Kommentare

Horrorszenario wird wahr Trump will die Wahlen stehlen

6e744e1e1bee02ac22cd754104d62963.jpg

Trump bei seinem Auftritt im Weißen Haus. Links Vizepräsident Pence, rechts First Lady Melania Trump.

(Foto: AP)

Statt wie in demokratischen Ländern üblich nach einer Wahl auf die Auszählung der Stimmen zu warten, ruft Trump sich zum Sieger aus. Der Stresstest, dem die USA seit fast vier Jahren unterworfen sind, geht in eine gefährliche Phase.

Ob US-Präsident Donald Trump die Wahl gewonnen hat, ist zur Stunde noch unklar. Möglich ist es, aber nicht sicher. Absolut sicher ist nur eines: Es ist zu früh, sich zum Wahlsieger auszurufen, die Auszählung läuft schließlich noch. Und was macht Trump? Er ruft sich zum Wahlsieger aus.

Damit demonstriert er ein weiteres Mal, was für eine Art Politiker er ist. Anstand, Regeln, die Demokratie? Kümmert ihn alles nicht. In der Welt dieses Egomanen zählt nur eines: dass er gewinnt, immer und immer wieder, ganz egal mit welchen Mitteln.

Selbst Vizepräsident Mike Pence schien Trumps Auftritt im Weißen Haus überzogen zu finden. Pence lässt nie eine Gelegenheit aus, seinem Chef zu huldigen. Aber dem Vorwurf des Wahlbetrugs schloss er sich nicht an. Er behauptete auch nicht, dass Trump die Wahl gewonnen habe, sondern sagte nur, dieser sei "auf dem Weg zum Sieg".

Trump dagegen macht, was er immer tut: Er wirft seinen Gegnern vor, wessen er selbst sich schuldig macht. Nicht er ist korrupt, sondern Hillary Clinton und Joe Biden sind es. Nicht er hat eine Ukraine-Affäre am Hals, sondern Bidens Sohn, ach was, Biden selbst. Nicht er ist im Umgang mit Staatschefs wie Wladimir Putin oder Kim Jong Un auf geradezu peinliche Weise devot, sondern sein Vorgänger Barack Obama. Und auch wenn er praktisch seine gesamte Familie mit Jobs versorgt, ist natürlich er es, der den "Sumpf" in Washington austrocknet.

Genauso machte er es bei seinem mit Marschmusik pompös angekündigten Auftritt im Weißen Haus: Er warf den Demokraten vor, dass sie immer vorgehabt hätten, ihn vor Gericht zu besiegen. Tatsächlich waren es die Republikaner, die bis zuletzt versuchten, Stimmen durch Klagen zu unterdrücken. Und nur Momente, nachdem er den Vorwurf formuliert hatte, kündigte Trump an, vor den Supreme Court zu ziehen, um "das Wählen" zu beenden - er meinte wohl die Auszählung der Briefwahlstimmen.

Trump rechnet sich vermutlich gute Chancen aus, da es im Obersten Gerichtshof eine konservative Mehrheit gibt; drei der neun Richter hat er selbst ins Amt gebracht. Dass mindestens einer davon, Brett Kavanaugh, glaubt, der Bund dürfe sich ins Wahlrecht von Bundesstaaten einmischen, hat die Demokraten schon im Wahlkampf beunruhigt. Derzeit ist unvorstellbar, dass selbst diese Richter die Auszählung stoppen. Aber auch wenn es entsprechende Befürchtungen gab: Eigentlich war bis heute Morgen unvorstellbar, dass ein US-Präsident sich zum Sieger einer Wahl erklärt, die noch nicht ausgezählt wurde.

Auf Twitter hat Trump behauptet, dass die Demokraten versuchen, die Präsidentschaftswahl zu "stehlen". Das ist nicht nur eine weitere Lüge, sondern exakt das, was Trump gerade versucht. Das Horrorszenario, das eigentlich unvorstellbar schien, ist dabei, zur Realität zu werden. Trump stellt den Kern des demokratischen Systems der USA infrage. Dass er Millionen Amerikaner auf seiner Seite hat, ist dabei eine Katastrophe für sich. Der Stresstest, dem die US-Demokratie seit mittlerweile fast vier Jahren unterworfen wird, geht in eine neue, noch gefährlichere Phase.

*Datenschutz

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.