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Der dunkle Schatten der WM-Affäre Wo gingen all die Millionen hin?

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Gegen sie ermittelt die Schweizer Staatsanwaltschaft unter anderem wegen Betrugs: (v.l.n.r.) Vizepräsident Horst R. Schmidt, Vizepräsident Theo Zwanziger, Präsident Franz Beckenbauer und Vizepräsident Wolfgang Niersbach.

(Foto: dpa)

Die Fußball-WM 2006 ist vielen als Sommermärchen in Erinnerung geblieben. Doch die Vergabe-Affäre legt einen dunklen Schatten über das Ereignis. Auch ein Jahr nach Bekanntwerden des Skandals sind viele Fragen noch immer nicht geklärt.

Im Juli 2015 stilisierte sich Wolfgang Niersbach im Zeichen der Krise beim Weltverband Fifa noch als moralische Fußball-Instanz. Der damalige DFB-Präsident war aber schon mit der Aufarbeitung eines Skandals im eigenen Hause beschäftigt - damals noch im stillen Kämmerlein. Publik wurden die finanziellen Ungereimtheiten rund um die deutsche Bewerbung für die WM 2006 mit der Veröffentlichung eines Berichts im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" im Oktober 2015. Ein Jahr später dauert die Aufarbeitung an.

6,7 Millionen: Wo endeten die Geldflüsse von Kitzbühel nach Katar?

Es ist die entscheidenden Frage des WM-Skandals. Warum mussten die deutschen Organisatoren umgerechnet 6,7 Millionen Euro an eine Firma in Katar überweisen, auf ein Konto des Skandalfunktionärs Mohammed bin Hammam. Der Freshfields-Bericht des DFB machte im März klar, wie die Geldflüsse liefen - über ein Konto von Franz Beckenbauer in die Schweiz und von dort an den Golf. Der Kaiser bekam das Geld zurück durch einen Kredit des ehemaligen Adidas-Chefs Robert Louis Dreyfus, der das Geld dann wieder haben wollte, weshalb die Legende von einer Vorschusszahlung durch die Fifa für eine WM-Gala gestrickt wurde. Bin Hammam schweigt. Zwei Varianten gelten als möglich. Mit den Millionen wurden asiatische Fifa-Wahlmänner nachträglich bezahlt. Aus DFB-Kreisen verlautet, dass es wahrscheinlicher sei, dass damit schwarze Wahlkampfkassen für Fifa-Chef Joseph Blatter gefüllt worden seien. Der Schweizer dementiert heftig.

Viele Erinnerungslücken: Was wussten Niersbach und Zwanziger wann?

Es gehört zur Eigendynamik eines jeden Skandals, dass sich die Protagonisten immer nur an die Verfehlungen erinnern können, die ihnen gerade bewiesen wurden. Auch die Sommermärchenmacher haben zehn Jahre nach dem Turnier große Erinnerungslücken, wenn es um ihr Handeln im Vorlauf der WM geht. Niersbach beharrt darauf, erst im Sommer 2015 Kenntnisse von den dubiosen Geldflüssen gehabt zu haben. Eine handschriftliche Notiz auf einem Schriftstück aus dem Jahr 2004 liefert ein starkes Indiz, dass dies nicht stimmt. Ehemalige Kollegen wie Theo Zwanziger behaupten, dass Niersbach sehr wohl zum Mitwisserkreis gehörte. Doch auch der frühere DFB-Präsident Zwanziger und ehemalige OK-Finanzchef musste einen Zeitpunkt über die Abwicklung der Rückzahlung des Kredits revidieren. Jahreszahlen zwischen 2000 und 2005 verschwimmen in den Funktionärserinnerungen.

Oddset-Millionen für den Kaiser: Hatte Beckenbauer ein Ehrenamt?

"Selbstverständlich mache ich das ehrenamtlich." Dieser Satz von Franz Beckenbauer aus den WM-Zeiten klingt im Lichte der jüngsten Erkenntnisse hohl. Wieder wird durch Medienberichte publik, dass der Kaiser sehr wohl entlohnt wurde für seinen enormen Einsatz für die Heim-WM - und zwar fürstlich. 5,5 Millionen Euro aus dem Topf von Sponsor Oddset kassierte er via DFB und WM-OK. Der Geldfluss macht die Argumentation aus dem Beckenbauer-Lager schwierig, dass es sich um eine Entlohnung für ohnehin vereinbarte Werbeauftritte für Oddset gehandelt habe.

Warum wurde dann nicht direkt von der Lotteriegesellschaft überwiesen? Zudem wirft es Fragen auf, warum der DFB die anfallenden Steuern erst 2010 bezahlte. Die bittere Ironie: Geheimniskrämerei wäre gar nicht nötig gewesen. Im WM-Taumel hätte es gegen Millionenzahlung an den Kaiser wohl kaum Protest gegeben.

Die Justiz: Wo wird gegen wen ermittelt?

Moralisch scheinen die Urteile gefällt. Die deutschen Funktionäre bewegten sich in ihren Bemühungen um die Heim-WM in der schwierigen Grauzone der damaligen Fußball-Kultur - juristische Verfehlungen möglicherweise inklusive. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen Steuerhinterziehung gegen Niersbach, Zwanziger, und Horst R. Schmidt, einen weiteren OK-Vize. Hintergrund ist die möglicherweise falsche Deklarierung in der DFB-Steuererklärung von 2006, in der die Rückzahlung der 6,7 Millionen Euro als Aufwand benannt wurde, den es aber objektiv so nicht gegeben hatte.

Die Schweizer Staatsanwaltschaft in Bern ermittelt unter anderem wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs gegen Beckenbauer, Niersbach, Zwanziger und Schmidt. Alle Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe. In der Sportjustiz laufen Ermittlungen gegen Beckenbauer, Schmidt, Zwanziger und den ehemalige DFB-Vize-Generalsekretär Stefan Hans durch die Fifa-Ethikkommission. Niersbach wurde wegen seiner mangelhaften Kooperation bei der Aufklärung für ein Jahr von allen Ämtern suspendiert und hat dagegen Berufung eingelegt. Der frühere DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock wurde zu einer Geldstrafe von 50.000 Schweizer Franken verurteilt.

Quelle: n-tv.de, Arne Richter und Florian Lütticke, dpa

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