Startet die Hamilton-Erfolgsgeschichte?
Der Rekordweltmeister feiert seinen ersten Sieg im Ferrari, das war eigentlich schon genug für eine gute Geschichte - so richtig rund wurde sie aber durch diese Verbindung in die Vergangenheit. Genau 30 Jahre zuvor hatte Michael Schumacher, der andere Rekordweltmeister, seinen ersten Sieg im Ferrari gefeiert, ebenfalls in Barcelona. "Als Kind habe ich 1996 gesehen, wie Michael Schumacher hier für Ferrari gewonnen hat. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich das rote Auto beobachtet und mich gefragt habe, wie es wohl wäre, selbst in diesem Wagen zu siegen. Wie es wäre, auf diesem Podium zu stehen und dem Team den Moment zu schenken, in dem die Nationalhymne erklingt", sagt Hamilton emotional.
Damals folgte eine große Erfolgsgeschichte. Und wie wird es für Hamilton weitergehen? Es sei zumindest "der erste Schritt in unserer Geschichte", sagte der Engländer, und in der könnte es durchaus auch um den WM-Titel gehen. Das Auto ist in diesem Jahr Schritt für Schritt besser geworden, und viel wichtiger: Hamilton fühlt sich wohl darin. Und was das jetzt bedeuten kann, weiß man bei der Konkurrenz. "Wenn er Blut riecht, dann legt er los", sagte Toto Wolff, bei Mercedes einst Hamiltons Chef.
Mercedes kämpft mit sich selbst
Und letztlich reichte dieses eine Wochenende, um die Silberpfeile zu verwandeln. Sie waren drei Monate lang einsame Titelfavoriten, nun wirken sie plötzlich angreifbar. Zum einen tut sich das Thema Zuverlässigkeit auf: Zweimal in kurzer Zeit konnten Russell und Antonelli nun ein Rennen nicht beenden, ein solches "DNF" hatte Hamilton in diesem Jahr noch nicht. "Das darf nicht passieren, wenn du um eine WM fährst", sagte Wolff über die Ausfälle. Und zum anderen zeigte Barcelona exemplarisch, welches Problem sich für Mercedes auch ergibt. Im Moment kämpfen beide Piloten um den Titel, auch gegeneinander, am Sonntag kostete sie dieses interne Duell Zeit im Mehrkampf mit Hamilton.
Russell findet kein Mittel gegen eigenen Teamkollegen
Auch ein Blick auf den Engländer George Russell lohnt. Auf den ersten Blick ist er ein Gewinner des Sonntags - Antonelli fiel aus, Russell machte 18 Punkte auf den WM-Spitzenreiter gut. Doch moralisch hat ihn dieses Rennen wohl nicht weitergebracht. Russell startete von der Pole-Position, doch er war dann der langsamere Mercedes, bremste Antonelli aus und musste ihn irgendwann doch ziehen lassen. Eigentlich sollte dieses Wochenende ein Neubeginn werden, stattdessen deutet einiges darauf hin, dass er weiterhin kein Mittel gegen den Teenager im anderen Mercedes gefunden hat.
Hülkenberg verflucht?
Vielleicht ist es ja wirklich ein Fluch. Vergangenes Wochenende verpasste Hülkenberg seine ersten Punkte im Audi aufgrund einer nach dem Rennen wirksamen Strafe. In Barcelona fuhr er nun wieder in den Top zehn - dann wirbelte ein Vordermann etwas Kies auf, und dieser Kies traf an Hülkenbergs Auto ausgerechnet einen eigentlich gut geschützten Not-Aus-Schalter. Der Audi rollte in die Box und war aus dem Rennen. "Das ist mir in den 16 Jahren, in denen ich in der Formel 1 bin, noch nicht passiert", sagte der Deutsche.
Alonso schiebt Frust beim wohl letzten Heimrennen
Der Spanier hatte bei seinem wohl letzten Heimrennen in Barcelona so eine Vorahnung. "Ich bleibe hier und schaue das Rennen", sagte er auf der Fahrerparade bei den Fans: "Das ist besser als im Auto." Dieses Auto, sein Aston Martin, gab später dann mal wieder den Geist auf, Alonso kam nicht ins Ziel. Hatte aber immerhin großen Einfluss auf das Rennen: Sein Ausfall sorgte für das Virtual Safety Car, welches Hamilton den Sieg deutlich einfacher machte.





