Fußball-EM

Erstmals Pleite beim EM-Auftakt Hummels stolpert DFB-Elf ins Unglück

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss zum Auftakt der EM gegen den Weltmeister ran und verliert. Weil Frankreich sehr stark spielt - und weil Rückkehrer Mats Hummels früh trifft. Ins eigene Tor. Für den DFB gibt es damit erstmals eine Niederlage bei einem EM-Auftakt.

Gut mitgehalten, aber zu harmlos und ungeschickt: Durch ein Eigentor von Unglücksrabe Mats Hummels ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit der ersten Auftaktniederlage bei einer EM-Endrunde ins letzte Turnier unter Bundestrainer Joachim Löw gestartet. Drei Jahre nach dem Desaster bei der WM in Russland droht nach einem 0:1 (0:1) gegen einen abgezockten Weltmeister Frankreich der nächste sportliche Tiefschlag. "Ein unglückliches Tor hat das Spiel entschieden", sagte Toni Kroos.

Während Frankreichs Trainer Didier Deschamps die Partie als "Zweikampf der Titanen" bezeichnete, sagte Löw: "Es war ein brutal intensives Spiel. Wir haben alles in die Waagschale geworfen und gefightet bis zum Schluss. Ich kann der Mannschaft kämpferisch keinen Vorwurf machen." Er wusste aber auch, was mitentscheidend war: "Was uns vielleicht gefehlt hat, war die Durchschlagskraft im letzten Drittel."

Frankreich - Deutschland 1:0 (1:0)

Frankreich: Lloris/Tottenham (34 Jahre/126 Länderspiele) - Pavard/FC Bayern (25/36), Varane/Real Madrid (28/76), Kimpembe/Paris St. Germain (25/18), Hernandez/FC Bayern (25/27) - Pogba/Manchester United (28/81), Kante/Chelsea (30/47), Rabiot/Juventus Turin (26/16) ab 90.+4 Dembélé/FC Barcelona (24/25) - Benzema/Real Madrid (33/84) ab 88. Tolisso/FC Bayern (26/26), Griezmann/FC Barcelona (30/92), Mbappé/Paris St. Germain (22/45); Trainer: Deschamps
Deutschland: Neuer/FC Bayern (35/101) - Ginter/Mönchengladbach (27/41) ab 87. Can/Dortmund (27/35), Hummels/Dortmund (32/73), Rüdiger/Chelsea (28/42) - Kimmich/FC Bayern (26/56), Gündoğan/Manchester City (30/47), Kroos/Real Madrid (31/103), Gosens/Bergamo (26/8) ab 88. Volland/Monaco (28/11) - Havertz/Chelsea (22/15) ab 74. Sane/FC Bayern (25/31), Müller/FC Bayern (31/103), Gnabry/FC Bayern (25/23) ab 74. Werner/Chelsea (25/40); Trainer: Löw
Schiedsrichter: Carlos del Cerro Grande (Spanien)
Tor: 1:0 Hummels (20., Eigentor)
Zuschauer: 14.000 (in München)
Gelbe Karte: - Kimmich

Die DFB-Auswahl spielte engagiert, viele Dinge klappten gut, ein wirklich strukturiertes Offensivspiel gehörte jedoch bis auf eine vielversprechende Drangphase in der zweiten Halbzeit nicht dazu, trotz der Bemühungen von Rückkehrer Thomas Müller. "Wenn Du das erste Spiel verlierst, stehst du unter Druck", so Kroos im ZDF, betonte aber, Deutschland habe ein "gutes Spiel" gemacht: "Was uns gefehlt hat, ist ein Tor." Joshua Kimmich sagte: "Ich denke, wir waren nicht die schlechtere Mannschaft. Ein Punkt wäre verdient gewesen. Wir haben das Niveau, um mit den Topteams mitzuhalten." Er richtete den Blick bereits auf das zweite Gruppenspiel am Samstag (18 Uhr/ARD und MagentaTV sowie im ntv.de-Liveticker): "Gegen Portugal müssen wir gewinnen." Der Europameister besiegte Gruppen-Außenseiter Ungarn deutlich mit 3:0.

Vor den Augen des zukünftigen Bundestrainers Hansi Flick geriet Deutschland selbstverschuldet in Rückstand (20.). Dem unglücklichen Hummels unterlief das zweite deutsche Eigentor bei einem großen Turnier. Bei der WM 2014 war der Verteidiger mit seinem Siegtreffer im Viertelfinale gegen Frankreich (1:0) noch der große Held gewesen.

Zwei Treffer aus dem Abseits

Nun wechselten sich Licht und Schatten ab beim Rückkehrer, der hilflos zusehen musste, als Adrien Rabiot nur den Pfosten traf (52.). Dafür verhinderte er mit einer großartigen Grätsche ein Tor durch Kylian Mbappé (77.), dem gleich zwei Treffer wegen Abseits aberkannt wurden.

Nach dem Gegentreffer war die DFB-Elf gegen pragmatisch abwartende Franzosen optisch sogar überlegen, Chancen zum Ausgleich boten sich ihr jedoch nur spärlich. Die beste besaß zunächst Serge Gnabry (54.), dessen Schuss aus kurzer Distanz aber über das Tor flog. Müller hatte zuvor eine Kopfballchance (22.), rieb sich ansonsten aber auf. Champions-League-Held Kai Havertz, der den Vorzug vor Leroy Sané erhalten hatte, war gegen die robusten Franzosen meist überfordert.

Das deutsche Lager hatte in den vergangenen Tagen eine Fassade aus purem Selbstvertrauen hochgezogen. Gelassen und extrem fokussiert - das war die eindeutige Botschaft an die Franzosen, die sich besser gute Schienbeinschoner anziehen sollten: "Wir müssen eklig sein. Nicht immer nur lieb, lieb, lieb", forderte Antonio Rüdiger für den Umgang mit dem Weltsturm aus Mbappé, Antoine Griezmann und Karim Benzema.

Aufregung vor dem Anpfiff

Kurz vor dem Anpfiff landete noch ein Gleitschirmflieger mit einem Motor auf dem Rücken auf dem Spielfeld - wenig später war dann zunächst Joshua Kimmich ein bisschen zu eklig zu Klubkollege Lucas Hernandez und sah dafür Gelb (7.). Und dann, nach einer Viertelstunde, hatten sich die Franzosen warmgespielt. Vor allem die Anspiele auf Mbappé kamen nun präziser. Prompt prüfte der Angreifer erstmals Manuel Neuer (17.).

Drei Minuten später waren all die guten defensiven Vorsätze nur noch Makulatur: Kimmich verschätze sich bei einem weiten Ball von Paul Pogba auf den aufgerückten Hernandez - dessen Hereingabe beförderte Hummels mit dem rechten Schienbein unhaltbar für Neuer ins eigene Tor. Als bisher einzigem Deutschen bei einem großen Turnier war ein solches Malheur bei der WM 1978 in Argentinien Berti Vogts unterlaufen: beim 2:3 gegen Österreich.

Offensiv mangelt es an Durchschlagskraft

Den Franzosen spielte dies in die Karten, nun konnten sie spielen, wie sie Weltmeister geworden waren: warten auf Ballverluste, dann schnelles Umschalten. Sie taten dies mit dem Selbstvertrauen, das die Deutschen sich einzureden versucht hatten. Allerdings: Die DFB-Elf hielt gut dagegen, verdichtete das Zentrum, war giftig in den Zweikämpfen - nur: Nach vorne ging wenig bis nichts, es fehlten Ideen und Durchschlagskraft.

Mangelnden Einsatz und Willen musste sich die deutsche Mannschaft, in der Toni Kroos und İlkay Gündoğan als Doppel-Sechs durchaus zu gefallen wussten, in der Tat wahrlich nicht vorwerfen lassen. Sie hatte viel mehr Ballbesitz, mehr Abschlüsse, mehr angekommene Pässe und eine höhere Laufleistung. Heraus kam dabei: nichts - auch nicht in einer starken Phase nach der 55. Minute, als Frankreich tatsächlich ein wenig wackelte.

Quelle: ntv.de, ara/sid

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