Fußball

Immer ein U21-Spieler dabei?FIFA erwägt, Klubs zur eigenen Jugend zu zwingen

30.04.2026, 13:15 Uhr
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Wael Mohya (l.) würde bei Borussia Mönchengladbach die FIFA-Bestimmungen erfüllen. (Foto: picture alliance / pepphoto)

So erfolgreich wie möglich soll ein Fußball-Profikader natürlich sein. Doch es gibt Regeln, wie die Klubs diesen zusammenstellen dürfen. Auch die FIFA überlegt, sich einzumischen. Es geht um den Nachwuchs.

Muss bald mindestens ein Spieler aus dem eigenen Land, der noch nicht älter als 20 Jahre ist, in jedem Fußballspiel mitmischen? Der Weltverband FIFA erwägt Berichten zufolge, eine Regel dafür einzuführen, um die Nachwuchsförderung voranzutreiben. Und zwar weltweit.

Die FIFA betätigte, dass es Gespräche mit Vertretern aller sechs Kontinentalverbände gegeben hat, bei denen die Idee Unterstützung fand. Innerhalb des kommenden Jahres soll der Vorschlag formell dem FIFA-Rat vorgelegt werden.

Die Regel solle sicherstellen, dass junge Spieler, die lokal ausgebildet werden, auch früh auf Seniorenebene zum Einsatz kommen und nicht nur in Nachwuchs- oder Reservemannschaften spielen. "Wir wollen junge Spieler fördern und Eigengewächse in den Vordergrund rücken. Es gibt viele Beispiele von Vereinen, die etablierte Stars verpflichten, anstatt Nachwuchsspielern eine echte Chance zu geben", zitierte die "Times" einen anonymen Insider. "Es mag erheblichen Widerstand geben, aber wir müssen alle Seiten des Fußballs anhören, damit dies bei jedem Vorschlag berücksichtigt werden kann."

Berichten zufolge ist noch nicht geklärt, ob die Spieler der U21 oder sogar der U20 angehören müssen. Fraglich sei auch, wer in der Regel als "einheimischer Akteur" gelten darf.

UEFA regelt Local Player

In der Bundesliga etwa ist über die Local-Player-Regelung der UEFA festgelegt, dass mindestens acht Spieler pro Klub lokal von einem deutschen Klub oder Verband ausgebildet sein müssen. "Ein von Klub-Seite ausgebildeter Spieler muss in drei Spielzeiten/Jahren im Alter zwischen 15 und 21 Jahren für den Verein oder die Kapitalgesellschaft spielberechtigt gewesen sein, ein vom Verband ausgebildeter Spieler in drei Spielzeiten/Jahren im Alter zwischen 15 und 21 Jahren für einen Verein oder eine Kapitalgesellschaft im Bereich des DFB", heißt es von der Deutschen Fußball-Liga. Sowohl in der Bundesliga als auch der 2. Bundesliga müssen zwölf deutsche Lizenzspieler unter Vertrag stehen.

Die Local-Player-Regelung der UEFA gilt natürlich auch in der englischen Premier League. Allerdings bezieht sich die Regel lediglich auf die Kaderzusammensetzung und garantiert keine Spielzeit. Zudem können die Spieler inzwischen längst die U21-Altersgrenze überschritten haben. Sollte in Zukunft immer ein einheimischer Spieler unter 21 Jahren auf dem Platz stehen müssen, bedeutet das große Veränderungen für die Klubs.

Die "Times" hat aufgeschlüsselt, dass in dieser Saison der Premier League Newcastle United (3290 Minuten), Manchester City (2850) und Manchester United (2262) die meisten Spielminuten für englische U21-Spieler eingeräumt haben. Manchester United hat demnach seit 88 Jahren ein Eigengewächs in seinem Spieltagskader. Noch gar keine einzige Spielminute für einen Spieler dieser Kategorie hatten Burnley und Leeds United übrig.

Spieler nur zur Quotenerfüllung dabei?

Für die Trainer, für das Team - aber auch schon in der Kaderplanung, der Nachwuchsentwicklung und bei der Rekrutierung müssten Vieles umgestellt werden. Die Überlegung der FIFA rührt offenbar daher, dass sie mehr vereinheitlichen will, wie Vereine mit ihrer Jugend umgehen.

Auch wie die Regel ausgestaltet wird, lässt Spielraum. So wirft die "Times" etwa die Frage auf, ob ein den Regeln entsprechendes junges Eigengewächs dann immer 90 Minuten durchspielen müsste - selbst auf die Gefahr hin, dass es sich verletzen würde. Denn falls nicht nur in der Startelf, sondern über die gesamte Spielzeit ein Eigengewächs auf dem Platz stehen muss, müsste das auch bei Einwechslungen berücksichtigt werden - entsprechend müssten mehrere Eigengewächse im Kader stehen.

Zudem stellt sich die Frage, wie beliebt ein Spieler sein wird, wenn er nur zur Quotenerfüllung ins Team rückt. Nach der Hinrunde zeichnete die DFL 16 Local Player für ihre Debüts in der Bundesliga und 2. Liga aus. Eine Datenanalyse der Einsatzzeiten bis zur Winterpause von ntv.de und sport.de zeigte, dass Borussia Mönchengladbach an den ersten 15 Bundesliga-Spieltagen am meisten auf Local Player setzte - mit Wael Mohya und Fabio Chiarodia hatten aber nur zwei von ihnen nicht die U21 überschritten.

Quelle: ntv.de, ara

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