Politik

Keine neuen Werke im Ausland Was Chinas Kohle-Ankündigung bedeutet

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Im eigenen Land investiert China weiterhin massiv in die Kohlekraft.

(Foto: picture alliance / dpa)

Chinas Staatschef kündigt an, keine neuen Kohlekraftwerke im Ausland mehr zu bauen. Stattdessen will er ärmere Länder in puncto grüne Energien unterstützen. Für den Kampf gegen den Klimawandel ist Xi Jinpings Ansage von großer Tragweite. Doch viele Fragen bleiben offen.

Die Ankündigung von Xi Jinping bei der UN-Generaldebatte fand viel Beachtung: China werde keine neuen Kohlekraftwerke im Ausland mehr bauen und ärmere Länder bei der Entwicklung von grünen Energien unterstützen, sagte der chinesische Staatschef am Dienstag. Diese Entscheidung ist von großer klimapolitischer Tragweite. Unklar blieb aber der Zeitplan, die Bedeutung der Ankündigung für private Geldgeber und die Auswirkungen auf derzeit geplante oder im Bau befindliche Projekte. Ein Überblick:

Was hat China versprochen?

Xi kündigte an, dass China keine Kohlekraftwerke im Ausland mehr finanzieren werde. "China wird seine Unterstützung für andere Entwicklungsländer bei der Entwicklung von grünen Energien und Energien mit einem geringen CO2-Ausstoß verstärken und keine neuen Kohlekraftwerke im Ausland bauen", sagte der Staatschef bei der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York.

Was bedeutet das für den Kampf gegen die Klimakrise?

Die Ankündigung Chinas hat Gewicht: Die Nation ist der größte staatliche Geldgeber für Kohlekraftwerke im Ausland. Sowohl Japan als auch Südkorea - die zwei anderen großen staatlichen Finanziers von Kohleprojekten - haben bereits angekündigt, ihre Unterstützung bis zum Ende des Jahres zu beenden. "China stand alleine an dieser Front", erklärt der Klimaanalyst von Greenpeace China, Li Shuo. Die Hoffnung sei nun, dass auch private Investoren von Kohleprojekten Abstand nehmen.

Doch global gesehen ist Chinas Kohle-Fußabdruck im Ausland relativ klein: 13 Prozent der Mittel für Kohlekraftwerke weltweit kamen zischen 2013 und Mitte 2019 aus China, wie das Global Development Policy Center der Boston University herausfand. Das bedeutet, dass 87 Prozent der Gelder für Kohlekraftwerke in Entwicklungsländern von anderen Geldgebern stammen.

Wer also finanziert die Kohlekraftwerke dieser Welt?

Private Banken und institutionelle Investoren aus Japan, den USA und Großbritannien finanzieren einen Großteil der Kohlekraftwerke in Entwicklungsländern. Insbesondere japanische Geschäftsbanken waren mit 76 Milliarden Dollar wichtige Geldgeber für Kohlekraftwerke im Ausland. Sie finanzierten somit fast ein Viertel aller Kohlekraftwerke in Entwicklungsländern.

Aus den USA stammen weitere 68 Milliarden Dollar, hauptsächlich von privaten Geldgebern, die somit 21 Prozent der Kohlekraftwerke finanzieren. Aus Großbritannien stammen sieben Prozent der Finanzierungskredite. Staatliche Banken aus China investierten zwischen 2014 und 2019 mehr als 50 Milliarden Dollar in Kohleprojekte im Ausland.

Wird sich China an seine Zusagen halten?

Mit seiner Zusage reagiert China auch auf Kritik, dass seine Kohleprojekte im Ausland den globalen Klimazielen zuwiderlaufen. Das Land hat nach Angaben des chinesischen Handelsministeriums seit Beginn des Jahres keine neuen Kohleprojekte finanziert, auch nicht im Rahmen des eine Billionen Dollar schweren Infrastrukturprojekts Neue Seidenstraße.

Doch es gibt noch wichtige offene Fragen: So ist beispielsweise weiterhin unklar, ob sich private chinesische Investoren ebenfalls aus Kohleprojekten zurückziehen werden - oder ob die Zusage nur für staatliche Gelder gilt. Unklar ist außerdem auch, ab wann genau China keine Kohlekraftwerke mehr finanzieren will und inwiefern Projekte betroffen sind, die sich derzeit in der Planungs- oder Bauphase befinden.

Wird China auch im eigenen Land auf Kohle verzichten?

Die chinesische Regierung hat angekündigt, noch vor dem Jahr 2030 die CO2-Emissionen zu reduzieren. Bis 2060 soll das Land CO2-neutral sein. Doch China - das bevölkerungsreichste Land der Erde und der weltweit größte Emittent von Treibhausgasen - investiert auch weiterhin massiv in die Kohlekraft. Im vergangenen Jahr wurden Kohlekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 38,4 Gigawatt ans Netz genommen. Laut einem Bericht der Expertengruppe Carbon Tracker plant das Land zudem 368 neue Kraftwerke mit einer Kapazität von 187 Gigawatt.

Nach 2026 will die chinesische Regierung die Kohleverstromung im eigenen Land zurückfahren. "Aber es gibt keine Obergrenze, wie viel Treibhausgase China ausstoßen kann, bis es beginnt, die CO2-Emissionen zu reduzieren", erklärt Yuan Jiahai von der North China Electric Power University in Peking. "Das bedeutet, dass China bis dahin so viel Treibhausgase ausstoßen kann, wie es will."

Quelle: ntv.de, Poornima Weerasekara, AFP

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