Wölfe leben, Adler malochenFassungsloser Teenager verzückt Borussia Dortmund

Erstes Spiel mit Dieter Hecking, die ersten drei Punkte mit dem neuen Trainer: Der VfL Wolfsburg sendet im Abstiegskampf ein Lebenszeichen. Derweil freut sich das gesamte Stadion in Dortmund über das erste Tor des 18-jährigen Luca Reggiani in der Fußball-Bundesliga.
Borussia Dortmund - FC Augsburg 2:0 (1:0)
Borussia Dortmund hat sein letztes verbliebenes Minimalziel weiter fest im Blick. Durch das 2:0 (1:0) gegen den FC Augsburg hielt das Team von Trainer Niko Kovac die Verfolger im Rennen um den zweiten Platz der Fußball-Bundesliga auf Distanz. Der BVB startet auch dank des souveränen Erfolgs mit einem komfortablen Vorsprung in den Endspurt.
Karim Adeyemi (13.) und Tor-Debütant Luca Reggiani (59.) trafen für die Dortmunder, für die es in dieser Saison nach dem Aus im DFB-Pokal und in der Champions League nur noch darum geht, die Vizemeisterschaft hinter Bayern München und damit die erneute Königsklassen-Teilnahme abzusichern. Ansonsten bestimmen längst die Personalplanungen für die neue Saison die Gespräche.
Der geplante Umbruch beim BVB sorgte auch rund um die Partie am Samstag für Aufsehen. Julian Brandt, Niklas Süle und Salih Özcan werden den Klub verlassen, das ist seit dieser Woche klar. Felix Nmecha verlängerte seinen Vertrag (bis 2030). Gespannt blicken die Fans nun auf Nico Schlotterbeck, dessen Zukunft noch ungeklärt ist.
Der Nationalspieler stand auch im Fokus, weil er seinen Bruder und Gegner Keven Schlotterbeck bei der Platzwahl begrüßen durfte. Die Kapitäne ihrer Teams gingen sich auf dem Feld aber zunächst aus dem Weg. Andere sorgten für die Höhepunkte - etwa Adeyemi, der in der Spitze für Serhou Guirassy begann und die erste Chance eiskalt nutzte. Im Fallen setzte er sich stark durch und schob ein.
Die Dortmunder kontrollierten das Spiel, leisteten sich zugleich aber einige Unsauberkeiten und Fehler. Einen Patzer von Waldemar Anton ließ Rodrigo Ribeiro bei der einzigen FCA-Chance ungenutzt (23.). Erst nach einer halben Stunde erhöhte der BVB wieder die Schlagzahl, eine höhere Führung wäre durchaus verdient gewesen.
Maximilian Beier (29.) und Adeyemi (33.) trafen jeweils die Latte, FCA-Torhüter Finn Dahmen lenkte den Ball beinahe mit der Faust ins eigene Tor (30.). Dazu köpfte Beier knapp drüber (44.).
Die Augsburger, die sich mit starken Auftritten inzwischen im Mittelfeld der Tabelle festgesetzt haben, blieben auch nach dem Seitenwechsel harmlos. Dortmund verwaltete die Führung und erhöhte zu einem günstigen Zeitpunkt. Der 18-jährige Reggiani, der erst zum zweiten Mal in der Bundesliga-Startelf des BVB stand, köpfte nach einer Ecke seinen ersten Treffer und ließ sich ausgiebig feiern. Auch in der Schlussphase erspielte sich der BVB weitere Möglichkeiten.
TSG Hoffenheim - VfL Wolfsburg 1:1 (0:0)
Ein Punkt zum Einstand - doch der VfL Wolfsburg hat beim Debüt seines neuen Trainers Dieter Hecking den ersehnten Befreiungsschlag verpasst. Bei der Rückkehr Heckings, der für den zuvor entlassenen Daniel Bauer verpflichtet worden war, kam der VfL bei der TSG Hoffenheim zwar zu einem 1:1 (0:0), kassierte kurz vor Schluss aber den Gegentreffer. Damit stehen die Wölfe weiter auf dem vorletzten Tabellenplatz und drei Punkte hinter Relegationsplatz 16.
Konstantinos Koulierakis (64.) hatte Wolfsburg Mitte der zweiten Halbzeit in Führung gebracht, Grischa Prömel (83.) rettete der TSG spät einen Punkt. Als Tabellendritter liegen die Kraichgauer weiterhin auf Champions-League-Kurs, die Gäste blieben derweil zum neunten Mal hintereinander ohne Dreier.
Hecking hatte im Vorfeld angekündigt, "alles dafür tun, dass die Mannschaft die Energie und den Glauben an sich hat, Spiele gewinnen zu können – warum nicht auch in Hoffenheim?" Zwischen 2013 und 2016 hatte der 61-Jährige mit dem VfL den DFB-Pokal und den Supercup gewonnen, mit der Realität Abstiegskampf hatten seine Schützlinge in Sinsheim aber zunächst ihre Probleme.
Hoffenheim kontrollierte die Partie vor 26.252 Zuschauern von Beginn an, Innenverteidiger Ozan Kabak ließ in der Anfangsphase gleich drei Kopfballmöglichkeiten ungenutzt (6., 9., 17.). "Rückhalt muss man sich verdienen!", hatte der auffallend ruhige Wolfsburger Anhang auf ein großes Banner geschrieben, Torgefahr allerdings ließ ihr Herzensklub nicht ansatzweise erkennen.
Mit verschränkten Armen beobachtete Hecking stattdessen, wie sich sein Team in der Defensive abmühte, Keeper Kamil Grabara verhinderte gegen Wouter Burger (26.) den Rückstand. Im Anschluss flaute die Partie etwas ab, bevor Fisnik Asllani Wolfsburgs Torhüter zur nächsten Rettungstat zwang (40.). Das torlose Remis zur Pause war aus Sicht der Gäste schmeichelhaft, auch wenn die Abwehrleistung insgesamt stabil war.
In die zweite Hälfte starteten beide Teams ohne personelle Wechsel, und auch das Geschehen spielte sich erneut überwiegend in der Wolfsburger Hälfte ab. Jedoch taten sich die Hausherren nun schwer, klare Chancen herauszuspielen - und wurden urplötzlich bestraft: Nach einer Ecke köpfte Koulierakis wie aus dem Nichts zur Wolfsburger Führung ein. Hoffenheim bemühte sich um eine sofortige Antwort, Prömel hatte sie.
Eintracht Frankfurt - 1. FC Heidenheim 1:0 (0:0)
Eintracht Frankfurt bleibt unter Trainer Albert Riera in der Bundesliga eine Heimmacht. Gegen den Tabellenletzten 1. FC Heidenheim fuhr der Europacup-Anwärter beim 1:0 (0:0) einen Pflichtsieg ein, ohne in einer zähen Partie spielerisch zu glänzen. Der spanische Coach jubelte im dritten Spiel vor eigenem Publikum über den dritten Erfolg.
Arnaud Kalimuendo (53.) traf für die Frankfurter, deren Kapitän Robin Koch mit Gelb-Rot vom Feld musste (73.). Die Eintracht sicherte damit Tabellenplatz sieben, der abhängig von den Ergebnissen im DFB-Pokal zu einer erneuten Teilnahme am europäischen Geschäft reichen könnte. Heidenheim hingegen ist nach der 18. Saisonniederlage und mit schon zehn Punkten Rückstand auf den Relegationsrang kaum noch zu retten - zumal die Konkurrenz im Laufe des Spieltags weiter davonziehen kann.
Nach dem statischen Auftritt beim müden 0:0 gegen den FC St. Pauli hatte Riera seine Spieler zu schnellerem Passspiel ermahnt. Doch auch gegen den tief stehenden Abstiegskandidaten fehlte der Eintracht die Zielstrebigkeit. Immerhin: Von der unter Riera-Vorgänger Dino Toppmöller auffälligen Anfälligkeit in der Defensive war abermals nichts zu bemerken.
71 Prozent Ballbesitz und insgesamt 370 gespielte Pässe standen aus Frankfurter Sicht nach dem Ende der zähen ersten Hälfte zu Buche - gefährliche Torchancen aber gab es keine. Lediglich Hugo Larsson schoss einmal recht harmlos auf das Heidenheimer Tor (44.).
Der Bann brach dann kurz nach dem Seitenwechsel. Nationalspieler Koch verlängerte unorthodox per Kopf, Kalimuendo schloss zur Führung ab. Im Anschluss spielten die Frankfurter deutlich präziser nach vorne - Fares Chaibi ließ per Kopf eine gute Chance aus (61.).
Sechs Minuten später jubelten aber plötzlich die Gäste: Sirlord Conteh hatte nach einem langen Ball freie Bahn und traf sehenswert per Heber, doch dem Treffer wurde wegen einer knappen Abseitsstellung die Anerkennung verweigert. Nach dem Platzverweis gegen Koch wegen wiederholten Foulspiels wurde es für die Frankfurter knifflig, Ritsu Doan verpasste die Entscheidung am langen Pfosten (75.).