Sport

Zu wenig Akzeptanz fürs Skaten Bundestrainer wütend über "Kindergarten"

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Lilly Stoephasius erkämpfte sich bei den Olympischen Spielen in Tokio Platz neun.

(Foto: REUTERS)

Der Skateboard-Bundestrainer ist wütend. Jürgen Horrwarth bemängelt, dass trotz starker Leistungen seiner Athletinnen und Athleten bei Olympia ihr Sport nur "auf Kindergarten-Niveau präsentiert" würde. Vor allem die Infrastruktur in Deutschland sei beschämend schlecht für die Entwicklung der Talente.

Skateboard-Bundestrainer Jürgen Horrwarth schwelgt während seines Urlaubs an der Lissaboner Atlantikküste in unvergesslichen Olympia-Erinnerungen. "Wenn man mal überlegt, was Lilly und Tyler geleistet haben, ist das eigentlich unglaublich", sagt Horrwarth tief beeindruckt - doch die Zukunftsaussichten seiner Skater sind weniger rosig.

Obwohl seine Schützlinge, die 14-jährige Lilly Stoephasius und der 21-jährige Tyler Edtmayer, die Erwartungen in Tokio "bei Weitem übertroffen" haben, werden Skateboarder im Fernsehen immer noch "auf Kindergarten-Niveau präsentiert", sagt Horrwarth verärgert. Der Auftritt auf der olympischen Weltbühne droht ein Ausnahmefall zu bleiben.

"Das hat viel mit Akzeptanz, Öffentlichkeit und Mentalität zu tun", berichtet Horrwarth. Der mehrmalige Europameister weiß, wovon er spricht: "Genauso wie ich damals ein Ausnahmefall in Deutschland war, gibt es auch heute keinen deutschen Profi im Transition-Skaten. Ich weiß nicht, ob es jemals dazu kommt, auch wenn wir Lilly und Tyler haben."

"Als Athletin nicht ernst genommen"

Das "größte Problem" bei der Entwicklung von Top-Skatern sei die mangelhafte Infrastruktur. "Wir sind die dichtestbesiedelte Nation in Zentraleuropa und haben mit die schlechtesten Anlagen", bemängelt Horrwarth. In der deutschen Verwaltung laufen Skateparks immer noch unter der Kategorie Spielplätze, die Trainingsstätten hinken den internationalen Maßstäben meilenweit hinterher.

Auch öffentliche Auftritte sind für Horrwarth ein ständiges Ärgernis. "Da werden wir wie die Verrückten und Komischen dargestellt, die 'die Rampe runterdüsen'. Diese Terminologie ist lächerlich", sagt der 43-Jährige. Stoephasius, jüngste deutsche Teilnehmerin in Tokio, werde als "süßes Mädchen" dargestellt und "als Athletin nicht ernst genommen".

Doch er hat auch Hoffnung: Stoephasius habe mit Platz neun in Tokio und ihrer unbekümmerten Art eine Vorbildfunktion für junge Mädchen eingenommen und könne sich "noch ganz krass entwickeln". Gerade das Niveau in der Frauenszene sei in den vergangenen Jahren "explodiert", freut sich Horrwarth: "Skaten ist schon lange nicht mehr nur USA und Tony Hawk."

Staatliche Förderung für Talente

In Tokio triumphierte Japan in drei von vier olympischen Wettbewerben, für das Skateboard-Mutterland blieb nur zweimal Bronze übrig. In Paris 2024 sind Stoephasius und Co. wieder am Start, vier Jahre später in Los Angeles sowieso - danach gehört Skaten fest zu Olympia. Ein knappes Dutzend vielversprechender deutscher Talente profitiert bereits von der staatlichen Sportförderung. "Das ist ein Novum und etwas ganz Tolles", sagt Horrwarth. Er selbst war früher auf verschiedene Sponsoren angewiesen, "das war nicht ganz so einfach unter einen Hut zu bringen".

Als Bundestrainer steht Horrwarth seinen jungen Park-Fahrern in einem "ganz engen Vertrauensverhältnis" zur Seite, "selbst wenn es mal Liebeskummer ist". In Lissabon hat er mit dem 14-jährigen Keanu Schwedt ein weiteres potenzielles Top-Talent ausgemacht. Für die kommenden Jahre sieht er das deutsche Team gut aufgestellt: "Das ist eine tighte Crew, mit der man zu neuen Ufern aufbrechen kann."

Quelle: ntv.de, dbe/sid

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