Fußball

DFB setzt Zeichen mit Sperre Eintracht-Rambo Abraham erhält keine Gnade

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Haben sich mittlerweile wieder lieb: Christian Streich und David Abraham.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Auch Christian Streich am Telefon kann nichts mehr ausrichten: Nach der Attacke gegen den Freiburger Trainer bleibt David Abraham von Eintracht Frankfurt gesperrt. Das DFB-Sportgericht beendet damit das Bundesliga-Jahr für den SGE-Kapitän. Fußball spielen darf er vor Weihnachten trotzdem noch zweimal.

David Abraham bleibt für sieben Wochen gesperrt, nachdem der Kapitän von Eintracht Frankfurt Freiburgs Trainer Christian Streich bei einem Bundesliga-Spiel umgestoßen hat. Bei der mündlichen Verhandlung wich das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt am Main nicht von der Einzelrichterentscheidung ab. Das Gericht wies damit den Einspruch der Hessen gegen das Urteil aus der vergangenen Woche zurück. Ob der Klub vor das Bundesgericht zieht, will die Eintracht erst intern erörtern.

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"Natürlich liegt hier kein Fall der Fahrlässigkeit vor. Es ist ein klarer Fall des direkten Vorsatzes", sagte der Sportgerichts-Vorsitzende Hans E. Lorenz nach der vierstündigen Verhandlung: "Er hat ihn, wie das vielleicht im Eishockey üblich ist, mit einem Bodycheck abgeräumt - nicht mehr und nicht weniger. Bewährung kann man in einem solchen Fall nicht geben."

Abraham hatte in der Nachspielzeit der Partie beim SC Freiburg am 10. November (0:1) den Freiburger Trainer Streich zu Boden gecheckt und dafür von Schiedsrichter Felix Brych die Rote Karte gesehen. Für diesen Ausraster wurde der 33 Jahre alte Argentinier am vergangenen Mittwoch bis zum 29. Dezember gesperrt, dazu kam eine Geldstrafe in Höhe von 25.000 Euro. Kapitän der Frankfurter soll Abraham dennoch bleiben.

Härtere Strafe stand im Raum

Die Eintracht hatte Einspruch gegen das Urteil eingelegt, "um David Abraham die Möglichkeit zu geben, sich im Rahmen eines mündlichen Verhandlungstermins vor dem DFB-Sportgericht persönlich zu dem Geschehen in Freiburg zu äußern". Abraham hat sich bereits "in aller Form" entschuldigt und wurde vereinsintern mit einer Geldstrafe in Höhe von 35.000 Euro belegt. "Ich wollte den Trainer nicht bewusst umhauen. Ich war komplett auf den Ball konzentriert und habe versucht, dem Trainer noch auszuweichen", gab Abraham bei der Verhandlung zu Protokoll: "Mir war gar nicht bewusst, dass ich ihn umgerempelt habe. Es war nicht meine Absicht, ihm wehzutun. Ich bin mir sicher, dass so etwas nicht mehr vorfallen wird."

Diese Einlassung kam bei Lorenz nicht gut an. Der ungehaltene Kontrollausschuss-Vorsitzende Anton Nachreiner bezeichnete die Ausführungen sogar als "Märchenstunde" und beantragte als Reaktion eine härtere Strafe (acht Pflichtspiele) sowie eine Geldstrafe in Höhe von 25.000 Euro. Letztere wurde auch ausgesprochen. Schiedsrichter Brych bewertete den Vorfall bei seiner Aussage als "vorsätzliche Aktion". Brych gab an, dass er "so etwas im Profifußball noch nicht erlebt" habe.

Streich per Telefon zugeschaltet

Zugute kam Abraham, dass Streich ihn entlastete. "Er hat die Kontrolle verloren, aber ich habe auch schon Fehler gemacht", sagte der per Telefon zugeschaltete Trainer. Lorenz machte daraufhin klar, dass Abraham bei einer Verletzung Streichs eine wesentlich längere Sperre gedroht hätte. Auch die Tatsache, dass Abraham die verbleibenden zwei Gruppenspiele in der Europa League spielen darf, wertete Lorenz als Entgegenkommen in Richtung der Eintracht.

Der Freiburger Offensivspieler Vincenzo Grifo hatte sich im Anschluss an den Check gegen Streich ein Handgemenge mit Abraham geliefert und wurde dafür mit einer Sperre von drei Spielen belegt. Ihren Einspruch gegen die Sperre des 26 Jahre alten Deutsch-Italieners zogen die Freiburger bei der Verhandlung zurück.

"Ich habe meinen Trainer am Boden gesehen. Ich möchte David auf keinen Fall ins Gesicht fassen. Ich möchte ihn nur von mir weghalten, wegstoßen", erklärte Grifo seine Tätlichkeit. Die Ausführungen der beiden Fußballer kommentierte Lorenz ironisch: "Sie sind ja alle ziemlich nett zueinander."

Richter betont "Abschreckungswirkung"

Fifa-Referee Brych verwies als Zeuge noch darauf, dass er Grifo, der eine Mütze trug, gar nicht gleich erkannt habe in der Szene. Wenn er ihn nicht mit Hilfe von Freiburgs Sportvorstand Jochen Saier identifiziert hätte, hätte Brych dem Regelwerk entsprechend Streich als Verantwortlichem die Rote Karte zeigen müssen. Aus Angst davor, dass die Stimmung im Stadion weiter hochkocht, ist Streich nach eigenen Angaben noch auf dem Platz auf Abraham zugegangen. "Wir wissen, was passieren kann, wenn man das eskalieren lässt", sagte der SC-Coach.

Der "Fall Abraham" hatte vor allem mit Blick auf die Vorbildfunktion der Profis große Brisanz. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Gewaltexzesse in den Amateurligen wurde ein Urteil mit Signalwirkung erwartet. "Das, was oben passiert, findet seine Wiederholung an der Basis", sagte Lorenz: "Deshalb musste ein Zeichen gesetzt werden - als Abschreckungswirkung."

Quelle: n-tv.de, cri/sid/dpa