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Lückenkemper schimpft auf Kamera Intime Startblock-Bilder werden geschwärzt

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Den WM-Auftakt hatte sich Sprinterin Gina Lückenkemper ganz anders vorgestellt.

(Foto: dpa)

Eine Startblock-Kamera soll bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Doha für besondere Bilder sorgen. Doch tatsächlich sorgt sie für Ärger. Der deutsche Leichtathletik-Verband legt Protest ein. Mit Erfolg. Zwar verschwindet die Kamera nicht, dafür gibt's einen Teilverzicht.

Eine Milliarde Menschen werden die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Doha verfolgen. Davon geht der Chef des Weltverbands, Sebastian Coe, aus. Nur eine Winzigkeit von ihnen wird die Wettbewerbe aber live im "Kühlschrank" Khalifa International Stadium verfolgen. An den Fernsehgeräten wird die große Masse der Zuschauer sitzen. In 150 Länder werden die zehntägigen Titelkämpfe übertragen. Und überall sollen die Menschen mit ganz besonderen Bildern belohnt werden. Unter anderem mit Bildern aus den Startblöcken. Von unten durch die Beine sollen die Gesichter der Athleten vor dem Start gezeigt werden.

Was man da sieht? Angespannte Gesichter (braucht man die wirklich?). Aber eben auch Initimitäten. "Ich finde diese Kameras nicht ganz so geil", sagte Deutschlands große Sprinthoffnung Gina Lückenkemper nach ihrem Vorlauf über 100 Meter. "War an der Entwicklung dieser Kamera eine Frau beteiligt? Ich glaube nicht. In den knappen Sachen über diese Kamera zu steigen, um in den Block zu gehen, finde ich sehr unangenehm. Also ich weiß nicht, ob ihr gerne von unten von einer Kamera gefilmt werden wollt." Auch ihre Kollegin Tatjana Pinto findet es "sehr fragwürdig, die Kamera da zu platzieren".

Der Deutsche Leichtathletik-Verband reichte dann auch Protest ein. Allerdings erst nach dem zweiten Auftritt ihrer Läuferinnen im Halbfinale - in dem beide deutlich scheiterten. "Wir waren wohl nicht die einzigen, die deshalb Protest eingelegt haben", sagte Lückenkemper. Daraufhin habe der Veranstalter "versichert, dass die Bilder in der Regie - während die Athleten in den Block gehen - geschwärzt werden." Erst danach würden die Aufnahmen wieder gezeigt. "Und nach 24 Stunden werden die Aufnahmen komplett gelöscht. So werden wir zwar in den Schritt gefilmt, aber es bekommt keiner zu sehen und die Bilder verschwinden vom Server. Darauf müssen wir an der Stelle vertrauen."

"Natürlich war das scheiße"

Weniger Vertrauen hatten die DLV-Läuferinnen in ihr einiges Können. "Natürlich war das scheiße, da kann man nichts anderes sagen. Ich wäre gerne viel schneller gerannt. Ich hatte irgendwie schmerzende Beine, dann sind 100 Meter verdammt lang", sagte Lückenkemper. Mit ihrer schwachen Zeit von 11,30 Sekunden wurde sie Achte und Letzte in ihrem Rennen, die Frische und Lockerheit ihrer beiden starken Vorjahre sind ihr völlig abhanden gekommen. "Ich habe gestern Abend Rückenprobleme bekommen, kann sein, dass die sich durchgezogen haben und es deshalb nicht funktioniert hat. Irgendwas stimmt nicht, jetzt müssen wir gucken, dass der Körper wieder vernünftig läuft", meinte Lückenkemper am Sonntagabend.

Medaillenchance in der Staffel

Gina Lückenkemper ist trotz der mäßigen Präsentation im Einzel optimistisch, dass mit der 4 x 100 Meter-Staffel ein Medaillengewinn möglich ist. "Nur wenn es im Einzel nicht geklappt hat, heißt das nicht, dass es mit der Staffel nicht klappt", sagte sie. Die Sprint-Staffeln der Frauen beginnen den Medaillenkampf am Freitag, das Finale wird am Samstag ausgetragen. "Die Zeit von 41,67 Sekunden, die wir beim Istaf in Berlin gelaufen sind, die sind wir nicht ohne Grund gelaufen", betonte Lückenkemper. "Wir können laufen, das haben wir schon unter Beweis gestellt." Bei der Heim-EM 2018 in Berlin war das deutsche Quartett auf den Bronzerang gerannt.

Die Deutsche Meisterin Tatjana Pinto lief in ihrem Halbfinale gerade einmal eine Hundertstel schneller, als Fünfte mit 11,29 war damit ebenfalls Endstation. "Als ich mich aufgerichtet habe, konnte ich meine Beine irgendwie nicht spüren. Das war total komisch. Ich bin ein bisschen enttäuscht", sagte die 27-Jährige: "So schnell sind ein paar Zehntel drauf, wenn man nicht locker bleibt." Der Einzug ins Finale der besten Acht, der als letzter Deutschen Melanie Paschke 1997 in Athen (Platz sechs) gelungen war, wäre sowohl für Pinto als auch für Lückenkemper in Bestform durchaus machbar gewesen: 11,10 Sekunden reichten in Doha für den Sprung in den elitären Kreis, Lückenkemper (10,95) und Pinto (11,00) sind in ihrer Karriere schon deutlich schneller gelaufen.

In 10,71 Sekunden gewann die Jamaikanerin Shelly-Ann Fraser-Pryce Gold. Sie schaffte als erste Läuferin den Viererpack über eine Strecke. Zudem wurde die 32-Jährige zur ältesten 100-m-Weltmeisterin. Silber sicherte sich die britische Europameisterin Dina Asher-Smith mit Landesrekord von 10,83 Silber. Bronze ging an die Ivorerin Marie-Josee Ta Lou (10,90).

Quelle: ntv.de, tno

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