Fußball

Atlético schlägt Fulham im B-Finale Eine Frage des Anspruchs

Atlético Madrid gewinnt den kleinen Europapokal und feiert das auch ausgiebig. Wie überhaupt die Stimmung beim Finale gegen Fulham prächtig war. Das ändert nichts daran, dass die Europaliga das bleibt, was sie ist: die kleine Schwester der Champions League.

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Gute Laune auf der Nordtribüne: Die Fans von Atlético im Hamburger Volksparkstadion.

(Foto: dpa)

Gefeiert haben sie dann, als hätten sie die Champions League gewonnen. Diego Forlan, der mit seinen zwei Toren dafür gesorgt hatte, dass Atlético Madrid in einem ordentlichen Finale der Fußball-Europaliga den FC Fulham mit 2:1 nach Verlängerung besiegt hat und sich nun Premierensieger nennen darf. Forlans Kollegen, die ihn nach seinem Siegtreffer in der 116. Minute wie Kinder über den Rasen des Hamburger Volksparkstadions jagten und auch nicht eingefangen hätten, wäre er nicht irgendwann doch stehen geblieben. Und die Anhänger aus Madrid auf der Nordtribüne sowieso.

Überhaupt waren es die Fans, die diesem B-Endspiel zwischen dem Tabellenneunten der spanischen Primera División und dem Tabellenzwölften der englischen Premier League wahrhaft europäisches Format gaben. Das ändert zwar nichts daran, dass die zu dieser Saison neu geschaffene Europaliga als Nachfolgerin des Uefa-Pokals das bleibt, was sie ist: Die kleine Schwester der Champions League. Dort spielen die richtig guten Mannschaften, die großen Klubs, die Superstars. Dort geht es um das große Geld. Während, nur ein Beispiel, die Vereine 3,8 Millionen Euro als Startgeld bekommen, sind es in der Europaliga gerade einmal 600.000 Euro.

Das große Geld spielt woanders

Zudem sind die Gagen pro Spiel, die Prämien und die Erlöse aus dem Marktpool der Uefa in der Europaliga wesentlich niedriger. Auch die Direktvermarktung mit einheitlichem Ball und Logo sowie die zentral vergebenen TV- und Werberechte sorgten in der Premieren-Saison nicht für den erhofften Geldregen. Da die deutschen Vereine ihre Spiele nicht mehr eigenverantwortlich an die Fernsehsender verkaufen durften, nahmen sie deutlich weniger ein - was der Hamburger SV und der VfL Wolfsburg zu spüren bekamen.

Erst im Finale wurde es lukrativ. Zwei Millionen Euro zahlte der europäische Verband für das Erreichen des Endspiels, für den Sieger aus Madrid gab es eine weitere Million. Alles Zahlen, die im Vergleich zur Champions League bescheiden wirken. Dort kann der Gewinner sogar auf bis zu 31,2 Millionen an Prämien kommen.

Viele Menschen, die sich freuen

Das aber hat an diesem Europaliga-Abend in Hamburg niemanden gestört. Alle waren froh, da zu sein, wo sie waren – in einem Endspiel. Ob A oder B, das war ihnen egal. Schließlich hatte Atlético zuletzt vor 48 Jahren einen Europapokal gewonnen, den der Pokalsieger, 1962 war das. Und der FC Fulham hat in den 131 Jahren seines Bestehens noch nie einen Titel geholt, was sich, wie wir jetzt wissen, zumindest in diesem Jahr auch nicht mehr ändern wird.

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Gute Laune auf der Südtribüne: Die Fans von Fulham im Hamburger Volksparkstadion.

(Foto: REUTERS)

So war es einfach schön, Menschen dabei zuzusehen, wie sie sich freuen. Am Mittwoch waren sehr viele von ihnen im Stadion, verteilt nach Lieblingsklub auf die Blöcke hinter den Toren, geschätzte 25.000 insgesamt. Die Engländer bejubelten von Beginn an jeden halbwegs gelungenen Querpass ihrer Mannschaft und zeigten sich nach der Partie als faire Verlierer. Und die Spanier feierten auch wenn ihr Team gar nicht am Ball war. Was die Menschen aus Fulham wiederum dazu animierte, sich noch lauter zu freuen.

Ein bisschen Hamburg war dann doch

Etwas stiller war es auf den teuren Plätzen der West- und Osttribüne. Einige Kartenbesitzer waren gar nicht erst gekommen, sodass die Arena zwar mit 49.000 Zuschauern offiziell ausverkauft war, aber dennoch einige Sitzplätze leer blieben. Die, die nicht gekommen waren, waren wahrscheinlich die, die gehofft hatten, dass der Hamburger SV das Finale erreicht und nicht an Fulham scheitert. So feierten die Fans aus Fulham und Madrid ihr Fest, beste Stimmung auch ohne den HSV.

Nur ganz zu Beginn war dann doch ein bisschen Hamburg auf dem Platz, als Uwe Seeler, Ehrenpräsident des HSV, den Pokal, der immer noch derselbe ist wie zu Uefa-Cup-Zeiten und fast so groß wie Uwe Seeler, aufs Spielfeld schleppen durfte. Uwe Seeler sah so aus, als mache er das gerne. Das Publikum dankte ihm mit einem warmen Applaus – und wandte sich dem Wesentlichen zu. Denn es ging ja immer noch um Fußball.

Gekommen, um zu feiern

Und beide Mannschaften zeigten vor allem in der ersten Halbzeit, dass auch europäisch zweitklassiger Fußball unterhaltsam sein und Freude bereiten kann – alles eine Frage der Ansprüche, die für die Anhänger beider Vereine längst geklärt war. Nach einer guten halben Stunde kam Diego Forlan – oder besser der Ball etwas überraschend zu ihm. Und da Forlan ohne störenden Gegenspieler dastand, lenkte er ihn an Fulhams australischen Torhüter Mark Schwarzer vorbei ins Tor. Freude auf der Nordtribüne.

Fünf Minuten später glich Simon Davies (37.) aus. Freude auf der Südtribüne. Danach fiel zwar 79 Minuten lang kein Tor, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. Fast schien es so, als seien die Fans beider Mannschaften froh, ihre Freude über dieses Endspiel so lange wie möglich auskosten zu können, am besten bis zum Elfmeterschießen, auf das dann das Schicksal entscheiden möge. Schließlich waren sie gekommen, um zu feiern. Was die Madrilenen schließlich ausgiebig taten. Dank Diego Forlan. Als hätten sie die Champions League gewonnen.

Quelle: ntv.de