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"Lange versäumt, etwas zu tun" Fußball-Osten quält Angst vor Neonazi-Eklat

Die FC Chemnitz Fans gedachten Neonazi Thomas Haller mit Pyrotechnik.

Die FC Chemnitz Fans gedachten Neonazi Thomas Haller mit Pyrotechnik.

(Foto: www.imago-images.de)

Pyrotechnik und Trauerbekundungen für einen Neonazi - dem Chemnitzer FC wird vorgeworfen, mit rechten Fans zu solidarisieren. Ein Weckruf für alle Fußballvereine. Beschränkt sich das Problem auf den Osten der Bundesrepublik? Oder durchdringt die rechte Szene schon deutschlandweit die Klubs?

Die Spur des Chemnitzer Neonazi-Skandals reichte bis Cottbus. Vor dem Spiel von Energie Cottbus gegen Preußen Münster (3:0) in der Fußball-Regionalliga-Nordost präsentierten Fans im Stadion der Freundschaft ein Banner mit der Aufschrift "Ruhe in Frieden Tommy". Die fragwürdigen Gedenkmomente für den mutmaßlichen Neonazi heizten die Debatte an, ob der Fußball im Osten als Spiegelbild der Gesellschaft ein besonderes Problem mit rechtsradikalen Fans hat. Im Umfeld des Cottbusser Vereins hatten die Rechtsradikalen in den letzten Wochen wieder für Schrecken gesorgt. Die Hooligan-Gruppe "Inferno Cottbus", die sich eigentlich im Jahr 2017 aufgelöst hatte, treibt dort weiterhin ihr Unwesen. Sie übt massiven Druck auf den Rest der Fanszene aus.

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Daniel Frahn war sich der Bedeutung des Shirts eigenen Angaben nach nicht bewusst.

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Für Fanforscher Gunter A. Pilz ist es kein Zufall, dass Neonazis auf Ost-Klubs einen relativ starken Einfluss haben. "Zum Teil hat es damit zu tun, dass man es in den neuen Bundesländern lange versäumt hat, etwas zu tun", erklärt der Experte. Auch fehle den Vereinen das nötige Geld, um solche Strömungen effektiv zu bekämpfen. Für Pilz stimmt der bisherige Einsatz nicht: "Wenn da nicht geschlossen gegen vorgegangen wird, gibt es wenig Chancen, das zu korrigieren."

Rechte Fans - ein bundesweites Problem?

Präsident Erwin Bugar vom Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV) weißt den Vorwurf zurück, dass es sich um ein typisches Problem des Fußball-Ostens handele. "Dafür gibt es einfach zu viele Beispiele aus den westlichen Bundesländern", sagte der höchste Funktionär des Fußball-Ostens. Auch aus Fußball-Standorten wie Dortmund und Braunschweig sind Probleme mit rechtsradikalen Fans bekannt. Bugar will am 19. März beim Treffen der Drittligisten und Regionalligisten mit den Klubs aus dem Osten noch einmal über den Umgang mit rechtsradikalen Fans reden. Eigentlich wüssten die Vereine aber Bescheid, so Bugar, der die Einrichtung einer zusätzlichen Beratungsstelle im Verband für unnötig hält. Noch immer muss sich der Verband mit den Vorfällen beim Ligaspiel des Chemnitzer FC am Samstag gegen VSG Altglienicke (4:4) beschäftigen. Im Stadion der Himmelblauen wurde einem mutmaßlich rechtsradikalen Chemnitz-Fan durch eine Gedenkminute und durch eine spezielle Choreografie gedacht. Drei Mitarbeiter des Klubs mussten daraufhin gehen.

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Bei dem Spiel hatte auch CFC-Stürmer Daniel Frahn für Wirbel gesorgt, weil er mit einem Hooligan-Shirt gejubelt hatte. Inzwischen hat sich der frühere Angreifer von RB Leipzig dafür entschuldigt. Er wolle klarstellen, so Frahn, "dass ich kein Sympathisant eines Neonazis bin! Auch teile ich diese politische Einstellung nicht und trage auch keine rechten Gedanken in mir", teilte der gebürtige Potsdamer mit. Stattdessen hätte Unkenntnis ihn zu seiner Tat bewogen: "Das Shirt, dass ich hochgehalten habe, diente nicht dazu, ein politisches Statement zu setzen. Mir war auch nicht bewusst, dass dieses Shirt so tief in der Neonazi-Szene verankert ist", schreibt der 31-Jährige auf seinen sozialen Netzwerkseiten: "Dafür möchte ich mich aufrichtig und ehrlich entschuldigen."

Berliner AK droht mit Spielboykott

Man darf gespannt sein, wie sehr Frahn und sein Team die Vorfälle vom Wochenende noch belasten. Am Mittwoch tritt der CFC zum brisanten Ostderby beim BFC Dynamo an, vier Tage später ist man beim Berliner AK zu Gast. Vor dem Hinspiel hatte sich die Multi-Kulti-Truppe des AK wegen der damaligen fremdenfeindlichen Äußerungen in Chemnitz besorgt gezeigt und mit Boykott gedroht. "Chemnitz sollte sich zwischen Sport und Politik entscheiden. Der Fußball muss die Menschen zusammenbringen, nicht ausgrenzen", sagte BAK-Präsident Mehmet Ali Han. Im Gegensatz zu Bugar sieht der Klub-Chef "auf jeden Fall" ein Bedarf, für eine verbesserte Beratung für die Klubs, wie sie mit rechtsradikalen Fans umgehen müssen. Dafür werde "nicht genug" getan, stellte Han klar.

Quelle: n-tv.de, jho/sid

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