Bittere Frage steht im Raum

Deutschland leidet nach "Scheiß-Spiel" zum Auftakt der Heim-WM

imageVon Julian Cantzler, Berlin
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Leonie Fiebich (rechts) kämpft gegen Paula Ginzo (links) um jeden Punkt. (Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto)
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05.09.2026 | 05:45 Uhr
Viel Zeit zum Grübeln bleibt Deutschlands Basketballerinnen nach der Auftaktklatsche nicht. Mit Japan wartet bereits die nächste schwere Aufgabe. Die Mannschaft muss zeigen, dass sie körperlich und mental bereit ist für die Heim-WM.

Nach der herben 53:83-Klatsche gegen Spanien zum Auftakt der Heim-WM schaltete sofort Leonie Fiebich in den WNBA-Modus. Klar in der Analyse, enttäuscht über die Leistung, aber keine Zeit, um lange zu hadern. "Wir dürfen uns nicht erlauben, jetzt so enttäuscht zu sein. Ab in die Eistonne und voller Fokus auf morgen", sagte die 26-Jährige, die in den USA für New York Liberty spielt. In der WNBA folgt das nächste Spiel oft schon nach ein oder zwei Tagen. Bei dieser WM ist es ähnlich. Gegen Japan bekommen Deutschlands Basketballerinnen bereits heute Abend die Chance zur Wiedergutmachung (18 Uhr/MagentaSport).

Trotzdem musste auch Fiebich eingestehen, dass es am Freitagabend vor 12.500 Fans einfach viel zu wenig vom eigenen Team war. Besonders die erste Halbzeit wurmte sie. "Wir haben gar nichts getroffen", sagte die Nationalspielerin. Deutschland verwandelte vor der Pause nur zwei seiner 13 Dreierversuche, eine Quote von rund 15 Prozent. Auch über die gesamte Partie blieb die Dreierquote mit knapp 17 Prozent viel zu niedrig. 

In der Offensive agierte die deutsche Mannschaft oft zu langsam und fand kaum freie Würfe. Defensiv kam sie gegen das Tempo und die Genauigkeit der Spanierinnen zu spät. Bereits zur Pause lag Deutschland mit 24:50 zurück: Ein Rückstand, der jede realistische Hoffnung auf eine Aufholjagd nahezu erstickte. Nyara Sabally fasste die Enttäuschung in einfache Worte: "Es war ein Scheiß-Spiel."

Bundeskanzler vor Ort

Daran konnten auch Bundeskanzler Friedrich Merz und die lautstarke Unterstützung in der Halle nichts mehr ändern. Die deutschen Fans hatten bereits vor dem Spiel mit einer Choreografie für WM-Atmosphäre gesorgt. "Deutschland. Ihr. Wir. Ein Team." stand auf einem Banner in der Kurve. Auch während des Spiels waren die Fans in allen vier Vierteln jederzeit mit dabei. Jeder deutsche Korb wurde gefeiert, gelungene Defensivaktionen wurden lautstark bejubelt. Die Kulisse zeigte, welches Interesse und welche Stimmung dieses Turnier in den nächsten neun Tagen erzeugen kann, auch wenn der Auftakt misslungen war. 

Auch wenn die Vorbereitung auf die WM ordentlich geruckelt hatte, so standen die Vorzeichen vor dem Spiel eigentlich nicht so schlecht. Bundestrainer Olaf Lange hatte nach den drei Niederlagen in den Testspielen von wichtigen Erkenntnissen gesprochen. Auch die späte Ankunft der drei WNBA-Spielerinnen Leonie Fiebich, Nyara Sabally und Frieda Bühner stimmte ihn zusätzlich positiv. Doch gegen Spanien wurde sichtbar, wie wenig eingespielt das Team noch ist. 

"Das braucht einfach Zeit"

"Man merkt einfach, dass wir in dieser Konstellation noch nicht auf dem Feld standen. Das braucht einfach Zeit", sagte Fiebich. Auch Lange betonte, dass das deutsche Spielsystem neu sei und die Mannschaft noch wachsen müsse. Ein nachvollziehbares Argument, das allerdings nur begrenzt trägt: Auch Spanien musste größtenteils in der Vorbereitung auf seine fünf WNBA-Spielerinnen verzichten. "Der Anfang war sehr, sehr schwierig. Spanien hat jeden Wurf getroffen", sagte Lange bei MagentaTV: "Wir waren nicht in der Lage, da kurzfristig drauf zu reagieren." Sein Team habe "nie wirklich in den Rhythmus gefunden, nie Lösungen gefunden.

Damit stellt sich die entscheidende Frage: Kann Deutschland bei dieser WM noch sein bestes Niveau erreichen? Vor dem Turnier hatten vor allem die Absage von Star-Spielerin Satou Sabally sowie die Verletzungen von Nyara Sabally und Fiebich die Diskussionen geprägt. 

Wie fit sind die Leistungsträgerinnen?

Fiebich hatte vor der WM immerhin noch zwei Partien für New York Liberty in der WNBA bestreiten können. Nyara Sabally reiste dagegen angeschlagen zur Nationalmannschaft. Bis Mittwoch, als Trainer Olaf Lange den endgültigen Kader melden musste, war offen, ob sie überhaupt einsatzfähig sein könnte. Gegen Spanien war ihr die fehlende Spielpraxis voll anzumerken. Insgesamt traf sie nur drei ihrer 14 Würfe aus dem Feld. Für eine Spielerin ihres Formats viel zu wenig. In der WNBA erzielte Sabally zuletzt im Schnitt 12,3 Punkte pro Spiel. 

Ob sie auch im zweiten Gruppenspiel dabei ist, ließ Lange am späten Freitagabend noch offen. "Es kann sein, dass sie gegen Japan nicht spielen wird und dann erst wieder gegen Mali. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir sie im weiteren Turnierverlauf regelmäßiger sehen werden."

Auch Frieda Bühner war bei ihrem ersten Auftritt in Berlin noch nicht voll auf der Höhe. Nach zwei persönlichen Fouls im ersten Viertel nahm Lange die Spielerin von Portland Fire früh vom Feld. Am Ende traf Bühner zwei ihrer sechs Würfe. Einzelne starke Aktionen waren zwar zu sehen, doch Deutschland fand nie zu der Konstanz, die gegen einen Gegner wie Spanien nötig gewesen wäre. Kapitänin Marie Gülich war entsprechend ernüchtert: "Das war nicht schnell genug, das war nicht aggressiv genug. Ich kann nicht positiv sein."

Die Deutschen mussten sich nahezu jeden Punkt hart erarbeiten. Spanien spielte dagegen mit hoher Geschwindigkeit, großer Sicherheit und hatte auf deutsche Punkte fast immer eine Antwort. "Spanien war in allen Bereichen besser", musste sich auch Lange nach der Partie eingestehen.

Platz zwei ist das Ziel

Gegen den zweiten Gruppengegner Japan erwartet der Bundestrainer ein anderes Spiel. Deutschland müsse die Größenvorteile ausspielen und die eigenen Spielerinnen häufiger in gute Situationen bringen, erklärte Lange. Das Ziel für die beiden verbleibenden Gruppenspiele ist für den Bundestrainer klar: "Jetzt müssen wir uns auf Japan konzentrieren und versuchen, Zweiter in der Gruppe zu werden."  

Die Qualität, um Japan zu schlagen, hat Deutschland. Beim letzten Duell der beiden Mannschaften bei den Olympischen Spielen 2024 gewann die deutsche Auswahl mit 75:64. Aber es ist eben auch so: Gegen die Asiatinnen, die zum Auftakt 102:97 gegen Mali gewannen und mit 20 verwandelten Dreipunktwürfen einen WM-Rekord aufstellten, wird sich die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes deutlich steigern müssen

Verwendete Quelle: ntv.de