Politik

Der Kriegstag im Überblick Ukraine plant Befreiung Chersons bis September - Kreml räumt Raketenbeschuss auf Odessa ein

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Ukrainische Truppen bereiten Waffen für ihre Operation in Cherson vor.

(Foto: picture alliance / AA)

In Cherson keimt Hoffnung auf: Die Ukraine kann russische Truppen nach eigenen Aussagen so weit zurückschlagen, dass diese in die Defensive gehen. Und der Kreml behauptet, ein Kriegsschiff in Odessa attackiert zu haben, nachdem er die Verantwortung für den Angriff auf die Hafenstadt zunächst abgestritten hat.

In Cherson keimt Hoffnung auf: Die Ukraine kann russische Truppen nach eigenen Aussagen so weit zurückschlagen, dass diese in die Defensive gehen. Und der Kreml behauptet, ein Kriegsschiff in Odessa attackiert zu haben, nachdem er die Verantwortung für den Angriff auf die Hafenstadt zunächst abgestritten hat. Der 150. Kriegstag im Überblick.

Ukraine: Truppen in Cherson gehen in Gegenoffensive

Die Ukraine hat erste Erfolge bei der geplanten Rückeroberung der von Russland besetzten Region Cherson verkündet. "Wir können sagen, dass ein Wendepunkt auf dem Schlachtfeld erreicht wurde", sagte Serhij Chlan von der Kiew-treuen Militärverwaltung Chersons in einem Fernsehinterview. "Wir sehen, dass unsere Streitkräfte offen vorrücken", fügte Chlan hinzu. Die ukrainischen Truppen würden von der Defensive in die Gegenoffensive wechseln. Chlan sagte, dass Cherson "definitiv bis September befreit" sein werde. Demnach bereiten die Ukrainer eine Bodenoffensive vor.

Die ukrainische Armee hatte, unterstützt von Artillerielieferungen aus dem Westen, in den vergangenen Wochen Boden in der südukrainischen Region gutgemacht. Russische Truppen hatten die Hauptstadt Chersons gleichen Namens am 3. März erobert. Die Region ist wichtig für die Landwirtschaft der Ukraine und liegt nahe der Krim-Halbinsel, die Russland 2014 annektiert hatte.

Russland will Kriegsschiff in Odessa zerstört haben

An den Häfen des Schwarzen Meeres rund um Odessa sieht die Lage für die Ukraine düsterer aus. Russland hat nun eingeräumt, doch mit Raketen die ukrainische Hafenstadt angegriffen zu haben. Einen Tag nach dem Dementi teilte Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, mit, dass man ein Objekt militärischer Infrastruktur im Hafen getroffen habe. Dabei seien "hochpräzise" Kalibr-Marschflugkörper eingesetzt worden. Der wichtige ukrainische Hafen für Getreidelieferungen am Schwarzen Meer war am Samstag beschossen worden - einen Tag, nachdem Russland und die Ukraine ein Abkommen zur Wiederaufnahme der Getreidelieferungen unterzeichnet hatten.

Laut der Türkei hatte Russland eine Beteiligung an dem Luftangriff zunächst abgestritten. "Die Russen haben uns gesagt, dass sie mit diesem Angriff nichts zu tun haben und dass sie die Angelegenheit sehr genau untersuchen", versicherte der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar am Samstag. Sacharowas Bestätigung ist die erste offizielle russische Äußerung zu dem Angriff. Ihren Angaben zufolge will das russische Militär ein ukrainisches Kriegsschiff getroffen haben.

Moskau verspricht Ägypten Getreidelieferungen

Trotz der Attacke in Odessa sicherte der russische Außenminister Lawrow Ägypten zu, dass sein Land sich an seine Lieferzusagen halten werde. Moskau habe "den Einsatz der russischen Exporteure von Getreideprodukten" bestätigt, "all ihre Verpflichtungen zu erfüllen", sagte Lawrow in Kairo nach Gesprächen mit seinem ägyptischen Amtskollegen Schukri. Ägypten ist einer der größten Getreide-Importeure der Welt. 80 Prozent der Einfuhren kamen in der Vergangenheit aus Russland und der Ukraine.

Ukrainische Häfen bereiten Export vor

Ungeachtet der russischen Raketenangriffe haben die unter internationaler Vermittlung festgelegten drei Häfen am Schwarzen Meer mit der Vorbereitung der Getreide-Transporte begonnen. Die Arbeiten für die Wiederinbetriebnahme der Häfen in Odessa, Tschornomorsk und Juschnyj seien im Gange, teilte die für die Seehäfen zuständige Behörde mit. Gemäß der am Freitag in Istanbul getroffenen Vereinbarung würden die Schiffsverbände für den Getreideexport über den Seeweg vorbereitet, hieß es.

Charkiw rät Bürgern wegen Raketeneinschlägen zur U-Bahn

Auch in Charkiw sind Bewohner von russischen Attacken bedroht worden. Angesichts wiederholter Raketeneinschläge forderte die zweitgrößte ukrainische Stadt ihre Einwohner zur Nutzung der U-Bahn anstelle des Straßenverkehrs auf. "Nutzen Sie öfter das Metro-Netz, denn es ist die sicherste Möglichkeit, von A nach B zu kommen", schreibt Bürgermeister Ihor Terechow auf Telegram. "Die vergangene Woche hat gezeigt, dass der Aggressor nicht einmal mehr vorgibt, auf militärische Ziele zu schießen."

US-Abgeordneter sagt Selenskyj bis zu 30 Mehrfachraketenwerfer zu

Um die Verteidigung der Ukraine gegen die Invasion zu stärken, wollen die USA und ihre westlichen Verbündeten indes bis zu 30 Mehrfachraketenwerfer liefern. Das kündigte der US-Politiker Adam Smith nach einem Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kiew an. Das aktuelle Ziel sei, der Ukraine 25 bis 30 der Raketensysteme bereitzustellen, sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses (Armed Services Committee) im US-Repräsentantenhaus dem amerikanischen Rundfunkveranstalter Radio Free Europe/Radio Liberty. Die USA haben der Ukraine bisher zwölf Raketensysteme des Typs HIMARS geliefert und die Lieferung vier weitere Systeme angekündigt.

Britische Geheimdienste widersprechen Lawrows Expansions-Äußerung

Die britischen Geheimdienste haben der kürzlichen Darstellung des russischen Außenministers Sergej Lawrow, nach der Russland seine Ziele in der Ukraine ausgeweitet habe, widersprochen. Lawrow hatte Mitte der Woche verlautbart, es gehe bei dem Einsatz nicht mehr nur um die selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk, sondern auch um die Regionen Cherson und Saporischschja sowie "eine Reihe anderer Gebiete". Als Grund der Anpassung der Ziele nannte Lawrow westliche Waffenlieferungen in die Ukraine. "Das ist nahezu sicher nicht richtig", schrieben die britischen Geheimdienste in ihrem jüngsten "Intelligence Update", einer Art Lagebericht. Russland habe seinen Krieg nicht ausgeweitet. "Die Übernahme der langfristigen Kontrolle über diese Gebiete war nahezu sicher bereits zu Beginn der Invasion ein Ziel."

Alle weiteren Entwicklungen können Sie in unserem Liveticker zum Ukraine-Krieg nachlesen.

Quelle: ntv.de, lve/AFP/dpa

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