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Karte zum aktuellen Frontverlauf Ukrainer eröffnen Schlacht um Lyman

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Anhaltende Gefechte im Osten der Ukraine, Kiews Truppen rücken an der Oskil-Front weiter vor. Die Liste der befreiten Ortschaften zeichnet ein grobes Bild der militärischen Lage. Droht dem Kreml das nächste Debakel?

Die Streitkräfte der Ukraine befinden sich im Osten des Landes weiter auf dem Vormarsch: Die russischen Invasionstruppen verlieren an den Frontabschnitten zwischen Kupjansk und der Region Luhansk zusehends an Boden. Die nach dem überstürzten Rückzug aus Isjum hastig errichteten Auffangstellungen an der Oskil-Front sind für die russischen Soldaten anscheinend nicht zu halten.

Ukrainische Stoßtruppen haben den Fluss Oskil an mehreren Stellen längst überschritten. In den vergangenen Tagen schoben sich ukrainische Angriffsspitzen weiter vor. Östlich von Isjum kämpfen sich ukrainische Verbände zudem aus mindestens drei Brückenköpfen auch über den Fluss Siwerskyj Donez in Richtung Lyman vor.

Die Berichte russischer Kriegsberichterstatter aus dem Raum Lyman klingen zunehmend düster. Zusammen mit den im Netz kursierenden Bildern aus weiteren befreiten Ortschaften ergibt sich ein klareres Bild der Lage: Den Ukrainern ist es offenbar erneut gelungen, die russischen Linien zu durchbrechen. Den russischen Einheiten im Raum Lyman droht Angaben aus russischen Quellen zufolge die Einkesselung.

Der ukrainische Generalstab und die politische Führung in Kiew halten sich mit Informationen zur militärischen Lage der eigenen Kräfte weiterhin bedeckt. Wenn die Einschätzungen westlicher Militärexperten zutreffen, dann könnte sich der Kreml jedoch bald mit einem ähnlichen militärischen Debakel konfrontiert sehen wie zuvor in Balaklija, Isjum und Kupjansk. Die Stadt Lyman war den russischen Invasoren Ende Mai nach verlustreichen Kämpfen in die Hände gefallen.

Die wenigen verifizierbaren Ortsangaben deuten das Ausmaß der drohenden russischen Niederlage an: Ukrainische Verbände setzen demnach nordwestlich und südöstlich von Lyman zur Umfassung der von russischen Truppen gehaltenen Stadt am Siwerskyj Donez an. Die Lage für die Russen dort wird zunehmend brenzlig. Seit mehreren Tagen schon liegen die letzten offenen Verbindungswege von Lyman ins russisch kontrollierte Hinterland in Reichweite ukrainischer Artilleriegeschütze. Die Versorgung der kämpfenden Einheiten wird für den russischen Nachschub immer schwieriger.

Mithilfe der weitreichenden Präzisionsmunition aus westlicher Produktion können die Ukainer russische Stützpunkte in der gesamten Region Lyman unter Beschuss nehmen. Im Nordwesten der einst 20.0000 Einwohner zählenden Stadt konnten die Ukrainer zuletzt Siedlungen und Dörfern wie Ridkodub, Selena Dolyna, Pisky-Radkiwski und Nowoseliwka befreien.

Die genannten Ortschaften liegen aus russischer Sicht gefährlich tief in der Flanke. Östlich von Lyman kämpfen sich ukrainische Stoßtruppen zugleich durch die Flussniederungen des Siwerskyj Donez vor. Die Stoßrichtung scheint auf die Fernstraße bei Saritschne und Torske zu zielen. Wo genau hier die Frontlinie verläuft, lässt sich aus der Distanz nicht mit Sicherheit bestimmen.

Sollte die russische Front in diesem Abschnitt jedoch kollabieren, wäre der Ring um Lyman so gut wie geschlossen. Die Militärplaner des Kreml müssten den Verlust eines weiteren strategisch bedeutsamen Verkehrsknotenpunkts hinnehmen und über kurz oder lang auch ukrainische Angriffe auf russisch besetzte Etappenstädte wie Swatowe oder Starobilsk befürchten.

Verlustreiche Angriffe im Donbass

Dazu kommt, dass die Schlacht um Lyman längst nicht den einzigen Frontabschnitt darstellt, an dem die Russen massiv unter Druck stehen. Kiew bestätigte Anfang der Woche militärische Erfolge am Oskil-Brückenkopf bei Kupjansk. Dort konnten die Ukrainer den jenseits des Flusses gelegenen Vorort Kupjansk-Wuslowyj zurückerobern und sichern. Der dort gelegene Güterbahnhof und die für den russischen Nachschub so wichtigen Schienenverbindung Richtung Luhansk sind damit fest in ukrainischer Hand.

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Im Vergleich zu den ukrainischen Offensiv-Operationen wirkt die russische Strategie weiterhin auffallend ungelenk und schwerfällig. An der Luhansk-Front zum Beispiel unternimmt das russische Militär den Angaben aus Kiew zufolge täglich neue Angriffe Richtung Bachmut.

Wagner-Söldner, Separatisten und reguläre russische Einheiten sehen sich hier - nahe der seit 2014 bestehenden Frontlinien - gut ausgebauten ukrainischen Verteidigungsstellungen gegenüber. Die Kampfhandlungen dort scheinen bisher, trotz kleinerer Gebietsgewinne, bisher vor allem russische Kräfte zu binden - Kräfte, die in der Schlacht um Lyman, an der Oskil-Front und mittelfristig auch an den Frontlinien bei Cherson fehlen.

Quelle: ntv.de

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