Nicht nur Neuer ein Thema

Hier liegen die WM-Baustellen des DFB-Teams

us-passbildVon Sebastian Schneider, New York
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Julian Nagelsmann muss ein wenig grübeln. (Foto: picture alliance/dpa)
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27.06.2026 | 06:10 Uhr

Die gute Nachricht für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft: Herzlich willkommen in der K.o.-Runde einer Fußball-Weltmeisterschaft. Erstmals seit dem WM-Finale 2014 verschwindet der DFB-Zug nicht im Depot, wenn es entscheidend wird, sondern rollt auf den Schienen, die Richtung Finale führen.

Nur: Diesmal war der Weg dorthin vor allem auf den letzten Metern ruckeliger als gedacht. Das 1:2 im Gruppenfinale gegen Ecuador schürt einen Verdacht: Möglicherweise hat der DFB-Zug doch eine Bremse. Wo vor der Runde der letzten 32 noch Potenzial für einen abrupten Nothalt steckt - ein schneller Blick auf die Problem-Waggons.

Das Tor

Was wäre ein Turnier ohne eine richtige Torwartdebatte? Bundestrainer Julian Nagelsmann warf vor der WM seine bestehende Hierarchie radikal um, um Manuel Neuer zurück zwischen die DFB-Pfosten zu holen. Immerhin: Neben dem Platz ist er ganz der Alte: War das Gegentor zum 1:2 gegen Ecuador etwa seine Schuld? Die Antwort: ein trockenes "Ne."

Aber ist er das auch noch auf dem Platz? Darüber debattieren nun Tiktok-Streams, Instagram-Reels und vermutlich ebenso der Rest Fußballdeutschlands. Neuers Erklärung ist klar: Der Ball wurde vor seiner Nase abgefälscht, sieht halt doof aus, ist aber so. Andere fragen sich derweil, ob man mit 40 Jahren möglicherweise doch gealtert ist?

Neuer und vor allem Nagelsmann hoffen deshalb auf diesen einen "Winner"-Moment. Das eine Spiel, in dem der ehemalige Welttorwart wieder unüberwindbar wirkt. Bisher flogen ihm (ob haltbar oder nicht) vor allem die Bälle um die Ohren. Vier Gegentreffer in drei Partien sind bis jetzt keine gute Statistik.

Die Debatten hätte Nagelsmann eigentlich mitdenken müssen, nachdem er Oliver Baumann unsanft zurückgestuft hatte. Wer jemanden wegen dessen Aura reaktiviert, sollte wissen, dass auch Aura erwartet wird. Noch hat Neuer mindestens ein Spiel, um das zu beweisen.

Neuer greift daneben, dann schlägt es ein

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Wo ist "Wusiala"?

Kommt diese Weltmeisterschaft möglicherweise einen Tick zu früh für Jamal Musiala? Die Frage drängt sich etwas auf. An Einsatzwillen mangelt es dem 23-Jährigen wirklich nicht. Auch in New Jersey warf er sich wieder in zahlreiche Eins-gegen-Eins-Situationen, gleich fünfmal wurde er gefoult. Möglicherweise auch öfter, als es die Statistik ausweist.

Nach seiner langen Verletzung ist Musiala physischer geworden - hakelte hier und da auch gegen Ecuador einige Bälle zurück. Trotz seiner noch fehlenden Prozentpunkte kann er zum Unterschiedsspieler werden, das ist klar. Doch Leichtigkeit ist nicht etwas, was man erzwingen kann. Nagelsmann sagte, es müsse kein Knoten platzen, weitere Spielzeit und Rhythmus seien geboten.

Und ein bisschen ähnlich geht es seinem anderen Ausnahmespieler. Auch Florian Wirtz kann man den Einsatz nicht absprechen. Nagelsmann verwies darauf, dass Wirtz immer wieder geniale Momente habe, die aber nicht im Spielbericht auftauchten. Gegen Ecuador war es so, dass immer dann, wenn es entscheidend wurde, er doch den einen Schritt zu viel macht oder zu sehr verzögert. Die DFB-Elf ist auf "Wusiala" angewiesen. Noch ist das ein Problem.

Es ruckelt im Zentrum

Es ist ambivalent: Mit jedem Spiel bekommen Aleksandar Pavlović und Felix Nmecha mehr gemeinsame Spielzeit. Vor dem Turnier hatten sie nicht allzu viel davon. Doch von Spiel zu Spiel deutet sich immer weiter an, dass das Duo seine Probleme vor allem dann hat, wenn es physisch anstrengend wird. Ein Problem: Weil im Sechzehntelfinale gegen Paraguay die nächste körperlich starke Mannschaft aus Südamerika wartet.

Besonders Pavlovic hatte gegen Ecuador dann doch arg damit zu kämpfen, weil ihm immer wieder jemand auf die Füße trat. Seine Pässe wurden ungenauer, er lag auch einfach häufig gefoult auf dem Boden. Vielleicht wissend, dass sein Arbeitstag mit der Pause endet, holte er sich noch eine Gelbe Karte kurz vor dem Halbzeitpfiff ab.

Wie geht man damit um? In der zweiten Hälfte machte es der eingewechselte Angelo Stiller ordentlich. "Ich will auf Felix und Pavlo nicht verzichten", sagte Nagelsmann. "Ich finde, dass sie es gut machen. Im Fußball kann man nichts ausschließen, aber ein Wechsel ist akut nicht geplant." Er wird sich aber darüber wohl weiter Gedanken machen müssen.

Wohin mit Kimmich?

Denn, Stichwort Zentrale, dort lauert auch ein Luxusproblem: Joshua Kimmich. Also es lauert eben nicht dort, weil der DFB-Kapitän als Rechtsverteidiger spielt. Und dort zeigte sich, dass der Raum für Verbesserungen noch groß ist. Kimmich hatte schon immer Probleme mit schnellen Flügelspielern, das bewies vor allem Yan Diomande im Spiel gegen die Elfenbeinküste.

Dazu kommt seine Doppelrolle: Im Aufbau rutscht Kimmich neben die Innenverteidiger als zusätzlicher Spieler. Doch dann fehlt er auf dem defensiven Flügel, sollte der Ball schnell wieder verlorengehen. Nagelsmanns Lösung ist es, Leroy Sané als eine Art rechtsverteidigenden Flügelstürmer aufzubieten. Der muss damit weite Wege zurücklegen. Zudem muss das "Pavlo"/Nmecha-Duo auch die Löcher stopfen.

Wieso Joshua Kimmich sofort ins Mittelfeld muss

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Den Aktionismus, Kimmich einfach wieder ins Zentrum zu stellen, räumte Nagelsmann nach dem Ecuador-Spiel bewusst ab. Aus gutem Grund: Es würde die gesamte Architektur des deutschen Spiels etwas verschieben. Es bräuchte einen neuen Rechtsverteidiger, der steht aber nicht so richtig im Kader. Waldemar Anton oder Malick Thiaw haben diese Aufgabe zuletzt gegen die USA und kurz gegen Ecuador ausgeführt.

Kimmich stellt sich derweil gar nicht gegen die Debatte. Auf die Frage, ob er nicht im Zentrum besser wäre, sagte Kimmich: "Das ist einzig und alleine die Entscheidung des Trainers. Und wo er das Gefühl hat, wo ich am besten weiterhelfen kann. Da spiele ich dann."

Aber …

Das Gute ist ja, es ist nicht alles schlecht. Im Sechzehntelfinale kehrt Nathaniel Brown auf die Linksverteidigerposition zurück, damit nimmt das DFB-Spiel auch wieder Tempo auf. Und auch Wirtz bekommt wieder einen mitspielenden Kollegen.

Zudem stellt sich dann auch in Boston nicht die lästige Wer-will-es-mehr-Debatte. Da wollen es dann beide Seiten (im Idealfall) gleich viel. Es ist immer schwierig, wenn es für eine Mannschaft (wie Ecuador) um das Überleben im Turnier geht und die andere schon vor Anpfiff als Gruppensieger feststeht.

Die Partie werde nun kritisch analysiert, sagte Kimmich nach Abpfiff. Es kommt darauf an, dass Nagelsmann die richtigen Schlüsse daraus zieht, damit der DFB-Zug wieder an Fahrt aufnimmt.

Verwendete Quelle: ntv.de