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Kumpel Harting macht die Wäsche Vetters gewiefter Trick für Speerwurf-Rekord

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Bei jedem Wurf zerreißt es Vetter fast.

(Foto: imago images/VIADATA)

Speerwerfer Johannes Vetter ist der Mann dieser Leichtathletik-Saison. Ein Beinahe-Weltrekord und weitere Ausnahmeleistungen schüren Hoffnungen auf einen großen letzten Wurf. Sein weibliches Pendant ist Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo. Beide dürfen nun in Berlin vor Publikum antreten.

Johannes Vetter lässt für eine erneute Topweite nichts unversucht. Der Speerwerfer der Stunde hat sich für seinen Auftritt am Sonntag beim Istaf prominente Unterstützung geholt. "Ich war gestern mit Robert Harting unterwegs", erzählte Vetter über ein Treffen mit dem Diskus-Olympiasieger: "Er durfte meine Wäsche waschen. Wenn ich Sonntag weit werfe, dann, weil ich nach Harting rieche."

Der Besuch bei Kumpel Harting tat gut, waren die letzten Tage nach dem sensationellen Wurf vom letzten Wochenende doch sehr strapaziös. "Es waren anstrengende Tage. Ich hatte wenig Schlaf", verriet der Weltmeister von 2017, der mit seinem Wurf im polnischen Chorzow über 97,76 Meter die Leichtathletik-Welt in Staunen versetzt hatte. Zwei Tage später ließ er in Dessau mit 86,17 Meter die nächste Weltklasseleistung folgen.

Dass er beim Istaf am Sonntag (17.35 Uhr/ARD) wieder einen raushaut, will Vetter selbst nicht so recht glauben. "Ich habe ja schon in den letzten Tagen versucht, die Erwartungen zu dämpfen. So einen 97-Meter-Wurf schafft man nicht dreimal pro Woche. Das ist ein bisschen wie ein Sechser im Lotto", meinte der 27-Jährige, der aktuell in der Form seines Lebens ist.

Sieben Meter für die Überfliegerin?

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Ähnlich ergeht es Überfliegerin Mihambo. Nach ihrem weiten Satz am Dienstag in Dessau zur neuer Weltjahresbestleistung von 7,03 Meter erwarten alle von ihr am Sonntag einen ähnlichen Coup. "Ich weiß, dass ich gut drauf bin", sagte die 26-Jährige in Berlin: "Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn ich es im Berliner Olympiastadion wieder hinbekomme, aber ich würde nicht darauf setzen."

Aufhorchen ließ Mihambo auch mit der Veränderung ihres Anlaufs. 16 statt sonst 20 Schritte nimmt die Athletin der LG Kurpfalz in dieser Corona-Saison, viele hatten Sprünge über sieben Meter damit nicht für möglich gehalten. Doch in Dessau steigerte die Weltmeisterin die alte Höchstmarke der Belarussin Nastassja Mironschik-Iwanowa vom August trotzdem um zehn Zentimeter. "Bei diesem Sprung hat einfach alles gestimmt", sagte Mihambo.

Natürlich wünschen sich auch die Veranstalter des 99. Istaf einen weiten Sprung von der Weltmeisterin, doch alle sind zunächst mal heilfroh, dass das Meeting überhaupt stattfinden kann. 3500 statt wie üblich 45.000 Zuschauer finden unter Einhaltung der Hygienevorschriften und der Abstandsregeln am Sonntag im Berliner Olympiastadion Platz. "Für alle Sportler ist es grandios, dass wir hier sein können. Es ist ein Geschenk und ein großes Signal, was mit solchen Wettkämpfen möglich ist", sagte Vetter. Auch Meeting-Direktor Martin Seeber ist erleichtert, dass das Istaf stattfinden kann. "Es rechnet sich für viele", sagte Seeber. Für die Sportler, die eine Bühne erhalten und sich präsentieren können, und auch für die Werbe- und Medienpartner.

Umso enttäuschter war Sprinterin Gina Lückenkemper, die wegen eines Infekts nicht antreten kann. "Das wurmt mich echt, denn das Istaf ist jedes Jahr ein Saisonhighlight für mich, zumal ich ja für den SCC und damit für einen Berliner Verein starte", sagte die Vize-Europameisterin über 100 Meter. Auch Läuferin Konstanze Klosterhalfen muss weiterhin passen. Wegen einer "Überlastungsreaktion im Beckenbereich" hat sie in dieser Saison noch keine Rennen bestritten. Um ihren Gesundheitszustand herrscht Rätselraten.

Quelle: ntv.de, Nikolaj Stobbe und Florian Krebl, sid