Der zweite Spieltag der Fußball-Weltmeisterschaft steht an, damit ist auch wieder das DFB-Team gefordert. Nach dem 7:1-Auftakt gegen Curacao geht es gegen die Elfenbeinküste. Der Bundestrainer geht wohl mit einer unveränderten Formation ins Rennen - auf seinen Kapitän kommt viel Stress zu.
Worum geht's?
Mal wieder um einen Fluch. Nämlich der des kniffligen zweiten WM-Gruppenspiels. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft trifft in Toronto auf die Elfenbeinküste. Wieder hat die DFB-Elf Glück mit den klimatischen Bedingungen: Nach dem klimatisierten Fußball-Raumschiff in Houston warten in Kanada fast schon europäische Verhältnisse (dort ist es sogar kühler als in Deutschland).
Dennoch muss das nichts heißen. Zum einen könnten die Ivorer dem Klub mit Spanien (2022, 1994), Serbien (2010), Jugoslawien (1998), Ghana (2014), Irland (2002), Ungarn (1954) und Argentinien (1966) beitreten. Die zweiten Gruppenspiele sind für die DFB-Elf häufig ein Problem gewesen, gegen die genannten Nationen konnte nicht gewonnen werden. Und gegen Polen (2006, Odonkor auf Neuville) und Schweden (2018, Kroos' Freistoß in den Winkel) waren es sehr anstrengende Angelegenheiten.
Und zum anderen folgt für das DFB-Team die erste ernste Standortbestimmung. Den Auftakt gegen die Karibikkicker aus Curacao gewann das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann überzeugend mit 7:1. Nach zwölf Jahren ohne Auftaktsieg beseitigt das die eigene WM-Nervosität, Antonio Rüdiger berichtete gar von einer Last, die von dem Team abgefallen sei. Die Frage ist, ob sie auch an Anspannung verloren haben. Denn nun wartet der erste ernste Gegner.
Was sagt der Bundestrainer?
Ein Sieg und die DFB-Elf wäre sicher in der K.-o.-Runde. Der Bundestrainer will die Stärken der Ivorer eindämmen. Ausführlich äußerte er sich zu Leroy Sané, der, obwohl sein Team 7:1 gewonnen hat, trotzdem noch heftig kritisiert wurde. Nagelsmann bemängelte ein "Schubladen"-Denken: Der Flügelstürmer werde schon mit einer bestimmten Brille wahrgenommen. Auch deshalb geht die DFB-Elf wohl mit unveränderter Formation ins zweite Gruppenspiel.
Nagelsmann lacht über Schlangenalarm im DFB-Quartier

Wer war noch mal die Elfenbeinküste?
Vor allem "D-Züge" (Rüdiger). Der Leipziger Yan Diomande, Nicolas Pepe, Amad Diallo: Da rauscht ordentlich Tempo auf die deutsche Abwehr zu. Und das könnte vor allem einem DFB-Star einen anstrengenden Arbeitstag bescheren: Joshua Kimmich. Durch seine besondere Rolle rückt der DFB-Kapitän im Spielaufbau ins Mittelfeld, fehlt also auf seiner rechten Abwehrseite, wenn es schnell wird. Es könnte sein, dass Sané deshalb noch mehr in der Defensive aushelfen muss. Erwartet wird, dass die DFB-Elf den Ball hat und die Cote d'Ivoire auf Konter lauert.
Bemerkenswert übrigens: Trainer Emerse Faé übernahm sein Team während des Afrika-Cups 2024 und führte es zum Titel. Dabei hatte er zuvor noch nie eine Profimannschaft trainiert. Ihren WM-Auftakt gewannen die Ivorer mit 1:0 gegen Ecuador durch ein spätes Tor. Eine Überraschung könnte Faé auch gegen die deutsche Nationalelf auf den Platz bringen: Nagelsmann sagte, dass die DFB-Elf nicht 100 Prozent wisse, was auf sie zukommt. Die Ivorer hätten die vergangenen beiden Spiele in einer anderen Ordnung als die Monate zuvor gespielt.
Wie war's im DFB-Quartier?
Viele Aufreger gab's nicht. In Winston-Salem knallte erst die Sonne, später dann das Gewitter. Nagelsmann lobte ein sehr gutes Miteinander und eine noch bessere Spannung im Training. Kimmich berichtete von einem Schlangenfund und Rüdiger von den "jungen Hüpfern" (Havertz, Sané, Musiala, Wirtz). Die lokalen Baseball-Helden, die Winston-Salem Dash, gewannen zwei der drei Derbys gegen die Greensboro Grasshoppers. Die Freunde und Familien des DFB-Tross durften im Quartier vorbeischauen. Also alles kein großes Drama.
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Und was macht Manuel Neuer?
Neuer und seine Wade schauten am Donnerstag im DFB-Hörsaal vorbei. Der 40-Jährige versprühte und erklärte seine Aura (Den Vorderleuten mitgeben: "Da ist noch jemand da, auf den können sie sich verlassen können.") Ansonsten stellte er klar, dass das nun wirklich sein letztes Turnier sein wird (wer weiß, was in zwei Jahren ist), lobte die "hervorragende Qualifikation" von der eigentlichen Nummer eins Oliver Baumann. Und er verkündete: Die Wade hält und fühlt sich sicher an. Beim Verlassen gab Neuer noch Autogramme und stand für Fotos zur Verfügung, dazu nahm er ein Trikot-Geschenk aus Guatamala in Empfang. Stichwort Aura. Dann radelte er auch schon wieder davon.
Wird Deutschland wirklich Weltmeister?
Tatsächlich stehen die Chancen gar nicht mal so schlecht. Der ntv.de-Live-Turnierbaum errechnet für das deutsche Team einen wirklich machbaren Zweig. Im Sechzehntelfinale würde (Stand jetzt, mit dem nächsten Spieltag ändert sich wieder alles) Schottland warten, aber danach? Schweiz und Co. scheinen machbare Kaliber. Und am Ende, wenn man mal fantasieren darf, dann könnten im Finale von New York England und Trainer Thomas Tuchel warten. Das wäre doch was.

