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AKK statt Merz Eine Entscheidung der Vernunft

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Jens Spahn ist Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz deutlich unterlegen. Dennoch wird es auf ihn ankommen.

(Foto: imago/Nordphoto)

Annegret Kramp-Karrenbauer ist die richtige Wahl für die CDU. Nicht wegen ihrer politischen Positionen. Aber ihr wird es leichter fallen, die andere Seite einzubinden - wenn diese andere Seite mitspielt.

Am Vormittag gab es auf dem CDU-Parteitag einen emotionalen Moment. Angela Merkel bekam für ihre letzte Rede als Vorsitzende so viel Applaus, dass sie Mühe hatte, die Tränen zurückzuhalten. Am Nachmittag entschieden die Delegierten nicht nach Gefühl, sondern folgten der Vernunft.

Denn Friedrich Merz als CDU-Vorsitzender wäre sicher keine falsche, aber eine weniger vernünftige Entscheidung gewesen. Nach dieser Wahl muss es darum gehen, die Lager zu versöhnen, einzubinden, zu befrieden. Dafür braucht es Symbole. Zwei Persönlichkeiten gibt es in der CDU, die den liberalen Flügel prominent repräsentieren: Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer, die alte und die neue Vorsitzende. Beide hätte Merz kaum einbinden können. Die Kanzlerin nicht, weil sie die Regierungschefin ist und im Machtgefälle deutlich über dem CDU-Vorsitz angesiedelt ist. Vielleicht auch deshalb nicht, weil er sie perspektivisch ohnehin lieber losgeworden wäre. Die andere nicht, weil sie sich festgelegt hat: Vorsitz oder Ehrenamt. Als Generalsekretärin für ihn hätte Kramp-Karrenbauer nicht zur Verfügung gestanden.

Umgekehrt dürfte es Kramp-Karrenbauer leichter fallen, auf den konservativen Flügel zuzugehen. Der hat drei prominente Gesichter: Friedrich Merz und Jens Spahn. Und Wolfgang Schäuble. Der eine hat zwar zugesichert, er wolle die CDU weiter unterstützen. Aber seinen Job als Wirtschaftsanwalt wird er wohl nicht aufgeben, eine Bewerbung für das Präsidium gab Merz nicht ab. Und Schäuble ist jemand, der sich ohnehin jeder Einbindung entzieht.

Wer eingebunden werden kann und muss, ist Spahn. Als Gesundheitsminister gehört er dem Kabinett an, auch die Partei wird er weiter prägen. Auf dem CDU-Parteitag wurde er mit einem ordentlichen Ergebnis ins Präsidium gewählt.

Und die AfD? Merz hatte versprochen, sie zu halbieren. "Wir brauchen einen Strategiewechsel im Umgang mit den Themen, im Umgang mit unseren politischen Mitbewerbern und vor allem in der Kommunikation mit den Menschen in unserem Land", forderte er in seiner Bewerbungsrede. Das würde auch Kramp-Karrenbauer unterschreiben. Trotzdem bleibt richtig: Merz hätte vermutlich mehr Wähler von der AfD zurückgeholt als AKK dies schaffen kann. Dennoch: Die innere Stabilität der CDU hätte mit ihm als Parteichef vermutlich gelitten - siehe oben.

Um Volkspartei zu bleiben, wie es alle drei Kandidaten immer wieder versprochen haben, muss die CDU nicht nur die AfD bekämpfen, sondern auch ihre Balance wiederfinden und halten. Sollten die Merz-Anhänger nun in die innerparteiliche Opposition gehen oder gar die Partei verlassen - solche Gedankenspiele kursierten in Hamburg - dann hätte die CDU ein Problem. Schäuble könnte es mindern, indem er noch einmal ein Interview gibt. Merz hätte es mindern können, wenn er ein Amt in der Partei angenommen hätte. Bleibt Spahn. Auf ihn wird es ankommen.

Quelle: n-tv.de

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