Politik

"Habt keine Angst vor dem Virus" Trump meldet sich aus dem Weißen Haus

Der US-Präsident ist zurück im Weißen Haus. Ihm gehe es sehr gut, lässt er seine Anhänger in einem Twitter-Video wissen. Eine Schutzmaske trägt er dabei nicht. Seine wichtigste Botschaft: Vor dem Virus soll sich niemand fürchten.

Drei Tage nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus wegen einer Covid-19-Infektion ist US-Präsident Trump ins Weiße Haus zurückgekehrt. Auf Fernsehbildern war in der Nacht zum Dienstag zu sehen, wie Trump beim Verlassen des Walter-Reed-Krankenhauses eine weiße Chirurgenmaske trägt. Er ballte eine Hand zur Siegerfaust und hob den Daumen in Richtung der Pressevertreter. Auf die Frage eines Reporters, wie viele Menschen im Weißen Haus infiziert seien, antwortete Trump nur "Vielen Dank". Der Hubschrauber Marine One brachte ihn zum Weißen Haus, wo der Präsident nach Angaben seiner Ärzte die Behandlung fortsetzen werde.

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Auf einem Video auf dem offiziellen Twitter-Account des Präsidenten ist zu sehen, wie Trump nach seiner Ankunft seine Maske auf dem Balkon des Weißen Hauses abnimmt, für Fotos posiert, dem Hubschrauber salutiert und ein "Daumen hoch"-Zeichen gibt. Das Ganze ist mit Streichern hinterlegt. Dann dreht er sich um und geht ohne Maske ins Weiße Haus. In einer Videobotschaft sagt der Präsident: "Lasst Euch von dem Virus nicht dominieren. Habt keine Angst davor". Eine Schutzmaske trägt Trump dabei nicht. "Wir gehen wieder zur Arbeit. Wir werden nach vorne gehen. Lasst es nicht euer Leben dominieren. Geht raus, seid vorsichtig." Die USA hätten "die besten Medikamente der Welt". Auch einen Impfstoff werde es bald geben, versprach Trump. Ihm selbst gehe es Tage nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus "besser", sagte der Präsident weiter. "Vielleicht bin ich immun, ich weiß es nicht", fügte er hinzu.

Mögliche Spätfolgen noch nicht absehbar

Trumps Ärzte hatten zuvor vor der Presse erklärt, der 74-Jährige sei zwar "noch nicht ganz aus dem Schneider". Allerdings erfülle er die Kriterien für eine Entlassung und könne im Weißen Haus genauso gut weiterbehandelt werden. Er habe seit mehr als 72 Stunden kein Fieber mehr und der Sauerstoffgehalt im Blut sei normal, erklärten die behandelnden Ärzte. Fragen der Journalisten zu möglichen Schäden an der Lunge infolge der Krankheit wichen die Ärzte aus. Weiter blieb unbeantwortet, wann Trump vor seiner Einlieferung am Freitag zuletzt negativ getestet worden war. Unklar blieb auch, wie lang der Präsident in Quarantäne bleiben soll.

Trump habe vergangene Woche mit seiner Einlieferung gezögert, heißt es aus Insiderkreisen. Die demokratische Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sagte, sie hoffe, dass Trumps schnelle Rückkehr ins Weiße Haus nicht politisch motiviert sei. Sie äußerte sich besorgt darüber, dass er ein "long hauler" werden könnte - ein Begriff, der sich auf diejenigen bezieht, die lange Zeit unter Komplikationen infolge der Coronavirus-Infektion leiden. Trumps medizinisches Team teilte mit, er habe keinen Druck auf die ihn behandelnden Ärzte ausgeübt. Weitere fünf Tage lang erhalte er intravenös das antivirale Arzneimittel Remdesivir des US-Unternehmens Gilead Sciences.

Trump war in der Klinik zudem mit einem noch experimentellen Antikörper-Mittel behandelt worden. Nach Einschätzung des renommierten Epidemiologen Anthony Fauci könnte dies entscheidend zu einer schnellen Verbesserung von Trumps Gesundheitszustand beigetragen haben. "Ich habe einen starken Verdacht, dass ihm das geholfen hat", sagte Fauci im Nachrichtensender CNN. Das Mittel war von der Biotech-Firma Regeneron auf Anfrage der Präsidenten-Ärzte bereitgestellt worden. Es wird für gewöhnliche Patienten noch lange nicht verfügbar sein.

TV-Duell soll stattfinden

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Der Präsident will nach Angaben eines Sprechers aus seinem Wahlkampfteam am 15. Oktober am zweiten geplanten Duell mit seinem Herausforderer Joe Biden teilnehmen. Die erste von drei geplanten Debatten fand vergangene Woche statt, zwei Tage bevor Trump offiziell das positive Testergebnis bekannt gab. "Wenn die Wissenschaftler sagen, dass es sicher ist und die Abstandsregelungen eingehalten werden, dann denke ich, dass das in Ordnung ist. Ich werde alles tun, was die Experten für angemessen halten", sagte Biden, der am Wochenende negativ auf Covid-19 getestet hatte. Die Quarantänezeit für positiv Getestete beträgt im Allgemeinen 14 Tage.

Über Trumps Videobotschaft zeigte sich Biden empört. Er rief den Präsidenten auf, sich mit seinen Äußerungen an die mehr als 200.000 Familien zu wenden, die ein Mitglied verloren hätten. Er habe gehofft, dass der Präsident den US-Bürgern nach seiner Infektion mit dem Coronavirus "die richtige Botschaft" überbringen werde, sagte Biden bei einer Wahlkampfveranstaltung in Miami. Diese laute: "Masken wirken". Schutzmasken könnten Menschenleben retten und die Ausbreitung des Virus stoppen, fügte Biden hinzu.

Quelle: ntv.de, ino/AFP/rts/dpa