stiller geworden um Trump, den früheren Präsidenten der Vereinigten Staaten. Aber noch gibt er bei den Republikanern den Ton an, die ihm an seinem heutigen Geburtstag gratulieren werden. Trotz allem. Trump hofft derweil auf seinen nächsten Comeback-Coup.

Kein Twitter, kein Facebook, kein mediales Dauerfeuer - Donald Trump scheint von der politischen Bildfläche verschwunden zu sein. Doch das wirkt nur so von dieser Seite des Atlantiks. In seinem Heimatland bleibt er präsent: Noch immer ist er der wichtigste Kopf der Republikaner, ihr aussichtsreichster Kandidat für die nächste Präsidentschaftswahl und zugleich ein Gespenst, das bei moderaten Parteigenossen und manchem Demokraten für Ängste und dunkle Ahnungen sorgt.

Nun wird Trump 75 Jahre alt und dürfte auf seiner Seite des politischen Grabens reichlich Huldigungen und Glückwünsche erhalten. Trotz allem was war - allen voran der Sturm auf den Sitz des Kongresses in Washington, das Kapitol, am 6. Januar. Doch nicht einmal die Empörung darüber reichte seiner Partei aus, um ihn fallen zu lassen. Denn Trumps Anhänger, von denen viele sich eher ihm als den Republikanern verpflichtet fühlen, glauben ihm die Lüge, er habe die Wahl im vergangenen November gewonnen. Sie glauben, die Kapitolstürmer wollten das "Verbrechen des Jahrhunderts" verhindern.

Und so wird es ein Geburtstag zwischen zwei Kapiteln. Die Präsidentschaft liegt hinter ihm, vor ihm liegt entweder das Comeback - oder der endgültige Ruhestand. Trump liebäugelt offen mit einer erneuten Kandidatur im Jahr 2024. Zugleich schart er Anhänger um sich, hält wieder öffentliche Reden wie kürzlich in North Carolina, und kämpft gegen seine innerparteilichen Gegner, die Kongressabgeordnete Liz Cheney oder Senator Mitt Romney.

Hoffen auf Arizona

Bei den Republikanern gibt es zwar ein paar Männer und Frauen, die nach ihm die Führung übernehmen könnten - etwa die Senatoren Marco Rubio, Ben Sasse aus Nebraska oder Niki Haily, die unter Trump UN-Botschafterin war. Doch sie und auch andere wagen sich nicht aus der Deckung, solange Trump noch offenlässt, ob er es selbst noch einmal versuchen will. Er selbst glaubt offenbar, dass er womöglich gar keine neue Wahl braucht, um wieder ins Weiße Haus einzuziehen. So sitzt er in seinem Anwesen in Florida und schmiedet neue Pläne, bei denen es immer darum geht, das Wahlergebnis doch noch zu annullieren. In privaten Runden soll er gesagt haben, er gehe davon aus, dass es im August so weit sein könnte.

Dabei richtet sich sein Blick nach Arizona, wo es Bestrebungen gibt, die Stimmen des größten Wahlkreises noch einmal auszählen zu lassen. Auch in Georgia läuft noch eine Klage, an die Trump laut der stets bestens informierten "New York Times"-Reporterin Maggie Haberman die Hoffnung knüpft, in zwei Monaten wieder an die Spitze des Staates zurückzukehren. Das dürfte sein größter Geburtstagswunsch sein - aber auch dazu wird es nicht kommen. Schon in den Wochen nach der Wahl scheiterten mehr als 60 Klagen gegen das Ergebnis, daran wird sich nichts mehr ändern.

So klar derzeit Trumps Dominanz bei den Republikanern ist, so ungewiss wären seine Chancen auf eine zweite Amtszeit. Die Nominierung seiner Partei wäre ihm wohl sicher, doch seine Siegchancen sind schlecht - wenn auch nicht aussichtslos. Trumps Stärke ist zugleich seine Schwäche. Er schafft es zwar, Abermillionen von Wählern von sich zu überzeugen, er stößt aber noch mehr ab. Genau das passierte im Herbst 2020. Joe Biden gewann die Wahl auch deswegen, weil eine Mehrheit der Amerikaner Trump loswerden wollte. Später wiederholte sich dieses Szenario bei der Nachwahl in Georgia. Dort verloren die Republikaner auch, weil Trump mehr Gegner als Anhänger mobilisierte. Auch die diversen Ermittlungsverfahren gegen ihn und sein Unternehmen können ihm politisch weiter schaden, vielleicht sogar eine Kandidatur verhindern.

Viele, aber nicht alle Republikaner sind für Trump

Demokraten wie moderate Republikaner hoffen zudem darauf, dass Trumps Glanz mit der Zeit einfach verblasst. Dass er in den sozialen Medien nicht mehr präsent ist und auch seinen Blog schon nach wenigen Wochen mangels Erfolg wieder einstellte, ist ein Problem für ihn. Zwar glauben ihm immer noch laut einer Umfrage von Reuters und Ipsos von Mitte Mai 61 Prozent der Republikaner, dass er um den Wahlsieg betrogen wurde. 53 Prozent halten ihn demnach für den wahren Präsidenten. Doch so hoch diese Werte auch sind: Sie zeigen, wie gespalten die Republikaner sind.

Um eine Wahl zu gewinnen, muss ein Kandidat aber das eigene Lager geschlossen hinter sich haben und möglichst noch einige Wähler von der anderen Seite zu sich herüberziehen. Außerdem schneidet Trump weiterhin in den Vororten der Städte schlecht ab, wo seit Jahrzehnten die Wahlen entschieden werden. Dass er praktisch kein Zukunftsprogramm hat und völlig auf die Vergangenheit fixiert ist, hilft ihm bei pragmatischen Wählern nicht weiter, die auch auf Inhalte achten. Nicht nur deswegen zitieren US-Medien wie etwa "Politico" regelmäßig Republikaner, die hinter vorgehaltener Hand sagen, Trump solle lieber nicht kandidieren und Platz für neue Köpfe machen.

Die Stunde der Wahrheit wird für Trump im Herbst 2022 schlagen. Dann werden das Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu gewählt. Die spannende Frage wird sein, ob Trumps Gegner innerhalb seiner Partei ihre Sitze verteidigen können - etwa jene zehn Abgeordnete, die nach dem Kapitolsturm Anfang Januar entgegen der Parteilinie das Wahlergebnis als korrekt anerkannten. Sie stehen seitdem auf Trumps Abschussliste.

Die noch größere Frage ist aber, ob es den Republikanern mit Trump an der Spitze gelingt, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückzuerobern. Im Erfolgsfall wäre er gestärkt - in Washington spekulieren manche sogar, Trump könnte sich selbst ins Haus wählen lassen und dann dessen Sprecher werden und damit die derzeitige Amtsinhaberin Nancy Pelosi beerben. Damit hätte er dann wieder eine herausgehobene Position und könnte die Schlagzeilen bestimmen. Doch selbst für Trump klingt das nach einer abenteuerlichen Idee.

Wenn der Ex-Präsident heute nun die Kerzen auf der Torte auspustet, entsteht dennoch mehr als heiße Luft. Da könnte noch etwas kommen. Unterschätzt wurde dieser Mann schon oft, die Trump-Show geht erst einmal weiter.

Quelle: ntv.de

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